- 26.06.2014, 10:15:31
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BELVEDERE: Silver Age - Russische Kunst in Wien um 1900
Wien (OTS) - Mit der Ausstellung "Silver Age - Russische Kunst in
Wien um 1900" widmet sich das Belvedere der russischen Kunst und den
kulturellen Verbindungen zwischen Russland und Österreich zu Beginn
des 20. Jahrhunderts. Der Begriff "Silbernes Zeitalter" bezeichnet
die kulturelle Blüte in der russischen Literatur und bildenden Kunst
nach 1900 und gilt als Äquivalent zum deutschen Wort Jugendstil.
Zwei von der Wiener Secession in den Jahren 1901 und 1908
organisierte Ausstellungen brachten damals dem Wiener Publikum die
zeitgenössische russische Kunst näher, die von Kritikern wie Käufern
überaus positiv aufgenommen wurde. Während die erste Schau die
Kunstproduktion der nordischen Länder thematisierte und Russland nur
in einem Abschnitt präsentierte, war die zweite Ausstellung
vollständig der modernen russischen Kunst gewidmet. Gezeigt wurden
insbesondere Werke bereits etablierter Künstler der Gruppe "Welt der
Kunst" (Mir Iskusstwa) sowie Arbeiten von Vertretern der jungen
Vereinigung 2Blaue Rose" (Golubaja Roza), der letzten Generation des
russischen Jugendstils. Drei Gemälde der Ausstellung des Jahres 1908
wurden für die Moderne Galerie - das heutige Belvedere - angekauft,
darunter das bedeutende Porträt der Familie Polenow von Boris M.
Kustodijew, das zuvor vom konservativen russischen Kunstbetrieb
abgelehnt worden war. Im Rahmen der Ausstellung "Silver Age" werden
Werke russischer Künstler präsentiert, die bereits vor mehr als 100
Jahren in Wien zu sehen waren, und damit die beiderseitigen Einflüsse
dieses kulturellen Austauschs in der russischen wie auch in der
österreichischen Kunst veranschaulicht.
Im gesamten späteren 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war
russische Kunst in Wien relativ häufig zu sehen. Die
unterschiedlichen Bereiche des künstlerischen Lebens blühten in noch
nie da gewesener Weise auf, was dazu führte, dass die Zeitgenossen
diese Periode als "Silbernes Zeitalter" bezeichneten. Jene
erstaunliche kreative Glanzzeit umfasste eine nur kurze Zeitspanne
vom Ende der 1890er- bis zum Ende der 1910er-Jahre, wurde aber von
ihren Vertretern - nach der literarischen Blütezeit des "Goldenen
Zeitalters" von 1810 bis 1830 - als nächster Schritt in der
künstlerischen Entwicklung Russlands angesehen.
Als die russische Literatur in diesen Jahren ihren triumphalen
Siegeszug durch den Westen antrat - die Romane von Lew Nikolajewitsch
Tolstoi und Fjodor Michailowitsch Dostojewski eroberten die ganze
Welt -, machte die Begeisterung auch vor dem
österreichisch-ungarischen Weltreich nicht halt. "Russische Künstler
verfolgten das Geschehen der Wiener Kunstszene, und Arbeiten Gustav
Klimts waren in russischen Kunstmagazinen abgebildet. Auch
österreichische Künstler kannten die Werke ihrer russischen Kollegen
- in Gustav Klimts Atelier stand beispielsweise eine Majolikafigur
von Michail A. Wrubel", beschreibt Agnes Husslein-Arco, Direktorin
des Belvedere, den länderübergreifenden künstlerischen Austausch.
Die neue russische Kunst, vertreten durch Mitglieder der Vereinigung
Welt der Kunst, die sich nur zwei Jahre vor der Ausstellung der
Wiener Secession in St. Petersburg gebildet hatte, stand in vielerlei
Hinsicht den kreativen Experimenten österreichischer Künstler jener
Zeit nahe.
"Das Silberne Zeitalter lieferte einen wichtigen Beitrag zur
russischen Kunst, denn genau in dieser Zeitspanne wandten sich die
Russen nach fast 200 Jahren Orientierung am Westen ihren eigenen
Wurzeln und Traditionen zu", erklärt Kurator Konstantin Akinsha. "Der
russische Symbolismus und die Ausstellungen der Künstlergruppe Mir
Iskusstwa waren kurzlebig, aber ihr künstlerisches Erbe
veranschaulicht das Wesen einer Zeit, die ein neues Weltbild
definierte und die der Avantgarde ein starkes Fundament errichtete",
ergänzt Belvedere-Vizedirektor und Kurator Alfred Weidinger.
Die Ausstellungen der Wiener Secession 1901 und 1908
Im Jahr 1901 organisierte die Wiener Secession eine Schau, die in dem
von Josef Hoffmann gestalteten Raum Arbeiten bedeutender Künstler wie
Michail A. Wrubel, Konstantin A. Korowin, Nicholas K. Roerich und
Konstantin A. Somow zeigte. Im Unterschied zu den Präsentationen der
anderen mitwirkenden Länder umfasste die russische Abteilung zudem
eine beeindruckende Auswahl von Werken angewandter Kunst:
Majolikafiguren, Gefäße und sogar einen riesigen Kamin aus der
Manufaktur von Abramzewo, die von Sawwa Mamontow, einem schillernden
Großindustriellen, Eisenbahnbauer und Kunstmäzen, gefördert wurde.
Damit machte die Secession das Wiener Publikum erstmals mit der
russischen Version des Symbolismus und dem russischen Kunsthandwerk
vertraut, was Beifall in öffentlichen wie privaten Kreisen fand.
Peter Altenberg lobte die russischen Gemälde in seinem persönlichen
Führer, der in der Zeitschrift Ver Sacrum erschien, und die
angesehenen österreichischen Sammler Gallia und Wärndorfer erwarben
wunderbare Aquarelle von Konstantin A. Somow.
Die zweite Ausstellung russischer Kunst in Wien wurde 1908
präsentiert und sollte die größte Schau ausländischer Kunst in der
Wiener Secession werden. Sie umfasste nicht nur Werke etablierter
Künstler wie Boris M. Kustodijew, Walentin A. Serow oder Léon S.
Bakst, sondern auch eindrucksvolle Arbeiten einer neuen Generation
von Vertretern des Symbolismus in der Malerei, etwa von Sergei
Sudeikin, Nikolai Sapunow und anderen Mitgliedern der Künstlergruppe
Blaue Rose. Diese waren die letzten Exponenten des russischen
Symbolismus, der ab 1908 im Auslaufen begriffen war und bald von den
Experimenten der Avantgarde abgelöst werden sollte.
"In diesem Sinn wurde Wien Zeuge von Beginn und Ausklang des
russischen Symbolismus. Die letzte in Wien gezeigte Ausstellung
russischer Kunst fand am Vorabend des Ersten Weltkriegs statt und war
Bühnenentwürfen von Léon S. Bakst gewidmet", so Kurator Alfred
Weidinger. Elegante Bühnenbilder und Kostümentwürfe für Das Martyrium
des heiligen Sebastian von Claude Debussy und Gabriele D'Annunzio
waren im Frühjahr 1914 im Salon Heller zu sehen. Ein paar Monate
später begann der Erste Weltkrieg, und sowohl das Wien der
Jahrhundertwende als auch das russische Silberne Zeitalter nahmen ein
abruptes Ende.
Die Ausstellung "Silver Age - Russische Kunst in Wien um 1900" ist
vom 27. Juni bis 28. September 2014 im Unteren Belvedere zu sehen.
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