• 25.04.2014, 10:31:32
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Verlagerungen bei den Fertigungskosten ändern globale Wettbewerbsfähigkeit

Wien (OTS) - The Boston Consulting Group stellt neuen
Cost-Competitiveness Index vor - Mexiko ist günstiger als China,
Großbritannien ist heute der Low-Cost-Standort Westeuropas, und viele
Emerging Markets sind längst nicht mehr billiger als die USA.

Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit hat sich in den vergangenen
zehn Jahren aufgrund der Fertigungskostensituation erheblich
verändert - viele bisher gängige Vorstellungen über Niedrigkosten-
und Hochkostenländer müssen revidiert werden. Zu diesem Ergebnis
kommt eine aktuelle Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG).

Weltweit überdenken Organisationen ihre Fertigungsnetzwerke und
Regierungen erkennen die wirtschaftliche Relevanz einer stabilen
Fertigungsbasis. Die kostenseitige Wettbewerbsfähigkeit gewinnt
zunehmend an Bedeutung. Brasilien ist heute eines der Länder mit den
höchsten Produktionskosten, dagegen hat sich Großbritannien zum
billigsten Fertigungsstandort in Westeuropa entwickelt. In Mexiko
sind die Fertigungskosten heute niedriger als in China, während diese
Kosten in den meisten osteuropäischen Ländern ähnlich hoch liegen wie
in den USA. Das sind die wichtigsten Resultate der Analyse, die von
BCG im Rahmen einer Untersuchung der weltweiten
Fertigungsprofitabilität durchgeführt wurde. Weltweit überdenken
Organisationen ihre Fertigungsnetzwerke und Regierungen erkennen die
wirtschaftliche Tragweite einer stabilen Fertigungsbasis.

Um die sich ändernde Kostendynamik in der Produktion genauer zu
beleuchten, hat BCG ein neues Tool entwickelt: den BCG Global
Manufacturing Cost-Competitiveness Index. Die damit gewonnenen
Kennzahlen zeigen, wie sich die Produktionskosten der 25 größten
Exportnationen in den vergangenen zehn Jahren verändert haben. Der
Index erfasst vier Hauptfaktoren der Wettbewerbsfähigkeit: Löhne,
Produktivitätswachstum, Energiekosten und Wechselkurse. Auf die 25
betrachteten Länder entfallen knapp 90 Prozent des weltweiten Exports
produzierter Güter.

Von den zehn Ländern mit den niedrigsten Fertigungskosten befinden
sich sechs in Asien, andere in Nordamerika und Osteuropa. Eine Reihe
weiterer Länder haben aufgrund der Kostensituation einen Großteil
ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Die höchsten Fertigungskosten
unter den 25 Ländern weist Australien auf, wo die Produktionskosten
um etwa 30 Prozent höher liegen als in den USA, - dicht gefolgt von
Brasilien.

"Viele Unternehmen treffen in der Fertigung

Investitionsentscheidungen auf Basis einer jahrzehntealten
Weltsicht, die völlig überholt ist", sagt Roland Haslehner, Partner
bei BCG und Industrie-Experte. "Nordamerika und Westeuropa gelten
dabei als High-Cost, Lateinamerika, Osteuropa und ein Großteil Asiens
- insbesondere China - als Low-Cost. Tatsächlich gibt es aber
innerhalb aller Regionen wesentliche Abstufungen, und einige Länder
haben in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren."

Die Untersuchung stellte vier typische Muster fest, nach denen
sich die Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen zehn Jahren in
vielen der 25 untersuchten Länder verändert hat.

Unter Druck:

Fünf traditionell als Low-Cost-Standorte betrachtete Länder -
Brasilien, China, Tschechien, Polen und Russland - haben seit 2004
ihren Kostenvorteil in erheblichem Maße eingebüßt. Ursachen sind ein
deutlicher Anstieg der Löhne, nachlassendes Produktivitätswachstum,
ungünstige Währungsschwankungen und eine dramatische Steigerung der
Energiekosten. Der Fertigungskostenvorteil Chinas gegenüber den USA
ist auf weniger als 5 Prozent geschrumpft, und in Brasilien ist die
Produktion heute teurer als in vielen Ländern Westeuropas. In
Osteuropa liegen die Kosten ebenso hoch oder sogar höher als in den
USA, sind damit allerdings teilweise nach wie vor deutlich
attraktiver als in Westeuropa.

