- 28.03.2014, 10:18:03
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Experten: Versteckte Technologie könnte Alltag umkrempeln
"Shytech" braucht aber Vertrauen und Akzeptanz - Kontrollverlust muss berücksichtigt werden - Ist Google Glass auch nach einem Jahr noch cool?

Utl.: "Shytech" braucht aber Vertrauen und Akzeptanz -
Kontrollverlust muss berücksichtigt werden - Ist Google Glass
auch nach einem Jahr noch cool? =
Wien (OTS) - Intelligente Kleidung, autonom fahrende Autos und
vernetzte Haushalte: "Shytech", also Technologie, die zum Teil
unsichtbar, aber trotzdem intuitiv nutzbar bzw. erlebbar ist, hält
immer stärker in unseren Alltag Einzug. Über mögliche Vorteile dieser
Entwicklung und die Risiken einer Bevormundung durch Technik
diskutierten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.
Als Paradebeispiel führte Manfred Tscheligi, Universitätsprofessor
und Leiter des Geschäftsfelds "Technology Experience" am Austrian
Institute of Technology (AIT), autonom fahrende Autos an, die in den
kommenden zehn Jahren für eine Revolution auf den Straßen sorgen
könnten. Hier müsse berücksichtigt werden, dass versteckte
Technologie auch Vertrauen und Akzeptanz brauche, was laut Umfragen
nicht unbedingt vorausgesetzt werden sollte.
Das gelte sowohl für Personen im Fahrzeug, die das autonom bewegte
Lenkrad nicht aus den Augen lassen, als auch Fußgänger am
Zebrastreifen, die nicht wissen, ob der Fahrer oder das Auto selbst
lenkt. Hier könnte beispielsweise das Fahrzeug dem Fußgänger
"zublinzeln" und Grünes Licht für eine Querung signalisieren. So
nehme eine versteckte Technologie aktiv Kontakt auf, um Ängste zu
nehmen. "Entsprechend positiv belegte Erlebnisse sind notwendig",
sagte Tscheligi. Wie sich "Shytech" den Nutzern konkret präsentieren
soll, wüssten allerdings auch die Autohersteller noch nicht.
"Wearables" auf dem Vormarsch
Immer stärker in den Alltag integrieren würden sich mittelfristig
auch sogenannte "Wearables" à la Google Glass, erklärte Hermann Moser
vom Kompetenzzentrum Evolaris. Dadurch entstehe eine "intelligente
Umgebung", in der Endgeräte und Sensoren miteinander vernetzt sind.
"Technik erlernt die Kunst der Empathie und stellt sich auf unsere
Vorlieben ein", so Moser. Sie würde deshalb auch nicht als penetrant
empfunden. Weitere Anwendungsbeispiele sieht der Experte etwa in den
Bereichen "Industrie 4.0", Tourismus, Smart Home oder Transport.
Tscheligi warnte allerdings vor einer zu kurzen Evaluation: "Eine
Woche Google Glass ausprobieren ist sicher cool, aber was ist nach
einem Jahr? Da ist die Akzeptanz oft sehr schnell wieder
verschwunden", so der Universitätsprofessor. Er habe auch Zweifel an
der Hypothese, dass der User Technologie nicht mehr sehen oder
verstehen will. Schließlich gehe damit auch ein gewisser
Kontrollverlust einher.
Zwischen Unterstützung und Bevormundung
Im Vordergrund wird es einfacher, im Hintergrund allerdings
komplexer, erklärte Hilda Tellioglu von der Technischen Universität
(TU) Wien. Da eine intuitive Bedienung sehr individuell sei, müssten
Systeme auf die Nutzer reagieren und von ihnen lernen. "Das ist
allerdings eine ziemliche Herausforderung", so Tellioglu, die auch
auf den schmalen Grad zwischen Unterstützung und Bevormundung
verwies. Letzteres sei der Fall, wenn vom User ungewollt
Entscheidungen getroffen würden.
Auch im Businessbereich würden viele Anwendungen die Anforderung
an Einfachheit erfüllen. Neben den punktuellen Einsatzgebieten werde
aber oft auf den Gesamtprozess vergessen, ergänzte Oliver Krizek vom
Softwarespezialisten Navax. IT könne nur das abbilden, was physisch
im Unternehmen stattfinde. Hinter scheinbar kompliziert zu
bedienender Software würden in Wahrheit nicht optimierte Prozesse
stecken. "Die muss ich vorher definieren. Konzeption ist dabei
alles", so Krizek.
Tatsache sei, dass alle technischen Errungenschaften häufiger
genutzt würden, wenn man sie einfach bedienen kann, erklärte Robert
Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne. Ein Beispiel dafür seien
Videokonferenzen: Während dies früher ein schwieriges Unterfangen
gewesen sei, mache man das heute vom Standard-PC oder Tablet aus,
einfach per Klick oder per Touch - ohne Schulung - eben intuitiv.
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