Falter: Novomatic zahlte zwei Millionen an Grassers Freunde

Gutachter kann keine Gegenleistungen von Meischberger entdecken / zugleich auffällige Kontenbewegungen bei Grasser

Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter veröffentlicht in ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe ein spektakuläres Gerichtsgutachten im Kriminalfall Karl-Heinz Grasser.

Der Wiener Gerichtsgutachter Matthias Kopetzky untersuchte, welche Beträge der Glückspielkonzern Novomatic an die Lobbyisten von Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und Peter Hochegger zahlte. In Summe wurden zwei Millionen für Lobbying und Strategieberatung bezahlt. Fast 800.000 Euro reichte Hochegger an den Subauftragnehmer Meischberger weiter.

Gutachter Kopetzky hält fest, es gebe keine dokumentierten Leistungen Meischbergers. Die Verträge zwischen Meischberger und der Novomatic seien entgegen den internen Vorschriften nicht schriftlich abgefasst worden. Hochegger habe seine Leistungen hingegen dokumentiert.

Meischberger sei vermutlich der "Meldegänger" ins Finanzministerium gewesen. Als Grasser sein Amt aufgab, habe auch Meischberger nichts mehr verdient. Als die Gelder bezahlt wurden, sollen Mitarbeiter Grassers im Nationalrat massiv für eine Liberalisierung des Glückspielgesetzes interveniert haben. Der ehemalige ÖVP-Abgeordnete Michael Ikrath, damals im Finanzausschuss, spricht im Falter von einer "Sauerei", weil das Parlament überrumpelt hätte werden sollen.

Meischberger soll einen Teil des Novomatic- Geldes für seinen Hausbau verwendet haben, etwa 500.000 Euro wurden jedoch in bar von seinen Konten behoben, die Spur des Geldes verliere sich.
Der Gutachter hegt den Verdacht, dass etwa 50.000 Euro auf jenem berüchtigten Liechtensteiner Konto "400815" gelandet sein könnten, das die Ermittler Grasser zuordnen, weil dort auch 2,5 Millionen an Buwog-Provisionen lagern. Kontenbewegungen legen das nahe.

Von diesem Vaduzer Konto sollen mehr als 600.000 Euro bar behoben worden sein. Rund 235.000 Euro seien "zeitlich und betraglich korrelierend" auf Grassers Konten bei der Meinl-Bank und dem Bankhaus Spängler einbezahlt worden. Grassers Anwalt Manfred Ainedter hält fest, sein Mandant werde durch das Gutachten entlastet. Direkte Zahlungsflüsse von der Novomatic oder von Meischberger und Hochegger an Grasser seien nicht dokumentiert worden. Die Novomatic hält fest, sie sei mit Hocheggers und Meischbergers Leistungen zufrieden gewesen. Eine Bestechung Grassers wird entschieden in Abrede gestellt.

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