• 25.04.2014, 10:44:20
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  • OTS0079 OTW0079

Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien Heiligenkreuzer Hof - April/Mai 2014 (Teil 1)

Wien (OTS) -

Sensible Operationsfelder
Barbara Graf und Christina Lammer

Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien
Heiligenkreuzer Hof, Grashofgasse 3, A-1010 Wien

Eröffnung:
Dienstag, 29. April 2014, 19.30 Uhr, Sala Terrena

Begrüßung:
Gerald Bast,
Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Zur Ausstellung:
Daniela Hammer-Tugendhat, Kunsthistorikerin, Hon. Prof. Universität
für angewandte Kunst Wien

Ausstellungsdauer:
30. April bis 20. Mai 2014
Öffnungszeiten:
Täglich von 14 bis 19 Uhr

Veranstaltungshinweis:
Körperwissen - ein Arbeitsgespräch:

Eva Maria Stadler, Professorin für Kunst- und Wissenstransfer an
der Universität für angewandte Kunst Wien, im Gespräch mit Herwig
Turk, Barbara Graf und Christina Lammer
Mittwoch, 7. Mai 2014, 18 Uhr

Die Universität für angewandte Kunst Wien zeigt in der Ausstellung
Sensible Operationsfelder Arbeiten von Barbara Graf und Christina
Lammer. Hände - ihre Gesten, Handgriffe, Bewegungen und Berührungen -
spielen in der Chirurgie eine wichtige Rolle und bilden die Grundlage
dieses künstlerischen Zugangs. Handlungsfelder, Arrangements,
Materialitäten und Stofflichkeiten im Operationstheater der
plastischen und rekonstruktiven Chirurgie werden transformiert und
als sinnliche und ausdrucksstarke Bilder des menschlichen Körpers in
den Blick genommen.

Sensible Operationsfelder entfalten sich in der Auseinandersetzung
von Kunst mit Medizin. Die Videoarbeiten von Christina Lammer und die
Tücher 1-7 (2011-14) und Fotografien von Barbara Graf sind Ergebnisse
einer langjährigen Zusammenarbeit. Auf unterschiedliche Weise
untersuchen die beiden KünstlerInnen Schichten des Körpers und seine
Verletzlichkeit. Hände und ihr Tätigsein werden aus der Nähe
betrachtet.

Im Video Hand Movie 0 (2012/2014), das direkt im Operationssaal
entstanden ist, richtet Christina Lammer den Blick nicht nur auf die
Hände des Operateurs, sondern vielmehr auf die Hand eines Mädchens.
Die Kinderhand wird zum Symbol für Empfindsamkeit. Sorgfältig wird
die kleine - scheinbar leblose Hand - gewaschen und in sterile Tücher
gehüllt. Diese Annäherung eröffnet einen poetischen Blick auf die
Chirurgie.

Barbara Graf verwendet für ihre Tücher Materialien, die im
medizinischen Bereich zum Einsatz kommen - chirurgische Abdecktücher
und medizinische Gaze. Verschobene Fäden oder gestickte Linien im
textilen Gewebe stellen Handgesten und körperliche Strukturen dar.
Die handwerkliche Präzision in der Bearbeitung bringt Inhalte zum
Ausdruck. In den fotografischen Inszenierungen
bringt sie die Tücher zurück zum Körper. In diesen Bildern behandeln
die Hände der Künstlerin Handdarstellungen. Kunsthistorische
Referenzen zu Gesten werden evoziert. Barbara Graf bezieht sich in
ihrer Arbeit am Bild auf die Pathosformel und das Nachleben bei Aby
Warburg - im Sinne der Aufladung und dem Weiterwirken von erinnerten
kulturellen Gesten. Die fotografischen Bilder entstehen durch den
Einsatz von ephemeren Möglichkeiten der Gestaltung. Die textilen
Draperien - lichtdurchflutet oder im Wasser schwimmend - überlagern
sich durch Langzeitbelichtungen mit dem Körper und vermögen
ambivalente oder sich widersprechende Ausdrucksweisen von
Leiblichkeit zu vereinen: Verdecken und Aufdecken, Nähe und Distanz,
Innensicht und Außensicht, Berührung und Eingriff. Räume, die tief in
den Körper reichen oder sich über die Hautoberfläche verflüchtigen
und nur noch als verkörperte Spuren existieren, sind zentrale Aspekte
der Bilder.

