ÖGfE-Schmidt: Trotz Kritik - EU-Mitgliedschaft Österreichs seit 20 Jahren unbestritten!

64 Prozent für Verbleib in der EU, 24 Prozent dagegen - 44 Prozent sehen mehr Vorteile, 35 Prozent mehr Nachteile - Umfrage

Wien (OTS) - "Am 30. März 1994, also vor 20 Jahren, wurden die Verhandlungen über den Beitritt Österreichs zur EU offiziell abgeschlossen. In Folge stimmten zwei Drittel der ÖsterreicherInnen für die EU-Mitgliedschaft. Zwei Jahrzehnte später hat sich an ihrer pragmatischen Einstellung zur EU nichts geändert. Zu kritisieren haben die ÖsterreicherInnen an der EU allerdings genug", sagt Paul Schmidt, Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), zum Ergebnis einer aktuellen ÖGfE-Umfrage.

64 Prozent der ÖsterreicherInnen sprechen sich derzeit dafür aus, dass unser Land EU-Mitglied bleibt. 24 Prozent plädieren für einen Austritt. 13 Prozent beziehen keine Stellung. Insgesamt 46 österreichweite Befragungen der ÖGfE seit Juni 1995 zeigen, dass -trotz Schwankungen - das Meinungsbild in dieser Frage konstant geblieben ist. Im Durchschnitt lag die Zahl der Befürworter der Mitgliedschaft bei knapp 71 Prozent, die Zahl der Gegner bei 23 Prozent. Die höchste Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft fand sich im Juni/Juli 2002 (80 Prozent), der stärkste Wunsch nach einem Austritt im Juni/Juli 2008 (33 Prozent).

"Zur EU-Mitgliedschaft gibt es keine Alternative - auch wenn so manche Entwicklungen und Entscheidungen kritisch gesehen werden. Gerade der Umgang mit der Krise, Teuerungen oder die vermeintliche Überbürokratisierung wirken sich negativ auf die Beurteilung der EU aus. Andererseits schätzen die ÖsterreicherInnen wesentliche Meilensteine der Integration - wie etwa den Euro und den Wegfall der Grenzen - hoch ein", meint Schmidt.

Eine Bilanz über die vergangenen 20 Jahre zeigt: 44 Prozent geben an, dass unser Land deutlich mehr" (14 Prozent) bzw. "etwas mehr" Vorteile (30 Prozent) durch die Mitgliedschaft in der EU hat. Für 35 Prozent überwiegen die Nachteile "etwas mehr" (20 Prozent) bzw. "deutlich mehr" (15 Prozent). 16 Prozent sehen diese Frage unentschieden.

Als positive Aspekte der Mitgliedschaft werden "die gemeinsame Währung/der Wegfall des Geldwechsels" (53 Prozent Spontannennungen) und "der freie Personenverkehr durch offene Grenzen" (42 Prozent) gewertet. 21 Prozent nennen den Bereich "gemeinsamer Wirtschaftsraum/freier Waren- und Dienstleistungsverkehr", je 13 Prozent "Frieden und Sicherheit" sowie "Gemeinsamkeit/Zusammenarbeit und Integration".

Die meisten negativen Assoziationen entfallen auf die Bereiche "Bürokratie/Verordnungen/Geldverschwendung/Bevormundung" (33 Prozent), praktisch gleichauf "Offene Grenzen/freier Personenverkehr/Kriminalität/Zuwanderung/Lohndumping" (31 Prozent). 20 Prozent nennen spontan Themen, die sich unter "Krise/Rettungsschirme" zusammenfassen lassen, 17 Prozent "Teuerungen/Euro".

"Die Bilanz der ÖsterreicherInnen fällt gespalten aus. Ausmaß, Geschwindigkeit und vage Ziele der europäischen Integration verunsichern. Die Finanzkrise, die beschleunigte Globalisierung und offene Grenzen haben ihr Übriges getan. Daher ist es nicht überraschend, dass der Wunsch nach Konsolidierung der EU an erster Stelle steht."

In einer ÖGfE-Umfrage vom September 2013 gaben insgesamt 86 Prozent der Befragten an, dass sie eine Vertiefung der Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer für "sehr wichtig" (48 Prozent) oder "wichtig" (38 Prozent) halten. 13 Prozent sehen dies als "weniger wichtig" (10 Prozent) oder "gar nicht wichtig" (3 Prozent) an.

Dagegen werden künftige Erweiterungen nicht als prioritär erachtet: Nur ein Viertel hält sie für "sehr wichtig" (8 Prozent) oder "wichtig" (16 Prozent). Drei Viertel beurteilen sie als "weniger wichtig" (42 Prozent) bzw. "gar nicht wichtig" (32 Prozent).

Ungeachtet des Wunsches nach Vertiefung der Zusammenarbeit sind die ÖsterreicherInnen geteilter Meinung, ob Entscheidungen innerhalb der EU mehr auf gemeinsamer, europäischer Ebene getroffen werden sollten (45 Prozent) oder mehr auf einzelner, nationalstaatlicher Ebene (48 Prozent).

"Der Ruf nach einer Verlagerung von Kompetenz zurück auf die nationale Ebene wird - je nach Thema - stärker. Mehr Subsidiarität und eine klarere Kompetenzaufteilung machen Sinn. Allerdings sollte klar gesagt werden, dass ein massiver Rückbau der erreichten Integration eine gemeinsame Problemlösung weiter erschweren würde", schließt Schmidt.

Download Grafiken:
http://www.oegfe.at/cms/uploads/media/Grafiken_OTS_280314.pdf

Die Umfrage wurde von der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) im Februar/März 2014 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 598 Personen per Telefon (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahre/Gewichtung nach Geschlecht, Alter und Bildung). Maximale Schwankungsbreite ca. +/- 4 Prozent.

*Für alle (und folgenden) Werte gilt:
Rest auf 100 Prozent: "weiß nicht/Keine Angabe".
(Vergleichsumfrage vom September 2013, SWS, Tel ASB 66, September 2013, N: 555.)

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Paul Schmidt
Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
Tel.: (+43-1)533 49 99
E-Mail: paul.schmidt@oegfe.at
www.oegfe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GEP0001