Sprachprofis protestieren gegen "mitgemeinte" Frauen in geplanter Ö-Norm

Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen UNIVERSITAS Austria: Sprache schafft Realität

Wien (OTS) - Der über 700 Mitglieder umfassende Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen UNIVERSITAS Austria protestiert gegen einen Entwurf für die Ö-Norm 1080 für geschäftlichen Schriftverkehr und hat dem Normungsinstitut eine entsprechende Stellungnahme übermittelt. Insbesondere in Kapitel 7 und Anhang B des Entwurfs wird unter anderem vorgeschlagen, in Texten mittels Generalklausel das so genannte 'generische Maskulinum' zu verwenden und Frauen 'mitzumeinen' - und damit letztlich Menschen mit Männern gleichzusetzen. Eine Textnorm, die weder der sprachlichen Realität, den gesellschaftlichen Verhältnissen noch dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand entspricht, ist laut UNIVERSITAS Austria abzulehnen.

Dazu Alexandra Jantscher-Karlhuber, die Präsidentin des Berufsverbandes: "Sprache schafft Realität. Gendergerechte Texte sind geeignet, Frauen sprachlich die Anerkennung zu geben, die ihnen selbstverständlich zusteht." Vorstandsmitglied Heide Maria Scheidl zu einem oft bemühten, aber konstruierten Widerspruch: "Natürlich kann geschlechtergerechte Sprache keine Gleichberechtigung im Alltags- und Berufsleben herstellen. Sie ist aber sehr wohl geeignetes Vehikel, um für die Gleichstellung von Frauen und Männern eine essentielle Grundlage zu schaffen."

Die Frage der Lesbarkeit und Verständlichkeit stellt sich laut den SprachexpertInnen bei gendergerechten Formulierungen nur höchst marginal, denn es gibt sinnvolle Vorschläge und Leitfäden für Formulierungsstrategien, um Frauen in Texten gleichermaßen sichtbar zu machen wie Männer, ohne dabei unnötig lange oder schwer lesbare Texte zu produzieren. Dazu liegen diverse Leitfäden österreichischer Regierungsbehörden zum Thema geschlechtergerechter Sprachgebrauch vor.

Eine Norm, die die Verwendung der deutschen Sprache festlegt, muss darüber hinaus nicht nur Empfehlungen zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern enthalten, sondern auch Vorgaben zur nichtdiskriminierenden sprachlichen Behandlung in Bezug auf junge und alte Menschen, Menschen mit Behinderung, Menschen mit verschiedener geschlechtlicher Orientierung, Menschen unterschiedlicher Herkunft und anderer religiöser Zugehörigkeit enthalten.

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