Ausstellung "Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere" im quartier21/MuseumsQuartier Wien

Wien (OTS) - Als zentraler Beitrag zum "MQ Summer of Sounds" widmet sich mit "Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere" zum ersten Mal eine Ausstellung explizit dem Kabel in der Kunst. Einzelpositionen von über 50 internationalen KünstlerInnen bieten einen Einblick in das vielfältige Spektrum zeitgenössischer Auseinandersetzung mit dem vermeintlich einfachen Material. Oft auf deren bloße Funktionalität reduziert, erfahren Kabel durch die künstlerischen Tendenzen der letzten Jahre aktuell eine verstärkte Wertschätzung. Die von Georg Weckwerth kuratierte und interdisziplinär angelegte Schau im freiraum quartier21 INTERNATIONAL wird bereits am 04.06. um 19h mit einem Pre-Opening eröffnet, um 11 Uhr findet ein Presserundgang durch die Ausstellung und die Außen-und Satelliteninstallationen statt.

"Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere" würdigt das Kabel in all seinen Facetten. Das Allerweltsmaterial, das genaugenommen ein Hightechprodukt ist, fasziniert in vielerlei Hinsicht KünstlerInnen gerade jetzt", so Kurator Georg Weckwerth.

Dr. Christian Strasser, Direktor MuseumsQuartier Wien ergänzt:
"Wir laden unsere BesucherInnen ein, die vielen gestalterischen Möglichkeiten und kontextuellen Bezugnahmen auf Kabel zu entdecken und ich bin sicher, sie werden Augen und vor allem auch Ohren machen".

Raumgreifende Kabelinterventionen, Sound- und Lichtinstallationen, Mixed-Media und Videoinstallationen, bildnerische Arbeiten, Fotografien und kontextuelle Werke geben Einblick in die Bandbreite künstlerischer Interpretation und demonstrieren sinnlich die faktische Funktionsweise von Kabeln als "verbindendes" Element und Leiter für Licht, Klang, Bewegung, Datenstrom etc. Dabei werden frühe und klassische Positionen kabelbasierter Kunst zeitgenössischen Positionen in bildender Kunst, Klangkunst und Medienkunst gegenübergestellt und in der Ausstellung im freiraum sowie in der Electric Avenue und im öffentlichen Raum des MQ präsentiert. Entstehen wird ein bewusst überbordender, synästhetischer Erfahrungsraum, der nicht zuletzt zur formalästhetischen Auseinandersetzung mit Werken aktueller Kunst anregen soll.

Eines der zentralen Werke der Ausstellung ist die raumgreifende elektromagnetische Klanginstallation "CLOUD" der bedeutenden deutschen Klangkünstlerin Christina Kubisch. Die gewaltige Wolke, aus 1500 Meter starrem blauen Monokabel geformt, schwebt zentral in der großen Ausstellungshalle auf Köpfhöhe der BesucherInnen. Der Titel der Arbeit spielt mit dem inzwischen jedermann geläufigen Begriff der "Cloud" als nicht sichtbarem Datenspeicher. In Kubischs Version ist der Speicher als Skulptur unübersehbar, die darin versteckte akustische Welt jedoch nur mittels Spezialkopfhörer zu erlauschen.

Demgegenüber sind in der faszinierenden wie fesselnden Lichtinstallation "Lyrical Lights" des Tiroler Landespreisträgers für zeitgenössische Kunst 2011 sowie Gestalters des Österreichbeitrags zur 13. Architektur-Biennale in Venedig 2012, Rens Veltman, die verschiedenen Medien sofort und unmittelbar erfahrbar. Es ist als betritt man ein Kino oder Theater: Die ästhetisch herausragenden Arbeit bestehend aus zweimal 456 Glasfaserkabeln, die der vielseitige Künstler und "protowissenschaftliche Denker" gemeinsam mit der Innsbrucker Lichtfabrik HALOTECH entwickelt und produziert hat, ist nichts weniger als eine filmische Erzählung in 4D bestehend aus animiertem Licht, Text, Musik und Laserprojektion.

Der selbsternannte Totalkünstler Timm Ulrichs ist mit gleich drei Werken in der Ausstellung vertreten, die allesamt exemplarischen Charakter haben: "Teile und herrsche" (1969/1972), ein Telekommunikationskabel als bildliche Interpretation der lateinischen Redewendung "Divide et impera"; "Höhlengleichnis" (1984), eine raumgreifende, figurativ-narrative Kabelwandzeichnung mit integriertem Fernsehgerät, frei nach Platons gleichnamigen Gleichnis aus der antiken Philosophie; und "Laokoon" (1986/2009), ein fußballgroßer, schwarzer Kabelknäul in dessen inneren Licht in Form einer Glühbirne einen nicht endenden Todeskampf bestreitet (Kabel als Sinnbild für die Schlange).

