• 24.04.2014, 17:54:44
  • /
  • OTS0314 OTW0314

Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Chaotischer Eigentümer"

Ausgabe vom 25. April 2014

Utl.: Ausgabe vom 25. April 2014 =

Wien (OTS) - Vieles spricht dafür, dass der staatliche Einfluss auf
die Geschicke der Telekom Austria spätestens in zehn Jahren
Geschichte sein wird, wenn der nun geschlossene Syndikatsvertrag mit
dem mexikanischen Investor ausläuft.

Ob dies gut oder schlecht ist, lässt sich abschließend wohl erst dann
beurteilen. Sicher ist nur, dass das Vorgehen der
Verstaatlichten-Holding ÖIAG samt deren Aufsichtsrat der praktischen
Umsetzung der Theorie vom Prozess der schöpferischen Zerstörung sehr,
sehr nahe gekommen ist. Nur eben in anderer Form, als dies der Ökonom
Joseph Schumpeter beschrieben hat.

Am Nutzen des Staats als Unternehmer scheiden sich seit Beginn des
modernen wirtschaftlichen Denkens die Geister. Letztgültig beweisen
lassen sich Konzepte wie die zwingend segensreiche Wirkung der
unsichtbaren Hand des Marktes nicht. Entweder man glaubt daran - oder
eben nicht.

Wenn der Staat als Eigentümer aber so chaotisch agiert, wie dies nun
bei der Telekom der Fall war, kann man einem Unternehmen, das sich am
freien Markt behaupten muss, nur wünschen, dass es sich von diesen
Fesseln befreit. Das Schlimmste für ein Unternehmen und seine
Mitarbeiter ist ein Eigentümer, der seiner unternehmerischen
Verantwortung nicht nachkommt. Etwa, weil - wie es offensichtlich
jetzt bei der Telekom der Fall ist - zwei Koalitionspartner zwei
miteinander unvereinbare Strategien für das Unternehmen verfolgen. Es
ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Konzern, der durch solche
Auseinandersetzungen gelähmt ist, zum Übernahmekandidaten mutiert
oder überhaupt vom Markt verschwindet.

Wenn die öffentliche Hand auf dem Markt als Unternehmer auftritt,
dann mit klar definierten strategischen Interessen, das dem
jeweiligen Konzern die Umsetzung eines stichhaltigen, am Markt
erfolgreichen unternehmerischen Konzeptes ermöglicht - ja wenn
möglich sogar erleichtert. Jahrelange Hängepartien um den künftigen
Weg eines Unternehmens sind nicht nur verantwortungslos gegenüber den
betroffenen Mitarbeiten, sondern zudem eine bewusste Schädigung der
Interessen der Bürger, um deren Eigentum es schließlich geht.

Man hätte eigentlich vermuten dürfen, dass die leidensreiche
Geschichte der Verstaatlichten in den 1980er Jahren die Politik
klüger gemacht hat. Das ist offensichtlich nicht der Fall.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel