• 12.05.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Ein Gespenst namens Deflation" - von Herbert Geyer

In Österreich steigen die Preise um 1,4 Prozent - von Deflation keine Rede

Utl.: In Österreich steigen die Preise um 1,4 Prozent - von
Deflation keine Rede =

Wien (OTS) - Die Befragten einer Bloomberg-Umfrage sehen zwar
mehrheitlich eine Erholung der Weltwirtschaft, wobei die USA und
Europa die treibenden Kräfte sind - sie fürchten sich aber
gleichzeitig auch mit großer Mehrheit vor einer Deflation in der
Eurozone. Der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi steigt also, den Markt
mit zusätzlicher Liquidität zu fluten, um das Deflationsgespenst zu
vertreiben.

Bisher hatte Draghi auf derartige Ansinnen stets mit einem besorgten
Gesicht geantwortet und mit der Versicherung, bei Bedarf über eine
Vielzahl von Instrumenten zu verfügen, um eine mögliche Deflation zu
bekämpfen. Zuletzt in der Vorwoche, als Draghi mit der vagen
Aussicht, im Juni vielleicht etwas unternehmen zu wollen, den Euro
von seinen Spitzenwerten zum Dollar herunterholen konnte.

Draghi wird auch weiterhin versuchen, ohne zusätzliche Liquidität
auszukommen - denn im Gegensatz zu breiten Teilen der (durchaus auch
informierten) Öffentlichkeit, weiß er, dass im Euroland von Deflation
keine Rede sein kann.

Und das nicht erst seit den ersten Schätzungen von Eurostat zur
April-Inflation in der Eurozone, die zeigen, dass mit 0,7 Prozent
Teuerung das Tief vom März (0,5 Prozent) bereits Vergangenheit ist.
Denn für Draghi ist es evident, dass die Eurozone meilenweit von
einer Deflation entfernt ist - deren wichtigstes Merkmal es ist, dass
wegen der Erwartung sinkender Preise Investitionen und größere
Anschaffungen aufgeschoben werden, was zu einer Spirale nach unten
führt.

Die Eurozone ist kein homogener Wirtschaftsraum, sondern eine
Ansammlung von 18 nur mäßig korrelierenden Volkswirtschaften mit
höchst unterschiedlichem Wachstumstempo und höchst unterschiedlichen
Inflationsraten: Bei einer März-Teuerung von 1,4 (Österreich und
Malta) oder 1,3 Prozent (Finnland) kann von Deflation wahrlich keine
Rede sein.

Und dass in Griechenland, Zypern, Portugal und Spanien die Preise
fallen, hat mit Deflation nichts zu tun, dort bleiben Anschaffungen
nicht wegen der Hoffnung auf weiter sinkende Preise aus, sondern vor
allem deswegen, weil infolge der Sparpolitik das Geld dafür fehlt.
Das sollte nun, wenn die Wirtschaft auch im Süden wieder Fahrt
gewinnt, auch bald der Vergangenheit angehören. Mario Draghi dürfte
die ständigen Deflationszwischenrufe bald überstanden haben.

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