Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien Heiligenkreuzer Hof - April/Mai 2014 (Teil 2)

Wien (OTS) -

Quasikristalle oder die Harmonie der Täuschung Herwig Turk

Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien Heiligenkreuzer Hof, Grashofgasse 3, A-1010 Wien

Eröffnung:
Dienstag, 29. April 2014, 19 Uhr, Refektorium
Begrüßung:
Gerald Bast,
Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Zur Ausstellung:
Matthias Michalka, Kurator, MUMOK Wien

Ausstellungsdauer:
30. April bis 20. Mai 2014
Öffnungszeiten:
Täglich von 14 bis 19 Uhr

Veranstaltungshinweis: Körperwissen - ein Arbeitsgespräch:

Eva Maria Stadler, Professorin für Kunst- und Wissenstransfer an der Universität für angewandte Kunst Wien, im Gespräch mit Herwig Turk, Barbara Graf und Christina Lammer
Mittwoch, 7. Mai 2014, 18 Uhr

Die Universität für angewandte Kunst Wien zeigt unter dem Titel Quasikristalle oder die Harmonie der Täuschung eine Ausstellung des Medienkünstlers Herwig Turk, dessen Schaffen hier anhand einer Auswahl von zwölf Arbeiten aus den letzten zehn Jahren vorgestellt wird.

Herwig Turk unterhält seit 2003 ein eingehendes Gespräch mit verschiedenen Natur- und Geisteswissenschafter/innen. Er bezieht diese dabei in wechselseitiger Anregung in seinen künstlerischen Prozess ein. Zusammen mit einem führenden Zellbiologen, Paulo Pereira des Centre of Ophthalmology and Vision Sciences in Coimbra, Portugal, realisierte Turk im Verlauf von sieben Jahren zahlreiche Projekte, die nicht nur in internationalen Ausstellungen, sondern auch auf einschlägigen Symposien präsentiert wurden. Von 2010 - 2013 wirkte Herwig Turk als 'Artist in Residence' am Universitätsinstitut für Molekularmedizin in Lissabon. Dort entstand auch die neueste Arbeit in Form einer Vierkanal-Videoinstallation "The conversation that never took place", welche nun erstmals in Österreich zu sehen sein wird.

Bei seiner langjährigen Arbeit untersucht Herwig Turk aus nächster Nähe die materielle Kultur des high-tech Labors, erprobt mit WissenschafterInnen die 'Unwirklichkeit' der in der Wissenschaft erzeugten und verwendeten Bilder. Er hinterfragt die Routinen und Konventionen der Laborarbeit, insbesondere das 'unaussprechliche' Wissen (sogenannte 'tacit knowledge'), das in den Körpern der ForscherInnen gespeichert ist. Er ermittelt weltanschauliche Motive, wie sie - um es mit Ludwig Fleck zu sagen - im 'Denkkollektiv' der Lifesciences verborgen liegen. Im Bereich der Kunst, welche heutige Wissenschaft als Ausgangspunkt nimmt, fallen Turks Arbeiten auf:
nicht im Ästhetischen befangen sehen sie den brisanten kognitiven und politischen Debatten direkt ins Auge.

Die gegenwärtige Ausstellung gliedert sich in fünf thematische Bereiche, die unterschiedlichen Dialogsituationen von Kunst und Wissenschaft folgen:

1 - Im Projekt "referenceless" (1998 - 2003) stellt der epistemische Status von computergestützten bildgebenden Systemen ein zentrales Thema dar. Hier geht es um das Unwirkliche der wissenschaftlichen Bilder, und um das, was man als Verlust von 'Referenzialität' und konstruktive Wahrnehmung bezeichnen könnte.

2 - In den Werkblöcken "agents" (2007) und "labcapes" (2007 - 2011) geht es um die Objekte und Konfigurationen von Materialien in den Labors. Die Arbeiten führen die medizinische Moderne und naturwissenschaftliche Praxis in für Normalbürger ungewöhnlicher Intimität öffentlich vor. Die Frage, nach dem was wissenschaftliche Methode oder Methodenlosigkeit heissen soll, .taucht auf.

3 - In der Zweikanal-Videoinstallation "uncertainty" (2007) wird das Thema Fehler und Abweichungen von "idealen" Bedingungen verhandelt. Wissenschaftliche Modelle werden der Wirklichkeit niemals vollständig gerecht. Auch ein noch so kleiner Teil der Wirklichkeit geht in einem Modell nicht vollständig auf. Die Videos der Installation sprechen den Gleichgewichtssinn der Betrachter/innen an und sondieren, einmal mehr, nicht explizites Wissen ('tacit knowledge').

4 - In den beiden Zweikanal-Videoinstallation "tacit knowledge experiment 1" und "tacit knowledge experiment 2" (2011) finden sich die Forscher/innen selbst als Teil einer Versuchsanordnung wieder:
sie sollen mit ihnen alltäglich vertrauten Laborobjekten Aufgaben erfüllen. Damit wird die konventionelle Anwendungslogik auf den Kopf gestellt und das Verhältnis von Routine vs. Unbekanntes in der Forschungspraxis angesprochen.

5 - Schliesslich gibt die Soundinstallation "values" (2011) den Wissenschaftler/innen die Gelegenheit, sich über aesthetische-, emotionale- and monetäre Werte im Labor zu äußern. In ihren Statements scheint auf, wie verschwommen die Grenzen zwischen Objekten und handelnden Personen, aber auch zwischen Laborraum und Gesellschaft sind. Mit der Vierkanal-Videoinstallation "The conversation that never took place" (2013) stellt der Künstler eine Schnittstelle auf, über welche unterschiedliche Haltungen und Ungewissheiten von Molekularbiolog/innen zu Grundfragen zu Wort kommen. Mittels Videoschnitt wurde aus vier Einzelbefragungen im Studio ein 'Setting' mit vier Monitoren kreiert, wodurch die Wissenschafter über Themen, die sie nie gemeinsam erörtern würden, in ein scheinbares Gespräch verwickelt werden. Die oberflächliche Harmlosigkeit trügt, denn die Forscherpersönlichkeiten werden als in geschichtliche Zusammenhänge verstrickte Individuen erfahrbar.

Zum Künstler:

Herwig Turk lebt und arbeitet in Wien/Lissabon.
Seine Projekte kreieren Berührungspunkte im Spannungsfeld von Kunst, Technologie und Wissenschaft.
Seit 2010 ist er "Artist in Residence" am IMM (Instituto da Medicina Molecular), Lisbon.

Von 2003 - 2009 Zusammenarbeit mit Dr. Paulo Pereira, Leiter der ophthalmologischen Abteilung von IBILI (Institute for Biomediacal Imaging and Life Sciences) Coimbra.
In den letzten Jahren wurden seine Arbeiten unter anderem im MAK Museum für angewandte Kunst, Wien, im Seoul Museum of Art, Seoul, im Neues Museum Weserburg, Bremen, im TESLA Labor für Medienkunst, in der Galerie Georg Kargl, Wien und bei der Transmediale, Berlin, gezeigt. Derzeit arbeite er an einer monografischen Ausstellung für das MMKK Kärnten.

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