Körperlichen Spuren folgt auch Christina Lammer in der Videoarbeit
Deplazieren (2013/2014). Eine Brustkrebspatientin erzählt ihre
Lebens- und Krankengeschichte. Daraus entsteht ein Kurzfilm über
Empfindsamkeit und physische Integrität. Mimosenblüten ver- und
enthüllen die Narben der Frau. Sie erzählt über ihre Erfahrungen und
ihre Stimme berührt. Brot + Rosen (2009/2014), eine andere
Videoarbeit von Christina Lammer, zeigt ein endoskopisches Eindringen
in ihren Körper und die topografische Erkundung des eigenen Inneren.

In der Ausstellung gehen Handgesten weit über das ursprüngliche
Betätigungs- und Beschäftigungsfeld - das des chirurgischen
Eingriffes - hinaus. Die Arbeiten verkörpern nicht nur eine Reise auf
den Oberflächen und in die Tiefen des Körpers, sondern bringen
Körperwahrnehmung zum Ausdruck. Das Unaussprechliche gelangt zur
Darstellung.

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten sind im Rahmen des
Kunst- und Wissenschaftsprojekts Surgical Wrappings entstanden und
wurden vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds
(WWTF) von 2009 bis 2014 gefördert.

Barbara Graf, lebt und arbeitet als Künstlerin in Wien und Kairo.
Studium 1985-90 an der Universität für angewandte Kunst Wien, Prof.
Maria Lassnig. Seit 2004 Lektorin für Textiles Gestalten, Universität
für angewandte Kunst Wien. Von 2004-09 Mitarbeit in den
Forschungsprojekten CORPOrealities und von 2009-2013 Surgical
Wrappings unter der Leitung von Christina Lammer, gefördert vom
Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF).
Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland seit
1988. Auswahl aus den letzten vier Jahren: 2010 Kunsthistorisches
Museum Wien, Vermeer - Die Malkunst. 2010 3rd Kokaido Art Show
Morioka-Japan. 2010 MUSA Museum auf Abruf Wien, raum_körper/einsatz -
Positionen der Skulptur. 2010 Kantonsspital Aarau-CH, Blickfeld
Körper. 2012 sihlquai55-offspace Zürich, Leibhaftig. 2013 Central
Museum of Textiles Lódz-PL, Triennial of Tapestry. 2014
Universitätsbibliothek Basel-CH, künstlerischer Beitrag in der
Ausstellung Anatomische Bilder vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.

Christina Lammer, lebt und arbeitet als Soziologin, Autorin und
Videomacherin in Wien. Leitung künstlerischer Forschungsprojekte:
CORPOrealities (2004-2009) und Surgical Wrappings (2009-2014),
gefördert vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds
(WWTF). Features - Wiener Gesichtsprojekt (2010-2014), gefördert vom
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) im
Programm zur Erschließung und Entwicklung der Künste (PEEK).
Christina Lammer ist im Rahmen ihrer Forschung an der Universität für
angewandte Kunst in Wien tätig. Gemeinsam mit dem plastischen
Chirurgen Manfred Frey verwirklicht sie seit 2005 Arbeiten zur
Körper- und Selbstwahrnehmung. Zuletzt beim Wiener Löcker Verlag
erschienen: Empathography (Hg.), 2012 und Anatomiestunden (Hg. mit
Arthur Zmijewski), 2013.

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