"matinee" am 1. Juni: Dokus über Komponist Oskar Nedbal und das Saint Tropez der Sixties

Außerdem: "Die Kulturwoche" und "Vom Gebrauch der Dinge"

Wien (OTS) - Vor kurzem gedachte die Musikwelt des 140. Geburtstags von Komponist und Dirigent Oskar Nedbal (1874-1930). Kaum ein tschechischer Musiker erlebte so viele berauschende Erfolge und gleichzeitig so viele niederträchtige Angriffe, wie eine neue Dokumentation in der "matinee" am Sonntag, dem 1. Juni 2014, zeigt:
"Oskar Nedbal - Erfolge und Niederlagen" (9.50 Uhr, ORF 2) schildert das Leben und Wirken des Künstlers - übrigens ein Vorfahre des ORF-"Dancing Stars"-Jurors Hannes Nedbal - vor dem Hintergrund der zerfallenden Habsburger-Monarchie. Den Beginn des von Clarissa Stadler präsentierten Kulturvormittags macht ein Ausflug in die mondäne Welt der Cote d'Azur zur Zeit der "Swinging Sixties":
"Strände der Sixties - Saint Tropez und die Revolution Bardot" (9.05 Uhr, ORF 2). Den Abschluss bilden "Die Kulturwoche" (10.20 Uhr) sowie eine weitere Folge der kultigen Kurzreihe "Vom Gebrauch der Dinge", in der Peter Fichna schlecht übersetzte technische Gebrauchsanweisungen vorträgt: diesmal "Der Aktenkoffer/Die Luftmatratze".

"Strände der Sixties - Saint-Tropez und die Revolution Bardot" (9.05 Uhr)

Die aus seltenem Archivmaterial zusammengestellte Dokumentation von Emmanuel Blanchard, Emmanuelle Nobécourt und Samuel Lajus zeigt wie Saint-Tropez praktisch über Nacht vom verschlafen Fischerdorf zur Hauptstadt des Glamours "made in France" wurde. Versteckt in einer Bucht der französischen Riviera galt das Dörfchen lange als streng gehüteter Geheimtipp - bis sich Brigitte Bardot dort ein Anwesen zulegte. Mit einem Schlag verwandelte die Schauspielerin den kleinen Fischerort in die Hauptstadt des Glamours. Snobismus ist an diesem Ort ein Fremdwort. Denn Cannes ist zwar die Stadt der Filmfestspiele, aber Saint-Tropez ist der Ort, an dem man sich amüsiert. Man tanzt bis zum Morgengrauen und sonnt sich oben ohne. Dieser Duft von Freiheit, der durch Louis de Funès' Jagd auf Nudisten in der Filmkomödie "Der Gendarm von Saint-Tropez" 1964 einem breiten Publikum geläufig wurde, machte einst Saint-Tropez zur liberalen Oase in de Gaulles' erzkonservativem Frankreich. Provokant, unpolitisch, verwöhnt, hippiemäßig - Saint-Tropez und sein Stil waren ihrer Zeit voraus.

"Oskar Nedbal - Erfolge und Niederlagen" (9.50 Uhr)

Er stand auf der Sonnenseite des Lebens und erfuhr gleichzeitig so viel Bewunderung wie Hass: Oskar Nedbals künstlerische wie private Laufbahn war von Dramatik gekennzeichnet, am Ende stand sogar ein Selbstmord. Mit einem Sprung aus dem Fenster des Zagreber Opernhauses beendete der tschechische Musiker 1930 sein Leben.
Nedbal war ein hervorragender Dirigent, der überall auf der Welt die tschechische Musik propagierte, er gehörte als Musiker und Komponist zum berühmten Böhmischen Quartett und war Gründer und Chefdirigent des Wiener Tonkünstlerorchesters. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Wien wurde er von deutsch-nationalen Journalisten wegen seines "Tschechentums" und der Propagierung der Werke tschechischer Komponisten heftig angegriffen. Als er nach Gründung der Tschechoslowakei nach Prag zurückkehrte, sah er sich hier wiederum mit dem Vorwurf des Verrats konfrontiert und wurde als Renegat verunglimpft. Für Wien war er zu tschechisch, für Prag war er zu österreichisch. Beflissene Karrieristen, die nur die einträglichen Posten in dem neu gegründeten Staat im Auge hatten, vertrieben ihn nach Bratislava, wo die letzte traurige Etappe seines Lebens begann, die mit dem Freitod in Zabreb endete.
Bis heute ist Oskar Nedbal vor allem durch seine Operetten wie "Polenblut" und "Die Winzerbraut" bekannt, in Tschechien standen seine Ballette "Der faule Hans" und "Großmütterchens Märchenschätze" jahrzehntelang auf den Spielplänen.
Regie: Pavel Kacirek

Die "matinee" ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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