- 18.06.2014, 11:46:53
- /
- OTS0107 OTW0107
GLOBAL 2000: Reduktion hormonell wirksamer Chemikalien in der EU könnte bis zu 31 Mrd. Euro an Gesundheitskosten einsparen
Das Einsparungspotential für Österreich liegt laut Studie bei 540 Millionen Euro. Eine EU-weite Regulierung dieser Chemikalien ist dringend erforderlich.
Utl.: Das Einsparungspotential für Österreich liegt laut Studie bei
540 Millionen Euro. Eine EU-weite Regulierung dieser
Chemikalien ist dringend erforderlich. =
Wien (OTS) - 18. Juni 2014: Laut einem neuen Bericht, den die Health
and Environment Alliance (HEAL) heute in Brüssel vorgestellt hat,
könnten in der EU bis zu 31 Mrd. Euro Gesundheitsausgaben vermieden
werden, wenn die Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien, den
sogenannten "endokrinen Disruptoren", reduziert wird. Diese
Chemikalien, denen wir alle täglich ausgesetzt sind, kommen in
Lebensmitteln, Plastik, Kosmetik- und Elektronikprodukten sowie in
Pestiziden vor.
Diese Kostenkalkulation basiert auf einer Liste von Krankheiten und
Gesundheitsproblemen, die aufgrund einer wachsenden
wissenschaftlichen Beweislast mit endokrinen Disruptoren in
Zusammenhang gebracht werden. Dies sind:
- Fortpflanzungsstörugen und Unfruchtbarkeit
- Fehlbildungen des Penis und der Hoden bei Neugeborenen
- Brust-, Prostata- und Hodenkrebs
- Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, wie beispielsweise Autismus
oder Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS)
- Fettleibigkeit und Diabetes
Viele dieser Krankheiten und Probleme nehmen rasant zu. So ist mit
Ausnahme der bereits hohen Krankheitshäufigkeit in den Niederlanden
und Österreich in allen EU-Ländern ein starker Anstieg von
Prostata-Krebs-Fällen zu verzeichnen. Das gleich gilt für Brustkrebs,
der insbesondere in den ost-und südeuropäischen EU-Mitgliedsstaaten
besonders dramatisch zunimmt. Die Prävalenz von Autismus und ADHS ist
ebenfalls erschreckend hoch.
Besonders gefährdet für die schädigende Wirkung von hormonell
wirksamen Chemikalien ist der Fötus im Mutterleib. Die Auswirkungen
zeigen sich oft erst viel später im Leben, beispielsweise durch ein
erhöhtes Risiko für hormon-assoziierte Krebsarten oder niedrige
Spermienzahlen bei Männern.
Im Auftrag von HEAL haben der Umweltökonom Dr. Alistair Hunt,
Universität Bath, Großbritannien, und Dr. Julia Ferguson, Visiting
Fellow Cranfield School of Management, Großbritannien, die
volkswirtschaftlichen Gesamtkosten berechnet, die mit diesen
Krankheiten und Gesundheitsproblemen in Verbindung stehen. Laut ihrer
Schätzung belaufen sich diese Kosten auf 636 bis 637 Milliarden Euro
pro Jahr in der EU. Diese Berechnungen basieren auf vorsichtigen
Annahmen. Da für zahlreiche hormon-assoziierte Krankheiten konkrete
Daten zu den EU-Gesundheitskosten nicht verfügbar sind, könnten die
tatsächlichen Kosten noch deutlich höher sein.
WHO: umweltbedingte Krankheitslast durch Chemikalien wahrscheinlich
unterschätzt!
Ein Teil der Kosten von hormonell bedingten Gesundheitsproblemen kann
der Belastung durch endokrine Disruptoren zugeschrieben werden.
Genetische Veranlagung und Lebensstil, u.a. Ernährung, Rauchen oder
Bewegungsmangel, sind ein weiterer wichtiger Faktor. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jedoch festgestellt, dass die
"umweltbedingte Krankheitslast durch Chemikalien" mit hoher
Wahrscheinlichkeit aufgrund des Mangels an verfügbaren Daten
systematisch unterschätzt wird.
Eine aktuelle Studie aus den USA schätzte, dass 1,8 Prozent der
Fettleibigkeit auf endokrine Disruptoren zurückzuführen sind. Diese
Analyse bezog sich jedoch nur auf einen endokrinen Disruptor -
Bisphenol A - und auf eine Art der Belastung, Bisphenol A in
Lebensmittelverpackungen. Es lässt sich daher begründet annehmen,
dass der Anteil für die Belastung durch endokrine Disruptoren
insgesamt bei etwa 2 bis 5 % liegt. Wenn endokrine Disruptoren für 5
% der hormonell bedingten Krankheiten und Problemen verantwortlich
wären, wäre dies gleichbedeutend mit rund 31 Mrd. Euro Kosten pro
Jahr für alle 28 EU-Mitgliedstaaten.