Schlange ist auch das Stichwort für den Beitrag von Peter Weibel, Medienkünstler und frischgebackener Oskar- Kokoschka-Preisträger 2014: In seiner Soloausstellung "Der elektrische Krieg" von 1983 gab es unter anderem eine Giftschlange hinter Glas in einem freigelegten Kabelschacht in der Wand. Im freiraum wird an diese Ausstellung erinnert und ein Installationselement rekonstruiert.

Wiederaufgeführt werden auch frühe Kabelinstallationen und -skulpturen aus den 1990er Jahren des Österreichers Werner Reiterer. Allesamt ohne Titel persiflieren und personifizieren sie Kabel, Steckdosen und Stecker in unnachahmlicher Weise. Sein "Universal Measuring Tape" von 2006 wiederum steht sinnbildlich für "Kabel umspannen die Welt": "Das Universum ist laut jüngsten Berechnungen ca. 13,5 Milliarden Jahre alt. Werner Reiterer überträgt diese Zeitdauer proportional auf ein Kabel von 270 Metern Länge und setzt entsprechende Zeitmarkierungen darauf, um wichtige Ereignisse der Evolution anzuzeigen."

Der gemeinsam mit EIKON präsentierte deutsche Medienkunst-Pionier und Performancekünstler Jürgen Klauke wird mit vier großformatigen Fotoarbeiten in der Ausstellung sowie als Satellit im "EIKON Schaufenster" in der Electric Avenue im quartier21 vertreten sein. Ein gemeinsamer Beitrag von "SCHAURAUM Angewandte" und "freiraum quartier21 INTERNATIONAL" ist die raumgreifende Klanginstallation von Robert Mathy in der Electric Avenue. "Volume" besteht aus 800 Meter Audiokabel und 30 modifizierten Motoren, die die Materialien des Ausstellungsraumes zum Klingen bringen und zu einer akustischen Raumwahrnehmung einladen. Ein weiteres wichtiges Werk der Ausstellung stammt vom Österreicher Leopold Kessler, der 2004 ein eineinhalb Kilometer langes Stromkabel zwischen seinem Atelier und seiner Wohnung am Praterstern verlegte. Mit Video dokumentierte er die Demontage dieses Kabels als "Abnabelungsprozess" von seiner Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste.

Die junge norwegische Künstlerin Serina Erfjord macht in "Sparkle" (2008) vermeintliche Kabelkurzschlüsse sicht- und hörbar. In "I Transcend Encapsulation" (2011) wiederum entfernt Medienkünstlerin Judith Fegerl aus Österreich eine vorhandene Steckdose aus der Wand, bettet sie in eine an der Wand lehnende Glasplatte ein und schließt sie wieder an den Strom an. Die in Graz lebende deutsche Klangkünstlerin Clara Oppel erzeugt ein Klang-Stillleben, indem sie für "Die fernen Hügel sind grün" (2012) einen Teppich aus Kabeln knüpft und Emerging Artist Ulla Rauter spannt zarte weiße Kabel als Klaviersaiten in ihr bekanntestes Werk "Lichtklavier" (2011). Licht ist auch das zentrale Element in der magischen Rauminstallation "Séance" (1999) der Deutschen Ursula Neugebauer (Lehrende an der UdK Berlin), in der ein alter Holztisch, gehalten von einem Kabel, knapp über dem Boden schwebt. Sabine Groschup, Trägerin des Innsbrucker Kunstpreises, widmet sich in der eigens für die Ausstellung entstehenden zweiteiligen Videoarbeit "Seelenbrand. In der Adern Erinnerung" der unbekannten träumerischen Seele des Kabels, sowie dem bekannten und gefährlichen Kabelbrand.

Der in Seoul lebende Koreaner Young-Sup Kim, Meisterschüler von Christina Kubisch, wird eine auf den Ausstellungsort zugeschnittene Fassung seiner gestalterisch und klanglich einzigartigen Bodeninstallation "Koexistenz" realisieren. Allein für diese Arbeit werden drei Kilometer weiße Lautsprecherkabel vom Künstler in Handarbeit zu Klangskulpturen geformt. Ferner entwirft der amerikanische Post-Konzept-Künstler Warren Neidich eine komplexe Diagrammstruktur zum Thema der Ausstellung. Sie wird als große Wandarbeit mit mehreren farbigen Neonelementen, u. a. drei Gehirnen umgesetzt. Das slowenische Künstlerduo son:DA bespielt die zentrale Eingangswand des freiraums mit einer ihrer unnachahmlichen, auf den Ort zugeschnittenen Kabelinstallationen. Darin eingebettet ist eine Art Archivpräsentation ihrer fantastischen "Mouse-Computer-Drawings", die Mensch und Kabel in teils grotesker, teils beängstigender Verknüpfung zum Thema haben.

