• 25.04.2014, 16:50:00
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Kopfgeburt Europa", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 26. April 2014

Utl.: Ausgabe vom 26. April 2014 =

Linz (OTS) - Großes Kino diese Woche beim Europa-Forum in der
Oberbank mit den OÖN als Co-Veranstalter, wobei mit Wolfgang Schüssel
und Edmund Stoiber zwei politische Zirkuspferde, befreit von den
Zwängen des politischen Amtes, vorführten, was Politik sein müsste:
Das rhetorisch blendend vorgetragene, einmal laut und emotional, dann
wieder leise und betont analytisch, aber immer logisch gedachte
Eintreten für eine Vision, eine Idee, in diesem Falle für "Europa".
Wie immer man zu den beiden Herren stehen mag, auch politisch und
auch wenn man sie nicht mögen sollte: So müsste Politik eigentlich
funktionieren, vom Kopf her geplant und sachlich argumentierend, aber
zugleich mit Emotion und Gefühl vorgebracht, daher vor allem
fesselnd, also mit Kanten.
Nicht, dass an diesem Abend die vielen Schattenseiten ausgespart
blieben: Regelungswut, Nord-Süd-Gefälle, Missbrauch. Diese Seiten
werden von den Europa-Skeptikern zur Genüge ausgebreitet, ohne dass
sich ausreichend Leute finden, die dem die größeren Argumente
entgegenstellen. Dass Europa nur zwei Prozent der Weltfläche abdeckt,
nur noch fünf Prozent der Weltbevölkerung, aber noch immer 25 Prozent
der Wirtschaftsleistung. Letzteres ist bedroht und jedes Land in
Europa für sich gesehen zu klein, um sich dem alleine zu stellen.
Auf Dauer wird es sich Europa nicht leisten können, ausschließlich
US-amerikanischen Multis - von Amazon bis Google - digital
ausgeliefert zu sein, will es sein Gewicht in der Welt halten. Dafür
brauchen wir Europa.
Nur 800 Kilometer von Österreich entfernt droht ein kriegerisches
Szenario. Auch dafür brauchen wir Europa. Oder wenn wir an die
Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa denken -
teilweise bei über 50 Prozent gelegen -, brauchen wir Europa und die
Solidarität aller.
Eine Antwort allerdings wurde beim Forum nicht gegeben. Wie kann dies
alles und denen vermittelt werden, die sich mit der Kopfgeburt Europa
nicht sachlich auseinandersetzen wollen, die diese Argumente nicht
verstehen können oder wollen, weil sie mit Europa nur Emotionen
verbinden, meistens negative? Entsprechend verläuft der Wahlkampf.
Von europäischen Zielen und Projekten ist kaum die Rede, es geht um
Innenpolitik mit einem großen Reibebaum, der sich
Europa nennt. Schade!

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