Währinger Schubertpark - Kulturgeschichte "aus der Vorstadt"

Die wien.at-Serie "stadtUNbekannt" in Währing

Wien (OTS/RK) - Was haben "Fidelio", das "Heidenröslein", "König Ottokars Glück und Ende" und "Lumpazivagabundus" gemeinsam? Die wien.at-Serie "stadtUNbekannt" hat die Antwort und führt in den Währinger Schubertpark, auf dessen Areal sich der ehemalige Währinger Ortsfriedhof befand. Die Schöpfer oben genannter Kompositionen und Bühnenwerke fanden hier ursprünglich ihre letzte Ruhestätte: Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Franz Grillparzer und Johann Nestroy.

Ein Biedermeier-Friedhof in Währing

Der Währinger Ortsfriedhof wurde zwar schon lange vor der Zeit des Biedermeiers, im Februar 1769 eingeweiht, die wesentliche bauliche Ausgestaltung und Verschönerung erfuhr der Friedhof aber in den Jahren zwischen 1820 und 1840, also in der Hochblüte der bürgerlich verspielten doch politisch auch hoch brisanten Zeit von Biedermeier und Vormärz. In dieser Zeit, im Jahr 1827, entstand auch das Friedhofsportal im Stile des Empire. Zwei Jahre später erbaute man die Kapelle und das Totengräberhaus beim Friedhofseingang. Schließlich erhielt der Währinger Ortsfriedhof auch eine neue Auffahrtsrampe von der noch Teile vorhanden sind. Heute führt hier der Weg hinunter in die Tiefgarage - so treffen einander die Zeiten.

In den rund 100 Jahren, in denen der Friedhof belegt wurde, wurden hier pro Jahr etwa 200 Personen bestattet. Im April 1873 wurde der Währinger Ortsfriedhof geschlossen. Nur in Ausnahmefällen durften danach noch Tote in bestehenden Grüften beigesetzt werden. Das Areal verwilderte zunehmend bis die Gemeinde Wien im Jahr 1912 den Friedhof mit dem Ziel ankaufte, hier eine Parkanlage zu errichten. Der Schubertpark, wie man den neuen Park benannte, wurde im Jahr 1925 eröffnet. Einige der Grabdenkmäler konnten erhalten werden, man ließ sie in einem abgeschlossenen Gräberhain bestehen. So kann man noch heute rund 40 wertvolle und wunderschöne Grabsteine sehen, darunter die imposante spätbarocke Kreuzigungsgruppe, die 1785 hier aufgestellt wurde und die den Mittelpunkt des Gräberhains bildet.

Der Gräberhain und seine "Prominenten"

Berühmt wurde der Friedhof vor allem dadurch, dass sich auf seinem Boden ursprünglich die Grabstätten berühmter Persönlichkeiten befanden. Am 29. März 1827 wird hier Ludwig van Beethoven zu Grabe getragen. Bei diesem Leichenbegängnis folgen dem Sarg Franz Schubert, Ferdinand Raimund, Nikolaus Lenau und Franz Grillparzer, von dem auch die von einem Burgschauspieler vorgetragene Grabrede stammt. Bald danach, im Jahr 1828 findet hier auch Schubert seine vorläufig letzte Ruhestätte, denn gemeinsam mit den sterblichen Überresten Beethovens wird er 1888 exhumiert und in ein Ehrengrab auf dem damals noch neuen Zentralfriedhof gebracht. Die ursprünglichen Grabdenkmäler konnten erhalten werden und können an der parkseitigen Mauer des Gräberhains besichtigt werden.

Auch Johann Nestroy und Franz Grillparzer wurden auf dem Währinger Ortsfriedhof zu Grabe getragen, Grillparzer kurz vor der Schließung des Friedhofs im Jahr 1872, Nestroy, obwohl in Graz gestorben, im Jahr 1862. Beide "Literaturgrößen des 19. Jahrhunderts" wurden ebenfalls nach 1873 exhumiert. Nestroy ruht jetzt auf dem Zentralfriedhof, Grillparzer in einem Ehrengrab auf dem Hietzinger Friedhof. Weitere "Prominente" in Währing waren auch Eduard van der Nüll, einer der Erbauer der Wiener Oper und Alma von Goethe, die Enkelin des großen Dichterfürsten. Auch für zahlreiche Adelsfamilien wurden hier Grabmäler errichtet, noch heute geläufig sind die Namen Hohenlohe, Mailath, Thun-Hohenstein oder Gatterburg. Die erhaltenen Grabmäler datieren aus der Zeit um 1800 bis hinein in die frühe Zeit des Historismus und stehen für ein Stück Kulturgeschichte aus der ehemaligen Vorstadt Währing.

Der Gräberhain im Währinger Schubertpark, 18., Währinger Straße 142, kann Montag bis Freitag jeweils zwischen 8 und 14 Uhr besichtigt werden. Achtung: Das Areal ist versperrt, den Schlüssel erhält man bei der MA 42 im Gartenbezirk 6, 18., Mollgasse 2 (Währinger Park, Zugang von Gymnasiumstraße), nähere Infos gibt auch das Gartentelefon unter 4000-8042.

Mehr von "stadtUNbekannt"

Die wien.at-Serie stadtUNbekannt zeigt versteckte Örtlichkeiten in Wien und ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Stadt. Alle bisherigen Geschichten online:
www.wien.gv.at/kultur/chronik/stadtunbekannt.html.

Bilder und das Video zum Währinger Schubertpark gibt es online:
http://www.wien.gv.at/kultur/religion/schubertpark.html

(Schluss) ibm

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