TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 1. Mai 2014 von Manfred Mitterwachauer "Druck an allen Fronten"

Die Bergbahnenstudie gibt beiden Lagern im Kalkkögel-Streit einiges an Munition mit auf den Weg. Der Startschuss für einen harten Showdown ist damit gefallen.

Innsbruck (OTS) - Die entscheidende Schlacht um das Ruhegebiet Kalkkögel hat begonnen. Auch wenn es Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) nicht wahrhaben will. Noch übt er sich im stillen Spagat. Hier der grüne Koalitionspartner, den es weiter zu befrieden gilt, dort die parteiinterne Seilbahn- und Tourismuslobby, die nicht länger stillhalten will. Für Letztere ist die im Auftrag von Stadt und TVB Innsbruck erstellte Bergbahnenstudie der in Zahlen gegossene Beweis, dass das Ruhegebiet einer besseren wirtschaftlichen Zukunft des Skigroßraums Innsbruck im Wege steht. Und endlich einer Verbindungsbahn zwischen Lizum und Schlick Raum geben muss.
Für den Alpenverein wäre dies der naturschutzrechtliche Sündenfall schlechthin - daher kämpft man umso heftiger dagegen an. So, wie es die oppositionellen Grünen damals bei der Erschließung des Piz Val Gronda taten - und scheiterten. Jetzt, als Regierungspartner und mit einer wegen des Argargesetzes aufmuckenden Parteibasis im Genick, werden die Grünen den Teufel tun, die Kalkkögel dem Koalitionsfrieden zu opfern. Zumal auch bei der großen Lösung ein Defizit droht.
Vor einem koalitionären Kräftemessen steht auch die Stadt. Auch hier sind die Grünen in der Regierung. Die Kalkkögel-Überquerung steht im koalitionsfreien Raum. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) drängt auf die große Lösung und will am Patscherkofel-Skibetrieb in vollem Umfang festhalten. Damit unterwandert sie aber die Empfehlung der Studie, die oberen Kofel-Sektionen zu schließen. Die Grünen halten den Kofel auch ohne Brückenschlag und Skibetrieb für überlebensfähig. Zwei unversöhnliche Standpunkte. Die Bergbahnenstudie hat in erster Linie eines ausgelöst: Der Druck für eine Entscheidung steigt an allen Fronten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001