VORARLBERGER NACHRICHTEN, Kommentar: "Echte Europäer"

Von Johannes Huber

Schwarzach (OTS) - Die Österreicher sind europäischer als nationale Politiker angenommen haben: Acht von zehn Wählern haben vor allem Personen unterstützt, die sich im Unterschied zu ihren Mutterparteien unmissverständlich zur Integration bekennen; und zwar nicht blind, sondern mit recht klaren Vorstellungen, wie dieser Prozess laufen soll.

Herausragend ist das Ergebnis von Othmar Karas: Im Alleingang hat er zwar nicht verhindern können, dass die ÖVP schwächer abgeschnitten hat als vor fünf Jahren. Dass sie aber vorne geblieben ist, hat sie allein ihm zu verdanken. Anders ausgedrückt: Die Liste OK (Othmar Karas) hat in Vertretung der Volkspartei mehr als jeden vierten Wähler überzeugt. Das ist insofern bemerkenswert, als Karas kein Politiker ist, der flotte Sprüche klopft und die Massen begeistert. Sondern ein Mann, der - ähnlich wie einst Landeshauptmann Herbert Sausgruber in Vorarlberg - nüchtern, ja nahezu staubtrocken auftritt, und wohl gerade deswegen größtes Vertrauen genießt.

Die ÖVP sollte den OK-Erfolg nicht auf ihre Fahnen heften: Karas hat sich in vielen Fragen von ihr distanziert. Indem er etwa für eine gemeinsame Asylpolitik auftritt oder z.B. verlangt, die Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer nicht nach Wien, sondern nach Brüssel fließen zu lassen. Die Volkspartei kann höchstens daraus lernen, dass es sich lohnt, wieder integrationsfreundlicher aufzutreten.

Was der ÖVP Karas, ist den Grünen Ulrike Lunacek: Auch sie hatte sich - auch gegen parteiinterne Gegenspieler - mehr oder weniger allein profilieren müssen - und, wie man sieht, auch können: Nämlich als Europäerin mit einer ordentlichen Portion Sachverstand. Karas und Lunacek waren es wohl auch, die das Wachstum der NEOS und die Möglichkeiten der SPÖ auf Bundesebene begrenzt haben: Angelika Mlinar und Eugen Freund sind mit ihrer Unbedarftheit daneben ganz einfach verblasst.

Die FPÖ hatte eine komfortable Position: Sie war die einzige anti-europäische Partei, konnte dieses Wählersegment also allein für sich verbuchen. Wobei es nach Wirtschafts- und Euro-Krise erfreulich ist, dass diesem Lager nur zwei von zehn Wählern angehören.

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