- 18.03.2014, 13:41:01
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Währinger Schubertpark - Kulturgeschichte "aus der Vorstadt"
Die wien.at-Serie "stadtUNbekannt" in Währing
Utl.: Die wien.at-Serie "stadtUNbekannt" in Währing =
Wien (OTS/RK) - Was haben "Fidelio", das "Heidenröslein", "König
Ottokars Glück und Ende" und "Lumpazivagabundus" gemeinsam? Die
wien.at-Serie "stadtUNbekannt" hat die Antwort und führt in den
Währinger Schubertpark, auf dessen Areal sich der ehemalige Währinger
Ortsfriedhof befand. Die Schöpfer oben genannter Kompositionen und
Bühnenwerke fanden hier ursprünglich ihre letzte Ruhestätte: Ludwig
van Beethoven, Franz Schubert, Franz Grillparzer und Johann Nestroy.
Ein Biedermeier-Friedhof in Währing
Der Währinger Ortsfriedhof wurde zwar schon lange vor der Zeit des
Biedermeiers, im Februar 1769 eingeweiht, die wesentliche bauliche
Ausgestaltung und Verschönerung erfuhr der Friedhof aber in den
Jahren zwischen 1820 und 1840, also in der Hochblüte der bürgerlich
verspielten doch politisch auch hoch brisanten Zeit von Biedermeier
und Vormärz. In dieser Zeit, im Jahr 1827, entstand auch das
Friedhofsportal im Stile des Empire. Zwei Jahre später erbaute man
die Kapelle und das Totengräberhaus beim Friedhofseingang.
Schließlich erhielt der Währinger Ortsfriedhof auch eine neue
Auffahrtsrampe von der noch Teile vorhanden sind. Heute führt hier
der Weg hinunter in die Tiefgarage - so treffen einander die Zeiten.
In den rund 100 Jahren, in denen der Friedhof belegt wurde, wurden
hier pro Jahr etwa 200 Personen bestattet. Im April 1873 wurde der
Währinger Ortsfriedhof geschlossen. Nur in Ausnahmefällen durften
danach noch Tote in bestehenden Grüften beigesetzt werden. Das Areal
verwilderte zunehmend bis die Gemeinde Wien im Jahr 1912 den Friedhof
mit dem Ziel ankaufte, hier eine Parkanlage zu errichten. Der
Schubertpark, wie man den neuen Park benannte, wurde im Jahr 1925
eröffnet. Einige der Grabdenkmäler konnten erhalten werden, man ließ
sie in einem abgeschlossenen Gräberhain bestehen. So kann man noch
heute rund 40 wertvolle und wunderschöne Grabsteine sehen, darunter
die imposante spätbarocke Kreuzigungsgruppe, die 1785 hier
aufgestellt wurde und die den Mittelpunkt des Gräberhains bildet.
Der Gräberhain und seine "Prominenten"
Berühmt wurde der Friedhof vor allem dadurch, dass sich auf seinem
Boden ursprünglich die Grabstätten berühmter Persönlichkeiten
befanden. Am 29. März 1827 wird hier Ludwig van Beethoven zu Grabe
getragen. Bei diesem Leichenbegängnis folgen dem Sarg Franz Schubert,
Ferdinand Raimund, Nikolaus Lenau und Franz Grillparzer, von dem auch
die von einem Burgschauspieler vorgetragene Grabrede stammt. Bald
danach, im Jahr 1828 findet hier auch Schubert seine vorläufig letzte
Ruhestätte, denn gemeinsam mit den sterblichen Überresten Beethovens
wird er 1888 exhumiert und in ein Ehrengrab auf dem damals noch neuen
Zentralfriedhof gebracht. Die ursprünglichen Grabdenkmäler konnten
erhalten werden und können an der parkseitigen Mauer des Gräberhains
besichtigt werden.
Auch Johann Nestroy und Franz Grillparzer wurden auf dem Währinger
Ortsfriedhof zu Grabe getragen, Grillparzer kurz vor der Schließung
des Friedhofs im Jahr 1872, Nestroy, obwohl in Graz gestorben, im
Jahr 1862. Beide "Literaturgrößen des 19. Jahrhunderts" wurden
ebenfalls nach 1873 exhumiert. Nestroy ruht jetzt auf dem
Zentralfriedhof, Grillparzer in einem Ehrengrab auf dem Hietzinger
Friedhof. Weitere "Prominente" in Währing waren auch Eduard van der
Nüll, einer der Erbauer der Wiener Oper und Alma von Goethe, die
Enkelin des großen Dichterfürsten. Auch für zahlreiche Adelsfamilien
wurden hier Grabmäler errichtet, noch heute geläufig sind die Namen
Hohenlohe, Mailath, Thun-Hohenstein oder Gatterburg. Die erhaltenen
Grabmäler datieren aus der Zeit um 1800 bis hinein in die frühe Zeit
des Historismus und stehen für ein Stück Kulturgeschichte aus der
ehemaligen Vorstadt Währing.
Der Gräberhain im Währinger Schubertpark, 18., Währinger Straße
142, kann Montag bis Freitag jeweils zwischen 8 und 14 Uhr besichtigt
werden. Achtung: Das Areal ist versperrt, den Schlüssel erhält man
bei der MA 42 im Gartenbezirk 6, 18., Mollgasse 2 (Währinger Park,
Zugang von Gymnasiumstraße), nähere Infos gibt auch das Gartentelefon
unter 4000-8042.
Mehr von "stadtUNbekannt"
Die wien.at-Serie stadtUNbekannt zeigt versteckte Örtlichkeiten in
Wien und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Stadt. Alle
bisherigen Geschichten online:
www.wien.gv.at/kultur/chronik/stadtunbekannt.html.
Bilder und das Video zum Währinger Schubertpark gibt es online:
http://www.wien.gv.at/kultur/religion/schubertpark.html
(Schluss) ibm
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