• 31.03.2014, 11:09:06
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Stöger, Wehsely, Schelling, Wechselberger, Frohner: Gesundheitsversorgung NEU denken

Bundesgesundheitskonferenz bildet Auftakt für breiten Dialog über Primärversorgung in Österreich

Utl.: Bundesgesundheitskonferenz bildet Auftakt für breiten Dialog
über Primärversorgung in Österreich =

Wien (OTS) - Das Bundesministerium für Gesundheit lud heute zu einer
groß angelegten Bundesgesundheitskonferenz, um mit den
VerantwortungsträgerInnen aus sämtlichen Bereichen des
Gesundheitswesens über die Neugestaltung der Primärversorgung in
Österreich zu diskutieren.

"Heute ist der Auftakt zu einem breiten Dialog", so
Gesundheitsminister Alois Stöger, im Zuge einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, dem
Vorsitzenden des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans
Jörg Schelling, dem Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer
Artur Wechselberger sowie der Präsidentin des Österreichischen
Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Ursula Frohner. Stöger
verdeutlicht seine Intention der Konferenz: "Wir müssen uns gemeinsam
die Fragen stellen, wie die gesundheitliche Versorgung der Zukunft
aussehen kann und was vor allem die Patientinnen und Patienten
brauchen, um optimal betreut zu werden. Eine solche Reform lässt sich
nicht von oben herab verordnen und daher holen wir alle an einen
Tisch. Ich bin zuversichtlich, gemeinsam werden wir die
Primärversorgung in Österreich zum Wohle der Menschen neu denken und
gestalten."

Die von den Systempartnern, Bund, Länder und
Sozialversicherungsträger, beschlossene Gesundheitsreform liefert den
strukturellen Rahmen, legt den Grundsatz der Gemeinsamkeit von
Entscheidungen im Gesundheitswesen fest und richtet den Fokus
erstmals auf die Interessen der Patientinnen und Patienten. Mit dem
Bundes- und den Landeszielsteuerungsverträgen hat die Arbeit der
Abstimmung und der Planung in allen Regionen Österreichs begonnen.
"Wien war von Anfang an Vorreiter bei der Umsetzung der
Gesundheitsreform, ein Schwerpunkt der bereits im September 2013
gemeinsam mit der WGKK beschlossenen Landeszielsteuerung sind
Versorgungsstrukturen. Daher ist mir die heutige
Bundesgesundheitskonferenz ein besonderes Anliegen. Eine verbesserte
Primärversorgung bringt den Patientinnen und Patienten mehr Service
und höhere Qualität, was ihr Vertrauen in das Gesundheitssystem
erhöht. Die Verbesserung der Primärversorgung ist für das
Gesundheitssystem auch essentiell, weil dadurch größere Effizienz
gewährleistet wird", so Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Sie
erwartet sich von der heutigen Konferenz den Start eines gemeinsamen
und partnerschaftlichen Prozesses mit allen Beteiligten: "Ich bin
zuversichtlich, dass wir in einer gemeinsamen Anstrengung bis Juni
konkrete Ergebnisse erzielen werden, die wir dann im Interesse der
Patientinnen und Patienten rasch umsetzen können."

"Die Systempartner Bund, Länder und Sozialversicherung haben sich
einen straffen Zeitplan vorgenommen, damit die Bevölkerung rasch die
positiven Auswirkungen der Gesundheitsreform erkennt und erlebt",
betont Hans Jörg Schelling, Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der
Sozialversicherungsträger. Das "erste Erlebnis" bringt meist der
niedergelassene Bereich, der nun nach dem Reformmotto "der Patient im
Mittelpunkt" unter der Führung der Sozialversicherung neu gestaltet
wird. Die klare Stärke des System ist, dass fast jeder Österreicher -
wie Umfragen belegen - einen Haus- oder Vertrauensarzt hat. Ein
"Neu-Denken" des niedergelassenen Bereichs ohne Hausarzt ist daher
unmöglich. Gleichzeitig müssen allerdings die von der Bevölkerung
alltäglich erlebten Schwächen des Systems beseitigt werden: übervolle
Wartezimmer, verschlossene Ordinationen, das Hin- und Hergeschickt
werden oder noch schlimmer, die Vermittlung des Gefühls, dass niemand
für den Einzelnen zuständig ist. Das heißt, eine moderne medizinische
Primärversorgung wird mehr bieten: Von der ersten Akutversorgung rund
um die Uhr, über die Gesundheitsförderung und Prävention oder die
Betreuung chronisch Kranker bis hin zum Lotsen durch das System und
die Gesundheitskoordination. Diesbezüglich ist, so der
Vorstandsvorsitzende, der traditionelle Hausarzt in Form des
Einzelkämpfers völlig überfordert. Er benötigt um sich ein
vielseitiges Team, dessen Mitglieder partnerschaftlich und auf
gleicher Augenhöhe zusammenwirken. "Dieses Modell wird die
Sozialversicherung im Interesse der Bevölkerung diskutieren und zügig
umsetzen", so Schelling.

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger,
begrüßt den Diskussions- und Meinungsbildungsprozess über den in der
Gesundheitsreform vorgesehenen Ausbau der Primärversorgung.
Wechselberger: "Die gesundheitspolitisch erwünschte und ökonomisch
sinnvolle Entlastung der Spitäler kann nur über eine verstärkte
Verfügbarkeit versorgungswirksamer Arztpraxen im unmittelbaren
Lebensumfeld der Menschen erfolgen." Damit werde auch einer
langjährigen Forderung der österreichischen Ärzteschaft nach Stärkung
der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Rechnung getragen. Die
optimale Primärversorgung bedeute aus Sicht der Ärzteschaft erste
Diagnostik und Behandlung, Koordinierung, Sicherstellung der
Versorgungskontinuität sowie gezielte Zuweisung. Primary Health Care
hänge allerdings von der Zusammenarbeit der Ärzte mit den
nichtärztlichen Gesundheits- und Sozialberufen unter Einbindung der
Angehörigen ab. "Eine wirksame Kommunikation und Koordination aller,
die sich um den Patienten bemühen, ist Grundlage einer
funktionierenden integrierten Gesundheitsversorgung in Netzwerken und
zeitgemäßen Zusammenarbeitsformen", so Wechselberger.

Ähnlich argumentiert die Präsidentin des Österreichischen
Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Ursula Frohner. Für sie liegt
der Fokus der Primärversorgung derzeit auf der Erstellung
medizinischer Diagnostik sowie medizinischer Therapien. Die
Verankerung der Gesundheits- und Krankenpflege in der
Primärversorgung, insbesondere im Bereich der Allgemeinmedizin, fehle
hingegen völlig. Frohner gibt zu bedenken: "Für die
Alltagsbewältigung mit krankheitsbedingten Einschränkungen wird es
immer dringender notwendig, den Patientinnen und Patienten
bedarfsorientierte Versorgungsmodelle anzubieten. Die Abbildung und
die vermehrte Einbindung der Gesundheits- und Krankenpflege in diese
Versorgungskonzepte sind daher unbedingt notwendig, da
Primärversorgung auch soziologische Aspekte, wie beispielsweise das
familiäre Umfeld, mit einzubeziehen hat."

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