- 17.06.2014, 11:10:59
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Falter: Verwahrloster Häftling klagt Justizsystem an
Verwahrlosung sei einziger Weg gewesen, um auf Haftbedingungen aufmerksam zu machen
Utl.: Verwahrlosung sei einziger Weg gewesen, um auf Haftbedingungen
aufmerksam zu machen =
Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter berichtet in ihrer
morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe neue Details zum Fall des in
Stein verwahrlosten Insassen Wilhelm S., 74.
Wilhelm S. hatte sich am zweiten Juni dem Gerichtspsychiater
Patrick Frottier anvertraut. Was er dort offenlegte, ist in einem
Protokoll festgehalten. Wenn es stimmt, was der Häftling da über sich
und Stein erzählt, dann ist der Fall berührend und schockierend
zugleich. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich selbst
verstümmelte, um in Stein endlich gehört zu werden.
Vor zwei Jahren, so erzählte Wilhelm S. habe er einen
"schmerzvollen Plan" gefasst, seine Beine verkommen zu lassen, weil
er seine "ausweglose Situation" verändern und "das Justizsystem ins
Wanken bringen" wollte. Er habe nur noch seinen Oberkörper gewaschen.
Seine Füße, die habe er "bewusst verwahrlosen" lassen. Er wickelte
die Beine deshalb in schmutzige Bandagen ein, "um einen
Entzündungsprozess zu verbergen, aber auch zu beschleunigen". Wilhelm
S. litt höllische Schmerzen, er durchstand Schüttelfrost-Anfälle,
setzte sich selbst Morphium-Spritzen. "Vor meinen Augen hat es schon
geflimmert", erzählt Wilhelm S. Er dachte sogar kurz an Selbstmord.
Er entschied sich für das Leben, auch weil er hoffte, "dass die
Beamten alle an den Pranger gestellt werden" und er die letzten Tage
seines Lebens in Freiheit verbringen könne. Er, Wilhelm S. werde dann
vielleicht als jener Mensch bekannt werden, "der in einem
österreichischen Gefängnis im Dreck zu Grunde gegangen sei". Er
wollte aufzeigen, um wie wenig sich die Beamten kümmern - und wie
gleichgültig ihnen die Häftlinge seien.
Kurz bevor eine tödliche Blutvergiftung einsetzte, nahmen die
Beamten seinen "Verwesungsgeruch" wahr. Er wurde zum Arzt gebracht,
dieser attestierte "Lebensgefahr".
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