• 27.05.2014, 11:04:32
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Zeuge entlastet Hartmann und beschuldigt Holding

Wien (OTS) - Der deutsche Theaterfachmann Peter F. Raddatz,
Geschäftsführer des Hamburger Schauspielhauses und ehemaliger Leiter
der Berliner Opern-Holding, entlastet in einem Interview für die
morgen erscheinende NEWS-Ausgabe den entlassenen Burgtheaterdirektor
Matthias Hartmann. Schwere Vorwürfe richtet Raddatz gegen die
Bundestheater-Holding und deren Chef Georg Springer. Wie NEWS
außerdem berichtet, ist am 17. März auch gegen Springer eine anonyme
Anzeige - u. a. wegen Kontrollversagens und Veranlassung dubioser
Abschreibungspraktiken - bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft
eingegangen. Gegen ihn, Hartmann und die ehemalige Kaufmännische
Direktorin Silvia Stantejsky wird derzeit ein "Anfangsverdacht"
geprüft. Ob es zur Anklage kommt, ist bei allen dreien offen.

Raddatz erklärt, er wäre Anfang 2011 von Hartmann wegen der
undurchschaubaren Finanzsituation beigezogen worden (Springer hätte
ihn schon zuvor wegen anderer Bundestheater-Agenden konsultiert).
Raddatz: "Hartmann hatte die Einnahmen gesteigert und die Kosten
gesenkt, trotzdem stimmten die Zahlen nicht." Die Kaufmännische
Direktorin habe kein brauchbares Material geliefert. "Also wollten
wir weiter an Informationen herankommen, über die Holding und die
Prüffirma Price Waterhouse, und sind auch da auf Granit gestoßen."
Erst 2014 wäre man vom neuen Burgtheater-Geschäftsführer Königstorfer
mit tauglichen Zahlen versorgt worden.

Die Probleme des Burgtheaters hätten 2007/08, in der letzten
Spielzeit Klaus Bachlers, begonnen. "Als Hartmann das Haus 2009
übernahm, war es de facto mit 13,6 Millionen überschuldet. Man hatte
die Schulden in die Ära Hartmann verschoben, mit einem
Abschreibungsverfahren, das es sonst an keinem deutschsprachigen Haus
gibt. Sonst hätte man am Bilanzstichtag schon ein deutlich höheres
Defizit als ausgewiesen gehabt. Das wollte man offenbar verhindern."
Man habe Springer von der Situation informiert, doch der habe die
Situation für problemlos erklärt, kein Interesse an Aufklärung der
Vorgänge gezeigt und die Vorgänge heruntergespielt, um sie von der
Öffentlichkeit fernzuhalten.

Hartmann, so Raddatz, wäre kein Vorwurf zu machen, er müsste vor
Gericht komplett entlastet werden. Die Alleinschuldigen wären "die
kaufmännische Geschäftsführerin, die keine zuverlässigen Zahlen
geliefert und den Betrieb intransparent geführt hat, und die Holding,
von der sie bei diesen Vorgängen unterstützt wurde."

Bundestheater-Anwalt Bernhard Hainz zieht in einer Stellungnahme
für NEWS die Glaubwürdigkeit von Raddatz' Ausführungen in Zweifel:
"Das sind die altbekannten Hartmann-Verse: alle Anderen sind schuld,
nur Hartmann nicht. Gut, dass solche Behauptungen bald vor einem
ordentlichen Gericht und unter Wahrheitspflicht einem Faktencheck
unterworfen werden. Dann werden wir uns auch umfassend dazu äußern."

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