• 22.04.2014, 20:56:37
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Frühlingsgefühle, Kommentar zu Euro-Krisenstaaten von Detlef Fechtner

Frankfurt (ots) - Portugal wird heute eine zehnjährige Anleihe an
den
Markt bringen. Die Chancen für eine freundliche Aufnahme stehen nicht
schlecht: Schließlich haben Portugal und Griechenland bereits mühelos
Fünfjährige platziert, ist Irland ein störungsfreier Ausstieg aus der
Rolle als Programmland gelungen, sind die Risikoprämien in den Keller
gesunken. Kurzum: Am Anleihemarkt scheint der Lenz ausgebrochen zu
sein. Die Stimmung ist frühlingshaft und unbesorgt. Im Vertrauen,
dass zur Not gewiss die Europäische Zentralbank einspringt, haben die
Investoren nicht bloß ihre Risikoscheu abgelegt, sondern agieren
gänzlich unbeschwert.

Längst bereitet gerade diese Leichtherzigkeit den
Euro-Rettungsmanagern Stirnrunzeln. Lange haben sie die Investoren
bestärkt, doch wieder Vertrauen in die Eurozone zu fassen. Aber
mittlerweile macht sich bei manchem in der Eurogruppe die Sorge
breit, dass die Märkte nun erneut übertreiben - dieses Mal in anderer
Richtung. Diese Bedenken bestimmen derzeit Diskussionen darüber, ob
sich Portugal in Form eines "clean exit" aus dem Hilfsprogramm
verabschieden soll - oder ob das Land doch ein Sicherheitsnetz in
Form einer präventiven Kreditlinie gespannt lässt. Für beide Optionen
gibt es gute Gründe. Daher ist von schnellen Antworten abzuraten. Und
die Euro-Partner tun gut daran, wenn sie eine sachliche Entscheidung
zulassen, indem sie auf Druck verzichten.

Die Verfechter eines scharfen Schnitts erinnern an Irland. Das
Beispiel beweise, dass Zauderer falschliegen können. Aber Irland ist
nicht Portugal. Dublin verfügte beim Exit über mehr Finanzpuffer.
Zudem befand sich das Land bereits im dritten Jahr des Aufschwungs.
Der irische Frühling war nicht bloß gefühlt.

Ein Argument, das dieser Tage oft in Brüssel zu hören ist, lautet:
Nur ein klarer Ausstieg verschont Portugal vor einer Stigmatisierung
am Markt. Es könne doch nicht sein, dass man Portugal nicht
zubillige, was man im Falle Irlands respektiert habe - nämlich den
Wunsch nach politischer Selbstbestimmung ohne weitere
Troika-Prüfungen. Allein, wer so argumentiert, muss erklären, wie er
im Herbst mit Griechenland umgehen will - und ob er sich dann
abermals, um eine Stigmatisierung zu vermeiden, auf einen Exit ohne
Absicherung einlässt. Denn dass Hellas dann bereits ganz ohne Hilfe
von außen auskommt - oder ohne indirekte Geldgeschenke, wie sie der
Athener Regierung vorschweben - das kann man sich nicht mal im
frühlingshaften Rausch vorstellen. Dazu braucht es schon einen
tiefen, festen Sommernachtstraum.

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