Grüne Wien/Hebein, Wurzer zum Hurentag: Solidarität mit SexarbeiterInnen

Unterstützung der Selbstbestimmung und Rechtssicherheit klare Prioritäten für Politik

Wien (OTS) - Ein Hauptproblem in der Debatte um Sexarbeit ist nach wie vor der Ausschluss von SexarbeiterInnen selbst aus der Diskussion um ihre Rechte. "Obwohl es seit langem - in manchen Ländern seit Jahrzehnten - Selbstorganisationen von SexarbeiterInnen gibt, werden ihre Stimmen in der politischen Debatte oft nicht gehört, delegitimiert und diskreditiert. Es braucht hier ein grundlegendes Umdenken: SexarbeiterInnen sind die ExpertInnen, wenn es um ihre Arbeit geht", so die Sozialsprecherin der Grünen Wien, Birgit Hebein, anlässlich des bevorstehenden "internationalen Hurentages" am 2. Juni.

Angesichts einer Vielzahl represssiver Regelungen - wie z.B. kürzlich bei dem Versuch der Finanz, Prostitution als lohnsteuerpflichtig zu definieren und die Lohnsteuer über Bordellbetreiber einzuheben - üben nicht nur die Beratungsstellen Kritik, sondern auch SexarbeiterInnen selbst. "Es ist klar, dass es bei der Sexarbeit - wie in anderen Bereichen auch - Rechtssicherheit geben muss. Das ist eine Voraussetzung für den Schutz von SexarbeiterInnen als Erwerbstätige und für den Schutz vor Diskriminierung, Gewalt, Abhängigkeit und Ausbeutung. Das sind die Verbrechen, die zu bekämpfen und zu kriminalisieren gilt, nicht SexarbeiterInnen", so Hebein.

Der internationale Hurentag ist ein Aktionstag aus der internationalen SexarbeiterInnenbewegung und geht zurück auf die Besetzung einer Kirche in Frankreich durch Sexarbeiterinnen in den 1970er Jahren. "Damals wie heute geht es darum: Verbote führen zu Kriminalität, Gewalt und Illegalität auf Kosten der SexarbeiterInnen", ergänzt Martina Wurzer, Frauensprecherin der Grünen Wien. "Die Welle der Kriminalisierung von SexarbeiterInnen zieht sich derzeit durch ganz Europa. Das sind besorgniserregende Entwicklungen, die zu bedrohlichen und prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen für SexarbeiterInnen führen", betont Wurzer. "Die Verdrängung von SexarbeiterInnen aus der gesellschaftlichen Mitte und, ganz real, aus dem sichtbaren Stadtbild, ist eine der größten Gefahren für die Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind", so die beiden Gemeinderätinnen abschließend.

SexarbeiterInnen als selbstständige Erwerbstätige

In Wien sind derzeit in etwa 3000 Personen (mehrheitlich Frauen) behördlich als SexarbeiterInnen registriert. Sie gelten als selbstständig Erwerbstätige, sind als solche steuerpflichtig und zu einer wöchentlichen Gesundheitsuntersuchung verpflichtet. Demgegenüber fehlen viele arbeitsrechtliche Absicherungen, vor allem die Anerkennung als Erwerbstätige und die Entstigmatisierung ihrer Tätigkeit. Erst 2012 fiel die "Sittenwidrigkeit" der Sexarbeit. Bis dahin galten Übereinkünfte zwischen SexarbeiterInnen und ihren Kunden als sittenwidrig und waren somit nicht rechtswirksam. In Wien arbeiten SexarbeiterInnen vorwiegend in Prostitutionslokalen wie Studios, Laufhäusern und Bars. Etwa 300 Betriebe sind in Wien als Prostitutionslokale genehmigt. Das Wiener Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2011 setzte eine Reihe von Sicherheitsbestimmungen für SexarbeiterInnen in Betrieben um und versucht, für SexarbeiterInnen gute Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu braucht es aber auch eine bundesweit einheitliche Regelung der Prostitution, in der die Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und soziale Absicherung von SexarbeiterInnen im Mittelpunkt stehen.

Veranstaltungshinweis

Anlässlich des Internationalen Hurentags machen die NGO LEFÖ, das Netzwerk Frauenrechte (amnesty international), die ÖH-Frauen (angefragt) und die Grünen Frauen Wien mit den Gemeinderätinnen Birgit Hebein und Martina Wurzer in einer Straßenaktion am Praterstern auf die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen von SexarbeiterInnen aufmerksam.

Montag, 2. Juni 2014, 16:00 bis 19:00 Uhr
Praterstern Bahnhof (Ausgang Prater)
mit Info-Cafe, Live-Musik (Kater Franz), DJane (chra) und Flashmob (17:00 Uhr)

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