Boden verloren:

Einige - vor allem westeuropäische - Länder, in denen die
Produktionskosten bereits vor zehn Jahren vergleichsweise hoch waren,
sind noch weiter zurückgefallen. Die durchschnittlichen
Fertigungskosten sind in Belgien um 6 Prozent, in Schweden um 7
Prozent, in Frankreich um 9 Prozent und in der Schweiz und in Italien
um 10 Prozent höher gestiegen als in den USA. Hauptursachen für diese
Entwicklung sind höhere Energiekosten und ein geringes Wachstum oder
sogar ein Rückgang der Produktivität.

Position gehalten:

Eine Handvoll Länder konnten ihre Fertigungskosten von 2004 bis
2014 im Vergleich zu den USA stabil halten und ihre
Wettbewerbsfähigkeit innerhalb ihrer Regionen deutlich verbessern.
Infolge von Währungsabwertungen und den weitgehenden Ausgleich von
Lohnsteigerungen durch höhere Produktivität ist es gelungen, die
Gesamtkosten in Indonesien und Indien im Rahmen zu halten.
Großbritannien und die Niederlande konnten dank kontinuierlicher
Produktivitätssteigerungen ihre Position behaupten. So haben sich die
Kostenstrukturen in Indonesien und Indien im Vergleich zu anderen
großen Exportnationen in Asien verbessert, während Großbritannien und
die Niederlande ihre kostenseitige Wettbewerbsfähigkeit gegenüber
anderen west- und osteuropäischen Exportländern deutlich erhöhen
konnten.

Auf dem Vormarsch:

In Mexiko und den USA haben sich die Kostenstrukturen in der
Fertigung gegenüber nahezu allen anderen führenden Exportnationen
weltweit deutlich verbessert. Verantwortlich dafür ist eine Reihe von
Faktoren: eine stabile Lohnentwicklung, nachhaltige
Produktivitätssteigerungen, stabile Wechselkurse und ein erheblicher
Energiekostenvorteil, der vor allem auf der Halbierung der
Erdgaspreise seit dem Beginn der großflächigen Förderung von
Schiefergas in den USA im Jahr 2005 beruht. In Mexiko liegen die
durchschnittlichen Fertigungskosten heute unter denen in China. In
den USA sind die Gesamtkosten inzwischen 10 bis 25 Prozent niedriger
als in den zehn führenden Exportnationen weltweit mit Ausnahme
Chinas.

"Personal- und Energiekosten sind zwar nicht die einzigen Faktoren
bei Standortentscheidungen von Unternehmen, aber aufgrund der
gravierenden Veränderungen bei diesen Kosten kommt es zu deutlichen
Verschiebungen in der Profitabilität der Fertigung weltweit",
erläutert Roland Haslehner. "Unternehmen sollten aufgrund dieser
Veränderungen ihre Einkaufsstrategien überdenken und sich genau
überlegen, wo sie in Zukunft Kapazitäten aufbauen wollen. Viele
werden sich dafür entscheiden, in wettbewerbsfähigen Ländern zu
produzieren, die näher am Ort des Verbrauchs liegen. Wir sehen einen
grundsätzlichen Trend zurück zum 'Near-Shoring' anstatt des
klassischen 'Far-Shoring'."

Die Ergebnisse der Untersuchung sind auch für Regierungen
relevant, die über mögliche Optionen im Fertigungsbereich nachdenken.
Viele Länder sind seit 2004 zurückgefallen und laufen Gefahr, weiter
an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, falls sich die derzeitigen
Lohn- und Produktivitätstrends fortsetzen. In einigen Ländern mit
niedrigen direkten Fertigungskosten könnte die Wettbewerbsfähigkeit
auch durch andere Faktoren, etwa ein schwieriges wirtschaftliches
Umfeld oder eine mangelhafte logistische Infrastruktur, unterminiert
werden.

Die Autoren raten Unternehmen, ihre weltweiten
Produktionsstandorte und ihren Einkauf im Hinblick auf aktuelle
Kostenstrukturen und trends zu überprüfen. Dabei geht es nicht nur
um Löhne, sondern um die Gesamtkosten - einschließlich
Produktivitätsunterschieden und versteckter Kosten. "Wenn Unternehmen
neue Fertigungskapazitäten aufbauen, sind dies Entscheidungen für die
nächsten 25 Jahre oder länger", so Haslehner. "Sie müssen genau
untersuchen, wie sich relative Kostenstrukturen verändert haben - und
welche Entwicklungen in Zukunft zu erwarten sind."

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 81 Standorten in 45 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2013 mit 1.500
Mitarbeitern einen Umsatz von 510 Millionen Euro. Für weitere
Informationen: www.bcg.at

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt die Boston
Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare,
Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben
Publikationen zu aktuellen Wirtschafts- und Unternehmensthemen
beinhaltet die Plattform auch Veröffentlichungen aus der 50-jährigen
Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter
www.bcgperspectives.com.

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