• 06.06.2014, 09:13:04
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Fußball-WM: Klimatische und andere Umweltbedingungen als entscheidende Faktoren

Wien (OTS) - Klimatische und andere Umweltfaktoren wie
Luftverschmutzung und Lärm, aber auch der Wechsel zwischen stark
klimatisierten Räumen und der Hitze im Freien sowie der sorgsame
Umgang mit Lebensmitteln werden eine Rolle bei der am Donnerstag in
Brasilien beginnenden Fußball-WM spielen. Das erklärte der
Umweltmediziner Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der
MedUni Wien. "Wir bewegen uns hier beinahe im Promille-Bereich, aber
wenn bei jedem der elf Spieler nur ein Prozent auf die
hundertprozentige Leistung fehlt, kann das entscheidend sein, dann
fehlen der Mannschaft insgesamt schon elf Prozent", sagt Hutter.

Nicht nur das in vielen Spielorten heiße und feuchte Klima wird eine
Rolle spielen: "Eigentlich machen die Spieler bei der WM in Brasilien
genau das, wovor Umweltmediziner bei großer Hitze abraten: Sie
bewegen sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und in der Mittagshitze. Das
belastet den Organismus extrem, vor allem, wenn man es nicht gewohnt
ist", so Hutter. Bei einem Blick auf das Teilnehmerfeld hätten dabei
Gastgeber Brasilien, Nationen wie Kolumbien, Ekuador, Costa Rica und
Honduras, aber auch Spanien und mit Abstrichen Griechenland sowie die
afrikanischen Starter Nigeria, Kamerun, Ghana und Elfenbeinküste
Vorteile. "Sie sind die Bedingungen eher gewohnt als etwa Russen oder
Japaner."

Hitzepole Fortaleza, Natal und Recife

Der entscheidende Faktor, so Hutter, ist nicht die Hitze allein,
sondern die Kombination aus Hitze und Luftfeuchtigkeit bis zu 80
Prozent und mehr. In Fortaleza, Natal oder Recife sind laut Hutter 94
Prozent Luftfeuchtigkeit keine Seltenheit: "Es werden Spiele kommen,
da 'kocht' es im Stadion, weil es davor geregnet hat." Das gelte vor
allem für Spiele in den tropischeren Gebieten wie Manaus, Fortaleza,
Natal, Recife, aber auch für die Stadien im Landesinneren wie in
Brasilia oder Cuiaba. Manche Ankick-Zeiten seien mörderisch, so der
Umweltmediziner bei einem Blick auf den Spielplan. Viele der
Vorrunden-Partien beginnen um 18 Uhr MESZ und damit in der
brasilianischen Mittagshitze: So zum Beispiel die Spiele Italien -
Uruguay, Deutschland - USA oder Schweiz - Ekuador (jeweils um 13 Uhr
mittags).

Luftverschmutzung kann Lungenfunktion negativ beeinflussen

Aber es gibt auch noch andere Umwelteinflüsse, denen der kommende
Fußball-Weltmeister trotzen muss: Die Luftverschmutzung etwa in Sao
Paulo ist sehr hoch, dort fährt rund ein Viertel aller in Brasilien
zugelassenen Fahrzeuge auf den Straßen. Luftverschmutzung mit
erhöhten Ozon- und Feinstaubwerten kann es aber auch in den anderen
brasilianischen Großstädten geben. Hutter: "Das kann negative
Auswirkungen auf die Lungenfunktion haben, die vielleicht für den
betroffenen Spieler subjektiv nicht wirklich merklich sind, aber im
entscheidenden Augenblick können diese zwei, drei Prozentpunkte
fehlen." Ein weiterer Faktor ist der Lärm - ob auf der Straße, im
Stadion, am Flughafen oder nachts auf den Straßen bei diversen
Fan-Partys. "Das kann anspornen, kann aber vor allem in
südamerikanischen Ländern auch bald zu einem enormen Stressfaktor
werden, die Teams werden schauen, dass ihre Hotels hermetisch
abgeriegelt sind, damit die Spieler zur Ruhe kommen."

Mikrobielle Belastungen und "Air-Condition-Wahn"

Ähnliches gilt für die Lebensmittel: "Die Top-Teams wie Deutschland
oder Italien nehmen alles von zuhause mit, damit beim Essen nichts
passiert. Aber es bleibt fraglich, ob wirklich alle mikrobiellen
Belastungen, etwa durch Waschen von Gemüse oder Obst, vermieden
werden können." Und damit zum Beispiel Durchfall-Erkrankungen. Ein
nicht zu unterschätzendes Problem ist, so Hutter, auch der
"Air-Condition-Wahn" in Südamerika: "Öffentliche Gebäude, Hotels und
Flughäfen sind bei Außentemperaturen um die 30 Grad oft auf 13, 14
Grad runtergekühlt. Das ist für den menschlichen Organismus ein
höchst gefährliches Auf und Ab."

Hutter: "Man sieht, dass unabhängig von der Spielstärke zig Faktoren
zu bedenken sind, damit die Spieler zu einem ganz bestimmten Termin
100 Prozent abrufen und alles geben können und damit alles passt, um
Weltmeister werden zu können." Wenn man alle wichtigen
Umwelt-Faktoren mit der Spielstärke anhand der aktuellen
FIFA-Weltrangliste kombiniere, liege, so der MedUni
Wien-Umweltmediziner, ein Finaltipp nahe: "Gastgeber Brasilien gegen
Titelverteidiger Spanien." Ein Spiel, das übrigens schon im
Achtelfinale möglich wäre.

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