Als Artists-in-Residence des quartier21 werden u.a. Serina Erfjord (NOR), Klaus Ferentschik (GER), Ina Hagen (NOR), Young-Sup Kim (KOR), Daisuke Kosugi (JPN), Emmanuel Madan (CAN), Ali Miharbi (TUR), Robin Minard (CAN), Warren Neidich (USA) und das slowenische Künstlerpaar Metka Golec & Miha Horvath alias son:DA (SLO) anlässlich der Ausstellung in den nächsten Monaten im MQ Wien leben und arbeiten.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Performances, Vorträgen, Lectures, Präsentationen, Künstlergesprächen, Kuratorenführungen und Workshops für Kinder und Jugendliche. Inhaltlich wird das Angebot in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien, Abteilung Digitale Kunst (Prof. Ruth Schnell, Wolfgang Fiel und Gastkuratorin Isin Önol) realisiert und räumlich im SCHAURAUM Angewandte/quartier21, in der Electric Avenue und im Raum D/quartier21, sowie der Buchhandlung Walther König im MuseumsQuartier präsentiert.
Der öffentliche Aufruf "Bitte hängen Sie weitere Kabel an Norbert Maths "Kabelgarderobe" für ein kreatives Recycling von alten Kabeln, wird darüber hinaus eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Massenprodukt befördern.

Teilnehmenden KünstlerInnen:

Tyler Adams (USA), Dominique Blais (FRA), Nina Canell (SWE), Jozef Cseres (SVK/CZE), Julius Deutschbauer (AUT), Adam Donovan (AUS), William Eggleston (USA), Thomas Ehgartner (AUT/GER), Róza El-Hassan (HUN/SYR), Serina Erfjord (NOR), VALIE EXPORT/Peter Weibel (AUT), Judith Fegerl (AUT), Klaus Ferentschik (GER), Thomas Feuerstein (AUT), Sabine Groschup (AUT), Shilpa Gupta (IND), Tim Hawkinson (USA), Ina Hagen (NOR), Pieter Hugo (RSA), Leopold Kessler (AUT), Günther Kieser (GER), Young-Sup Kim (KOR), Jürgen Klauke (GER), Daisuke Kosugi (JPN/NOR), Christina Kubisch (GER), Mirko Lazovic (SRB/NED), Paul Albert Leitner (AUT), Via Lewandowsky (GER), Maik + Dirk Löbbert (GER), Emmanuel Madan (CAN/GER), Nicolas Mahler (AUT), Norbert Math (ITA/AUT), Robert Mathy (AUT), Ali Miharbi (TUR), Robin Minard (CAN), Warren Neidich (USA), Ursula Neugebauer (GER), Clara Oppel (GER/AUT), Ben Patterson (USA/GER), Ulla Rauter (AUT), Werner Reiterer (AUT), Marc Ries (LUX/AUT), Valentin Ruhry (AUT), Rudolf Schwarzkogler (AUT), son:DA (SLO), Viktors Svikis (LAT), Atsuko Tanaka (JPN), Ulrich Troyer (AUT), Timm Ulrichs (GER), Rens Veltman (AUT), Peter Weibel (AUT).

"Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere" wird in Kooperation mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten organisiert.

In Vorbereitung ist ein Künstlerbuch zur Ausstellung, das die junge norwegische Künstlerin Ina Hagen im Rahmen ihrer Artist-in-Residence gestalten wird. Der Artist-in-Residence-Beitrag des Berliner Schriftstellers und Pataphysikers Klaus Ferentschik wiederum ist die eigens zur Ausstellung entstehende weltweit erste "Kabelenzyklopädie". Sie definiert 555 Begriffe der deutschen Sprache, in denen das Wort "Kabel" enthalten ist. Dazu gehören Kabelader und Kabelsystem ebenso wie Kabeljau und Vokabel (DER KONTERFEI 003 / Paperback / Deutsch / 60 S. / ISBN 978-3-9503749-3-3 / Erscheinungsdatum: Juni 2014).

Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cabels Everywhere Dauer: 06.06. bis 24.08.2014, Di bis So 13-19h, Eintritt frei

Presserundgang: Mi 04.06., 11h

Pre-Opening: Mi 04.06., 19h (bereits ab 17h Eröffnungen der Außen-und Satelliteninstallationen)

Eröffnung: Do 05.06., 17h

Ort: freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MuseumsQuartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien www.quartier21.at
http://connectingsoundetc.tonspur.at

Direktor MuseumsQuartier Wien: Dr. Christian Strasser

Rückfragen & Kontakt:

und Anmeldung zum Presserundgang:
Presse MQ: Mag. Irene Preißler
Tel. [+43] (0)1 / 523 58 81 - 1712; E-Mail: ipreissler@mqw.at

Künstlerische Leiterin, freiraum quartier21 INTERNATIONAL:
Mag. Elisabeth Hajek
Tel. [+43] (0)1 / 523 58 81 - 1712; E-Mail: ehajek@mqw.at

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