- 11.06.2014, 15:20:00
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OTSconnect zu Mitsprache und Meinungsbildung in Europa
Expertendiskussion zu Kommunikation und Information in der EU - Lobbying besser als sein Ruf - kein Informationsdefizit

Utl.: Expertendiskussion zu Kommunikation und Information in der EU
- Lobbying besser als sein Ruf - kein Informationsdefizit =
Wien (OTS) - Lobbying spielt eine zentrale Rolle in der Gesetzwerdung
der Europäischen Union. Wo und wie jedoch können Unternehmen oder
Institutionen Know-how und Expertise in die Phase der
Gesetzesentstehung auf Europa-Ebene einbringen? Wie funktioniert die
komplexe Union hinter den Kulissen? Fragen, denen sich ein
Expertenpodium aus Journalisten und Kommunikatoren heute,
Mittwochvormittag, bei der OTSconnect-Veranstaltung zum Thema
"Europe, can you hear me? - Meinungsbildung und Mitsprache in der
Europäischen Union" im Radiokulturhaus in Wien stellte.
Peter Köppl, Präsident der Österreichischen Public Affairs
Vereinigung (ÖPAV), und seit mehr als 15 Jahren an der Schnittstelle
zwischen Politik und Wirtschaft tätig, will Lobbying aus dunklen
Hinterzimmern ins rechte Licht rücken: "Lobbying ist an sich etwas
Positives. Unternehmen und Organisationen versuchen, über gezielte
und bewusste Beeinflussung ihre legalen und legitimen Ansprüche
durchzusetzen." Wie in jeder anderen Disziplin gäbe es auch hier
natürlich "schwarze Schafe, Unfälle und Blödheiten".
So optimistisch will "Der Standard"-Europakorrespondent und
Profi-Blogger Thomas Mayer das Bild der Lobbyisten allerdings nicht
zeichnen, dennoch gibt er Köppl in der Sache recht: "Lobbyisten sind
genauso verdächtig wie Politiker oder Experten." Er habe durchaus
gute Erfahrungen mit dieser Berufsgruppe gemacht, denn "sie kennen
sich im Thema sehr gut aus". APA-Brüssel-Korrespondent Thomas Schmidt
bestätigt: "Journalisten können die Expertise nicht in allen
Bereichen abdecken, weil sie weniger in die Details gehen. Lobbyisten
sind wichtige Gesprächspartner, um ein Thema mit allen Aspekten
beleuchten und auch bewerten zu können."
Dass die Gesetzesentscheidung in letzter Konsequenz natürlich bei
den Politikern läge, bringt Georg Pfeifer in die Diskussion ein.
Pfeifer ist Leiter des Informationsbüros des Europäischen Parlaments.
Seine Aufgabe ist die Öffentlichkeitsarbeit zu den Tätigkeiten des
Europäischen Parlaments und der Europaabgeordneten. Ziel ist es, die
EU den Menschen näher zu bringen. "In der Kommunikation hat sich seit
den 90er Jahren sehr viel getan. Relevante Informationen zu bekommen
ist heute einfach. Sie können wichtigen Menschen auf Twitter folgen,
Feeds abonnieren und direkt und live mitverfolgen, was läuft -
natürlich immer mit aller Vorsicht, welchen Quellen man vertrauen
kann und welchen nicht."
Für Unternehmen hat auch Köppl praktische Tipps parat, ihre
Anliegen in Brüssel einzubringen. "Das Wichtigste ist eine einfache,
professionelle Recherche zum Thema, online oder über Telefon. Das
Mindestmaß, um Lobbying betreiben zu können, ist auch zu wissen,
welche Agenda auf welcher Ausschusssitzung steht. Köppl plädiert für
den Griff zum Telefonhörer, um Zuständigkeiten zu erfragen, und für
das direkte Formulieren des Anliegens. "Es gilt, mit offenem Visier
zu kommunizieren. Lobbying ist ein 'Peoples Business'."
Wer die kommunikationspolitische Diskussion über Europa führt,
kommt am Thema Transparenz freilich nicht vorbei, darin sind sich die
Experten einig. Unterschiedliche nationale Rechtslagen zu
Transparenzthemen führen allerdings zu Unsicherheit. "Derzeit sind
von den zwischen 15.000 und 30.000 Lobbyisten in Brüssel -
verbindliche Zahlen sind nicht zu bekommen - nur etwa 6.500 im
Lobbyistenregister registriert", so Schmidt.
Die Frage nach dem Wesen der "europäischen Öffentlichkeit"
beantwortet der Agenturjournalist klar: "Das ist ein Konstrukt. Es
ist nach wie vor der nationale Blickwinkel, der dominiert." Für
Österreich wünscht er sich weniger "schwarz/weiß-Diskussionen". Hier
seien einerseits die Medien gefordert, die Themen breiter zu
diskutieren - und nicht auf Plakatives, wie zum Beispiel die
"Chlorhühner", zu beschränken -, andererseits aber auch die Politik,
denn "einfache, oft primitive Argumente sind schneller und leichter
kommuniziert, als Überzeugungsarbeit auf Basis von Fakten geleistet."
An ein "Informationsdefizit" glauben beide Journalisten nicht.
"Jeder, der heute Informationen will, kann zu Informationen kommen.
Die Herausforderung für Medien liegt viel mehr in der Komplexität
europäischer Prozesse, die schwer zu erklären sind", so Schmidt.
Mayer ergänzt: "Europa-Themen werden auf Europaseiten geschoben,
weil sie so kompliziert sind. Europa ist aber der Lebensraum der
Bürger und damit auch ihr Referenzrahmen."
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/5543
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