- 25.04.2014, 11:35:29
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Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien Heiligenkreuzer Hof - April/Mai 2014 (Teil 2)
Wien (OTS) -
Quasikristalle oder die Harmonie der Täuschung
Herwig Turk
Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien
Heiligenkreuzer Hof, Grashofgasse 3, A-1010 Wien
Eröffnung:
Dienstag, 29. April 2014, 19 Uhr, Refektorium
Begrüßung:
Gerald Bast,
Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Zur Ausstellung:
Matthias Michalka, Kurator, MUMOK Wien
Ausstellungsdauer:
30. April bis 20. Mai 2014
Öffnungszeiten:
Täglich von 14 bis 19 Uhr
Veranstaltungshinweis:
Körperwissen - ein Arbeitsgespräch:
Eva Maria Stadler, Professorin für Kunst- und Wissenstransfer an der
Universität für angewandte Kunst Wien, im Gespräch mit Herwig Turk,
Barbara Graf und Christina Lammer
Mittwoch, 7. Mai 2014, 18 Uhr
Die Universität für angewandte Kunst Wien zeigt unter dem Titel
Quasikristalle oder die Harmonie der Täuschung eine Ausstellung des
Medienkünstlers Herwig Turk, dessen Schaffen hier anhand einer
Auswahl von zwölf Arbeiten aus den letzten zehn Jahren vorgestellt
wird.
Herwig Turk unterhält seit 2003 ein eingehendes Gespräch mit
verschiedenen Natur- und Geisteswissenschafter/innen. Er bezieht
diese dabei in wechselseitiger Anregung in seinen künstlerischen
Prozess ein. Zusammen mit einem führenden Zellbiologen, Paulo Pereira
des Centre of Ophthalmology and Vision Sciences in Coimbra, Portugal,
realisierte Turk im Verlauf von sieben Jahren zahlreiche Projekte,
die nicht nur in internationalen Ausstellungen, sondern auch auf
einschlägigen Symposien präsentiert wurden. Von 2010 - 2013 wirkte
Herwig Turk als 'Artist in Residence' am Universitätsinstitut für
Molekularmedizin in Lissabon. Dort entstand auch die neueste Arbeit
in Form einer Vierkanal-Videoinstallation "The conversation that
never took place", welche nun erstmals in Österreich zu sehen sein
wird.
Bei seiner langjährigen Arbeit untersucht Herwig Turk aus nächster
Nähe die materielle Kultur des high-tech Labors, erprobt mit
WissenschafterInnen die 'Unwirklichkeit' der in der Wissenschaft
erzeugten und verwendeten Bilder. Er hinterfragt die Routinen und
Konventionen der Laborarbeit, insbesondere das 'unaussprechliche'
Wissen (sogenannte 'tacit knowledge'), das in den Körpern der
ForscherInnen gespeichert ist. Er ermittelt weltanschauliche Motive,
wie sie - um es mit Ludwig Fleck zu sagen - im 'Denkkollektiv' der
Lifesciences verborgen liegen. Im Bereich der Kunst, welche heutige
Wissenschaft als Ausgangspunkt nimmt, fallen Turks Arbeiten auf:
nicht im Ästhetischen befangen sehen sie den brisanten kognitiven und
politischen Debatten direkt ins Auge.
Die gegenwärtige Ausstellung gliedert sich in fünf thematische
Bereiche, die unterschiedlichen Dialogsituationen von Kunst und
Wissenschaft folgen:
1 - Im Projekt "referenceless" (1998 - 2003) stellt der epistemische
Status von computergestützten bildgebenden Systemen ein zentrales
Thema dar. Hier geht es um das Unwirkliche der wissenschaftlichen
Bilder, und um das, was man als Verlust von 'Referenzialität' und
konstruktive Wahrnehmung bezeichnen könnte.
2 - In den Werkblöcken "agents" (2007) und "labcapes" (2007 - 2011)
geht es um die Objekte und Konfigurationen von Materialien in den
Labors. Die Arbeiten führen die medizinische Moderne und
naturwissenschaftliche Praxis in für Normalbürger ungewöhnlicher
Intimität öffentlich vor. Die Frage, nach dem was wissenschaftliche
Methode oder Methodenlosigkeit heissen soll, .taucht auf.
3 - In der Zweikanal-Videoinstallation "uncertainty" (2007) wird das
Thema Fehler und Abweichungen von "idealen" Bedingungen verhandelt.
Wissenschaftliche Modelle werden der Wirklichkeit niemals vollständig
gerecht. Auch ein noch so kleiner Teil der Wirklichkeit geht in einem
Modell nicht vollständig auf. Die Videos der Installation sprechen
den Gleichgewichtssinn der Betrachter/innen an und sondieren, einmal
mehr, nicht explizites Wissen ('tacit knowledge').
4 - In den beiden Zweikanal-Videoinstallation "tacit knowledge
experiment 1" und "tacit knowledge experiment 2" (2011) finden sich
die Forscher/innen selbst als Teil einer Versuchsanordnung wieder:
sie sollen mit ihnen alltäglich vertrauten Laborobjekten Aufgaben
erfüllen. Damit wird die konventionelle Anwendungslogik auf den Kopf
gestellt und das Verhältnis von Routine vs. Unbekanntes in der
Forschungspraxis angesprochen.
5 - Schliesslich gibt die Soundinstallation "values" (2011) den
Wissenschaftler/innen die Gelegenheit, sich über aesthetische-,
emotionale- and monetäre Werte im Labor zu äußern. In ihren
Statements scheint auf, wie verschwommen die Grenzen zwischen
Objekten und handelnden Personen, aber auch zwischen Laborraum und
Gesellschaft sind. Mit der Vierkanal-Videoinstallation "The
conversation that never took place" (2013) stellt der Künstler eine
Schnittstelle auf, über welche unterschiedliche Haltungen und
Ungewissheiten von Molekularbiolog/innen zu Grundfragen zu Wort
kommen. Mittels Videoschnitt wurde aus vier Einzelbefragungen im
Studio ein 'Setting' mit vier Monitoren kreiert, wodurch die
Wissenschafter über Themen, die sie nie gemeinsam erörtern würden, in
ein scheinbares Gespräch verwickelt werden. Die oberflächliche
Harmlosigkeit trügt, denn die Forscherpersönlichkeiten werden als in
geschichtliche Zusammenhänge verstrickte Individuen erfahrbar.
Zum Künstler:
Herwig Turk lebt und arbeitet in Wien/Lissabon.
Seine Projekte kreieren Berührungspunkte im Spannungsfeld von Kunst,
Technologie und Wissenschaft.
Seit 2010 ist er "Artist in Residence" am IMM (Instituto da Medicina
Molecular), Lisbon.
Von 2003 - 2009 Zusammenarbeit mit Dr. Paulo Pereira, Leiter der
ophthalmologischen Abteilung von IBILI (Institute for Biomediacal
Imaging and Life Sciences) Coimbra.
In den letzten Jahren wurden seine Arbeiten unter anderem im MAK
Museum für angewandte Kunst, Wien, im Seoul Museum of Art, Seoul, im
Neues Museum Weserburg, Bremen, im TESLA Labor für Medienkunst, in
der Galerie Georg Kargl, Wien und bei der Transmediale, Berlin,
gezeigt. Derzeit arbeite er an einer monografischen Ausstellung für
das MMKK Kärnten.
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