Zukunft Österreich: Agrarwüste ohne Vögel

BirdLife warnt vor drastischen Kürzungen der Naturschutzmittel beim Programm Ländliche Entwicklung

Wien (OTS) - Die österreichischen Verhandlungen zum europäischen Programm für Ländliche Entwicklung befinden sich in der Endphase. Die Bundesregierung plant bis Mitte April den fertigen Programmentwurf zur Begutachtung in Brüssel vorzulegen. Sollten die aktuellen Pläne der Agrarpolitik umgesetzt werden, sieht die Vogelschutzorganisation BirdLife eine Beschleunigung des Vogelsterbens in unserer Kulturlandschaft als vorprogrammiert. "Budgetmittelkürzungen von bis zu 100 Mio. Euro im Agrarumweltprogramm (ÖPUL) sowie Kürzungen von ca. 30% bei den Naturschutzausgaben gefährdet nicht nur die Vogelwelt sondern auch unsere Lebens- und Naturräume mit denen Österreich zumindest touristische alljährlich wirbt", warnt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation BirdLife.
Das EU-Programm der Ländlichen Entwicklung ist aufgrund seiner enormen Gesamtsumme und seiner flächendeckenden Wirkung das wichtigste Mittel zur Verwirklichung von Naturschutz- und Umweltzielen. BirdLife Österreich und andere NGOs geben sich daher äußerst alarmiert und warnen insbesondere Bundesminister Andrä Rupprechter vor möglichen Fehlentscheidungen mit dramatischer Folgewirkung für die österreichische Artenvielfalt.

Feldvögel jetzt schon in höchster Bedrängnis

Bereits jetzt ist der Schwund von Feldlerche, Braunkehlchen und Co dramatisch: In Österreich war ein Rückgang von 31,7% alleine zwischen 1998 und 2011 zu verzeichnen. Europaweit ist die Zahl der Vogelarten in der Kulturlandschaft seit 1980 um 52% zurückgegangen, das sind um 300 Millionen Vögel weniger. Die Versprechen der bisherigen Agrarumweltpolitik haben diese Entwicklung nicht aufhalten können. Z. B. ist das ehemals häufige Rebhuhn mittlerweile in ganz Vorarlberg ausgestorben. Die ebenfalls im Kulturland brütenden Kiebitze und Feldlerchen verschwindet derzeit aus mehr und mehr Gebieten des Alpenvorlandes. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die mit übermäßigem Gebrauch von Chemikalien und dem Ausräumen der Landschaft einhergeht, ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung vieler Ökosysteme in Österreich. "Als Folge der geplanten Mittelkürzungen bei den Naturschutzmaßnahmen und im ÖPUL-Programm wird das Vogelsterben rund um unsere Felder nicht gestoppt, sondern im Gegenteil sogar beschleunigt", befürchtet Pfiffinger.

ÖPUL darf nicht zu ökologischem Feigenblatt verkommen

Für die Projektförderung im Naturschutz wurden zuletzt 23 Millionen pro Jahrausgegeben. Angesichts zusätzlicher Aufgaben insbesondere zur verpflichtenden Umsetzung neuer Natura2000 Gebiete fordern die Bundesländer zwei Millionen mehr pro Jahr. Geplant sind derzeit jährlich allerdings nur maximal 17 Millionen, also 32% zu wenig. Zusätzlich will Minister Rupprechter angeblich die Bundesmittelanteile der Naturschutzförderungen von 16,2 Mio. auf 8,1 Mio. pro Jahr zurückfahren. Einen derartigen Budgetausfall würden die meisten Bundesländer nicht ausgleichen können. Damit wären viele dringend notwendige Projekte zum verbesserten Schutz der Natur für viele Jahre in Frage gestellt. "Das inhaltlich in vielen Teilbereichen positive, neue ÖPUL-Förderprogramm darf nicht durch drastische Mittelkürzungen im Natur-und Umweltbereich zu einem ökologischen Feigenblatt verkommen. Ganz im Gegenteil es braucht eine dringende Mittelaufstockung für Naturschutzmaßnahmen, um den anhaltenden Artenschwund zu stoppen", so Gerald Pfiffinger.

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