WHO: endokrine Disruptoren sind globale Bedrohung
In den letzten zehn Jahren hat es immer mehr wissenschaftliche
Studien gegeben, die einen Zusammenhang zwischen Chemikalien, die
hormonell wirksam sind und Gesundheitsproblemen aufzeigen, wie
beispielsweise der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus
dem Jahr 2013. Als höchste internationale Gesundheitsbehörde stellt
die WHO fest, dass die Belastung durch endokrine Disruptoren eine
"globale Bedrohung" darstellt, welcher begegnet werden muss.
DI Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker der heimischen
Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, sagt: "Allein diese
ökonomischen Argumente verdeutlichen, dass das Vorhaben der
Europäischen Union, hormonell wirksame Chemikalien durch die
Chemikalienverordnung REACH und die EU-Pestizidverordnung gesetzlich
zu regulieren bzw. bestimmte Anwendungbereiche ganz zu verbieten,
richtig und notwendig war. Das menschliche Leid, das mit den
genannten Erkrankungen verbunden ist, ist hier noch gar nicht
mitgerechnet."
Genon K. Jensen, Geschäftsführerin von HEAL, ergänzt: "Hormonell
wirksame Schadstoffe gelangen in unseren Körper und stören dort das
hormonelle Gleichgewicht. Die EU sollte den Schutz der Gesundheit an
erste Stelle setzen und einen Verwendungsstopp dieser Chemikalien
beschließen. Schnelles Handeln könnte viel menschliches Leid und
enorme volkswirtschaftliche Kosten vermeiden."
Zahlen für Österreich
Der HEAL Bericht schätzt, das hormonbedingte Krankheiten in
Österreich bis zu 11 Mrd. Euro pro Jahr kosten könnten. Falls 5 % der
Gesamtkosten in Verbindung mit der Belastung durch endokrine
Disruptoren stehen, wären dies etwa 540 Mio. Euro jährlich.
Überarbeitung aller EU-Gesetze diesbezüglich gefordert!
HEAL und GLOBAL 2000 fordern die Überarbeitung aller EU-Gesetze, um
die menschliche Belastung durch endokrine Disruptoren zu reduzieren.
"Die EU muss endlich ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen und
die Kriterien zur Charakterisierung und Identifizierung hormonell
wirksamer Pestizide liefern, ohne die die gesetzlich bereits
festgelegten Verbote nicht wirksam werden können!" konkretisiert
Burtscher.
Während die Wissenschaft in zunehmendem Maße die negativen
gesundheitlichen Auswirkungen der endokrinen Disruptoren aufzeigt,
haben auch einige EU-Länder bereits Maßnahmen ergriffen, um die
Verwendung von endokrinen Disruptoren einzuschränken. Schweden möchte
jetzt gegen die Europäische Kommission klagen. Frankreich drängt
ebenfalls auf dringend notwendigen Maßnahmen. Nach der Bekanntgabe
der französischen Strategie gegen endokrine Disruptoren hat die
französische Umweltministerin die Risiken von EDCs auf die
Tagesordnung der Sitzung der EU-UmweltministerInnen letzte Woche
gesetzt und auf den Handlungsbedarf hingewiesen. Dieser Schritt wurde
von fünf weiteren Ländern, darunter erfreulicherweise auch
Österreich, unterstützt.
Die EU hat bereits einige Regulierungsmaßnahmen bezüglich der
endokrinen Disruptoren ergriffen, basierend auf dem Vorsorgeprinzip.
Ein Beispiel dafür ist das seit 2011 bestehende Verbot der Verwendung
von Bisphenol A in Kunststoffflaschen für Babys. Österreich hat
darüber hinaus Bispheniol A auch in Babyschnullern verboten.
Über HEAL
Die internationale Nichtregierungsorganisation Health and Environment
Alliance (HEAL) vertritt über 65 Interessengruppen und Netzwerke. Sie
will aufzeigen, wie politische Entscheidungen zum Umweltschutz die
Gesundheit der Menschen verbessern und ihre Lebensqualität erhöhen.
Die Allianz bringt Gruppen aus dem medizinischen Sektor wie Ärzte-
und Krankenpflegeverbände zusammen, aber auch Krebs- und
Asthmapatienten, Bürger- und Frauenrechtsorganisationen, Umwelt-NGOs,
wissenschaftliche Institute und Krankenversicherer. Die Mitglieder
sind von der internationalen über die europäische zur nationalen und
kommunalen Ebene aktiv (www.env-health.org).
Mehr Informationen zur Studie:
Ab etwa 12.00 Uhr unter www.global2000.at.
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GLL






