- 27.05.2014, 13:16:59
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Strafvollzug: Falter veröffentlicht Video von Misshandlungen eines Häftlings
Ein Beamter kam mit 100 Euro Bußgeld davon. Vier weitere Beamte nicht angezeigt.
Utl.: Ein Beamter kam mit 100 Euro Bußgeld davon. Vier weitere
Beamte nicht angezeigt. =
Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in ihrer
morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe ein Video aus der Justizanstalt
Suben, das eine Misshandlung eines Insassen durch Beamte zeigt.
Vier Beamte beobachten wie ein Häftling von ihrem Kollegen gegen eine
Wand geschmissen und mit einem Faustschlag verletzt wird. Die vier
Kollegen griffen nicht ein und zeigten den Vorfall nicht an. Der
Häftling erlitt Hämatome am Auge und hatte sieben Tage lang
Schmerzen, wie ein Gutachter feststellte.
Wie der Falter berichtet, war die Reaktion der Justiz äußerst
milde. So wurde der Schläger mit nur 100 Euro Bußgeld sanktioniert.
Die vier Kollegen wurden von der Justiz bis heute nicht belangt,
obwohl sie zur Anzeige des Vorfalls verpflichtet gewesen wären. Auch
die mutmaßliche Verleumdung des Insassen nach der Tat wurde
strafrechtlich nie untersucht. Der UN-Anti-Folter-Experte Manfred
Nowak und amnesty international-Chef Heinz Patzelt kritisieren die
"Verharmlosung von Übergriffen" seitens der Justiz.
Der Falter veröffentlicht auch den Krankenbefund des in Stein
verwahrlosten Insassen Wilhelm S.. Der Zustand des 74jährigen, so
hält Anstaltsarzt Michael Karner fest, sei lebensgefährlich gewesen.
So heißt es in dem Arztbericht, der Insasse habe "in den letzten
beiden Nächten unter heftigen Schmerzen in beiden Beiden gelitten und
starke Schweißausbrüche durchlebt".
Der Arzt versuchte zunächst die "Bandagen" abzunhemen, aber
"teilweise war das Ablösen nicht möglich, da die Verbände mit der
Haut verwachsen" waren. Als die Beine endlich freigelegt waren kamen
"eitrige, hochgradig inflammierte Geschwüre am linken Unterschenkel
im Sinne einer Blutvergiftung" zum Vorschein.
Die Zehennägel seien seit "vielen Monaten, eher Jahren nicht mehr
gekürzt" worden und mussten mit einer "elektrischen Gipsschere"
geschnitten werden. Es liege eine "Vernachlässigung der
Aufsichtspflicht" vor.
Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP), so ergeben
Falter-Recherchen, wird in Bälde die Vollzugsdirektion des
Justizministeriums auflösen und den Strafvollzug wieder direkt einem
Sektionsleiter im Ministerium unterstellen.
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