Leeramt: Massive Verschlechterungen für zukünftige Lehramtsstudierende

Senat der Uni Wien beschließt neue Lehramtsstudienpläne. ÖH Uni Wien kritisiert: Weniger fachwissenschaftliche Ausbildung, Aufnahmeverfahren und offene Fragen bleiben über.

Wien (OTS) - Am Donnerstag wurden vom Senat der Universität Wien die neuen Studienpläne für Lehramtstudierende beschlossen. Ab dem nächsten Wintersemester können zukünftige Lehrer_innen nur mehr im Bachelor/Master ihr Lehramtsstudium absolvieren.

Bereits die gesetzliche Grundlage zur Ausgestaltungen der neuen Lehramtsstudienpläne wurde viel kritisiert. Die zukünftigen Lehramtsstudien wurden gerade im Bereich der fachlich-wissenschaftlichen Ausbildung massiv zusammengekürzt:
zukünftige Mathematiklehrer_innen beispielsweise werden nicht länger als ca. zwei Semester überhaupt im Bereich "Mathematik" studieren. "Um schneller Absolvent_innen produzieren zu können wurde die wissenschaftliche Ausbildung auf ein Minimum reduziert" so Lucia Grabetz vom Vorsitzteam der ÖH Uni Wien. "Dass der fachlichen Ausbildung zukünftiger Lehrer_innen laut Gesetzesentwurf so wenig Relevanz zukommt, zeugt auch von der geringen Anerkennung für Lehrer_innen in Österreich - Das Lehramt wird zum Leeramt", so Grabetz weiter.

Doch auch die Umsetzung seitens der Universität Wien weist schwere Mängel auf. Immer wieder hat die ÖH an der Uni Wien die unmöglichen Rahmenbedingungen, die von Rektorat und Senat der Universität Wien diktiert wurden, kritisiert: Die Arbeitsgruppen zur Erarbeitung der verschiedenen Studienpläne hatten durchschnittlich weniger als ein halbes Jahr Zeit, gesamte Curricula neu zu entwickeln. Unter diesem von der Uni Wien erzeugten Zeitdruck blieb weder Zeit für umfangreiche Diskussionen noch Reflexionen über die zukünftigen Lehramtsstudienpläne. "Scheinbar war die Einhaltung selbst gegebener Zeitpläne an der Uni Wien wichtiger als eine fundierte Auseinandersetzung mit den Notwendigkeiten und Anforderungen an zukünftige Lehrer_innen" erklärt Stephanie Mihelic, Zuständige der ÖH Uni Wien für den Lehramtsbereich.

Gerade die Einführung der vom Rektorat lange verschwiegenen Aufnahmeverfahren, nach denen sich zukünftige Studieninteressierte einem fünffach gestaffelten Aufnahmeprozedere unterziehen müssen, stellen massive Einschnitte dar. Von der Online-Voranmeldung zum Online-Self-Assessment-Test über die Aufnahmeprüfung zu einem eventuellen Interviewtermin bis hin zur Studieneingangphase im ersten Semester: Studierende werden von Seiten des Rektorats mit verfrühten Fristen und Prüfverfahren schlicht vom Studium abgehalten. "Die vom Rektorat gelobte Regelung, dass niemandem aktiv das Studium verweigert werde, gilt darüber hinaus nur für die nächsten drei Jahre - danach ist mit verschärften Zugangsbeschränkungen im Lehramt zu rechnen", warnt Mihelic.

Während des Erarbeitungsprozesses wurden außerdem die Wünsche, Bedürfnisse und konstruktiven Anregungen der Studierenden auf allen Ebenen weitestgehend übergangen. "Unsere Bemühungen die Expertise der Studierenden mit einzubringen wurden ignoriert: Ein Forderungskatalog, der auf einer Vollversammlung für alle (Lehramt-)studierenden erstellt wurde, fand weder im Rektorat noch im Senat Berücksichtigung", bemängeln Cathy Schneider und Stephanie Marx vom Vorsitzteam.

Weitere Randbestimmungen in Bezug auf die neuen Lehrpläne sind noch immer ungewiss: Bis dato ist noch unklar bis zu welchem Zeitpunkt Studierende, die momentan noch im Diplomstudium studieren, ihr Studium beenden können. Außerdem ist offen, ob Studierenden, die nur die Kombination ihrer Unterrichtsfächer ändern wollen dies überhaupt können: Da dies bedeuten würde, ein neues Studium inskribieren zu müssen, müssen die Studierenden damit rechnen, in den Bachelor oder Master überführt zu werden - wobei unklar ist, wieviel ihrer bereits absolvierte Leistungen sie sich in dergestalt veränderten Studienplänen überhaupt anrechnen können. "Eine große Zahl an Studierenden könnte hier am Fortschritt oder gar Abschluss ihres Studiums gehindert werden" befürchtet das Vorsitzteam der ÖH Uni Wien. "Eine Regelung, entsprechend der Universität Salzburg, laut der Studierende einmal die Kombination ihrer Unterrichtsfächer wechseln können ohne in den Bachelor/Master überführt zu werden, ist hier unabdingbar".

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