- 18.03.2014, 12:38:27
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Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der Entwicklungszusammenarbeit sicherstellen
Wien (OTS) - "Nichts über uns ohne uns" - unter diesem Motto
diskutierten in Wien ExpertInnen aus Wissenschaft und Forschung, der
Zivilgesellschaft sowie der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit Möglichkeiten inklusiver Entwicklung.
Internationaler Austausch, Mitbestimmung der Betroffenen und Abbau
von Vorurteilen standen im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung
DialogEntwicklung der Austrian Development Agency.
Rund eine Milliarde Menschen lebt mit einer Form von Behinderung,
rund 80 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. "Meist gehören sie
zu den Ärmsten der Armen, weil Behinderung und Armut in einem engen
Wirkungszusammenhang stehen", betont Martin Ledolter, Geschäftsführer
der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, beim DialogEntwicklung
am Dienstagabend, 18. März 2014, im Albert Schweitzer Haus.
Mit dem Beitritt zur VN-Behindertenrechtskonvention hat sich
Österreich verpflichtet, die Rechte aller Menschen mit Behinderungen
zu verwirklichen und Diskriminierungen zu beseitigen, auch im Rahmen
der Entwicklungszusammenarbeit. "Im Sinne umfassender Inklusion
müssen Barrieren abgebaut werden, in den Köpfen der Menschen und
mithilfe von Gesetzen und Strategien", sagt Sonja Grabner,
Menschenrechtsexpertin und Behindertenbeauftragte der ADA: "Inklusive
Entwicklungszusammenarbeit trägt dazu bei, dass Menschen mit
Behinderungen von Entwicklungsmaßnahmen gleichermaßen profitieren und
gleichberechtigt und selbstbestimmt an gesellschaftlichen Prozessen
teilnehmen können."
Auf Menschen mit Behinderungen in Bosnien und Herzegowina
aufmerksam machen
In Bosnien und Herzegowina ist die Situation für Menschen mit
Behinderungen besonders herausfordernd, weil es an einer
einheitlichen Sozialpolitik fehlt, betont Hamida Comor,
Vorstandsmitglied des Blindenverbands Sarajewo: "Nicht alle Menschen
mit Behinderungen haben die gleichen Rechte oder Förderungen. Die
beiden Teilstaaten und die zehn Kantone regeln das unterschiedlich.
Problematisch ist außerdem, dass Kriegsveteranen ungleich mehr Rechte
zugestanden werden als zivilen Kriegsopfern und anderen Menschen mit
Behinderungen", so Comor, die an einem Schattenbericht mitgearbeitet
hat, der auf die verzögerte Umsetzung der Behindertenrechtskonvention
der Vereinten Nationen in ihrer Heimat aufmerksam macht.
Nichts über uns ohne uns
Die enge Zusammenarbeit mit Vertretungs- und
Selbstvertretungsorganisationen in Österreich und den Partnerländern
ist der Austrian Development Agency wichtig, betont Grabner. Darin
sieht auch Johanna Mang, Programmleiterin von Licht für die Welt, die
einzige Chance: "Die Teilnahme von Menschen mit Behinderungen in
Planung, Umsetzung und Kontrolle aller Maßnahmen ist der Schlüssel zu
einer Entwicklung für alle. Nur so können wir Diskriminierung
vermeiden und Barrieren überwinden."
Schließlich gehe es um das Voneinander-Lernen, so Sonja Grabner.
Das bestätigt auch Gottfried Biewer, Professor für Sonder- und
Heilpädagogik an der Uni Wien: "Die Beschäftigung mit
Bildungsproblemen von Menschen mit Behinderungen in
Entwicklungsländern hat mich zu neuen Sichtweisen und
Problemlösungsstrategien geführt. Entwicklungszusammenarbeit ist kein
bloßes Geben von reichen an arme Länder, sondern ein gemeinsamer
Lernprozess, von dem beide Seiten gleichermaßen profitieren." Im
Rahmen des Hochschulkooperationsprogrammes der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit APPEAR arbeiten die Uni Wien und die
Universität Addis Abeba gemeinsam daran, Studierenden mit
Behinderungen Zugang zur Universität und AbsolventInnen mit
Behinderungen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
"Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt seit
vielen Jahren Programme und Projekte, die speziell auf die Förderung
von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten sind. Ferner sind auf
Basis des Menschenrechtsansatzes die Rechte und Bedürfnisse von
Menschen mit Behinderungen grundsätzlich in allen österreichischen
Programmen und Projekten zu berücksichtigen", so
Menschenrechtsexpertin Sonja Grabner im Rahmen von DialogEntwicklung,
einer Veranstaltungsreihe der Austrian Development Agency. Zur
praktischen Umsetzung von inklusivem Projektdesign wurde vom Ludwig
Boltzmann Institut für Menschenrechte und der Austrian Development
Agency ein Handbuch erstellt, das auf dem Webportal der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zur finden ist:
http://www.entwicklung.at/uploads/media/Handbuch_MmB_FINAL_Web_01.pdf
Österreichische Entwicklungszusammenarbeit
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Länder
in Afrika, Asien, Südost- und Osteuropa sowie die Karibik bei ihrer
nachhaltigen Entwicklung. Das Außenministerium plant die Strategien
und Programme, die Austrian Development Agency setzt diese gemeinsam
mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und
Unternehmen um.
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