Kritik am Entwurf des BMLFWU für das Umweltprogramm 2015 - 2020

Aus der Perspektive der angestrebten und versprochenen weiteren Ökologisierung der österreichischen Landwirtschaft.

Wien (OTS) - Die Unterzeichner sind der Meinung, dass der vorliegende Entwurf dem Ziel der weiteren Ökologisierung vor allem im Sinne von Humusaufbau und Humusstabilisierung als eine der zentralen Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Starkregen bzw. Trockenperioden (Klimawandel) nicht gerecht wird. Es besteht der Eindruck, dass Vorschläge in Bezug auf eine Verbesserung des Humushaushalts nur unzureichend berücksichtigt werden.

Die Unterzeichner befürchten daher, dass mit diesem Entwurf das berechtigte Image Österreichs als Ökomusterland Europas eher geschwächt denn gestärkt wird.

Besteht das Ziel klima- und boden- / humusrelevante Effekte über das neue Programm zu erzielen, wird folgende Ausrichtung empfohlen:

Die Begrünungsmaßnahme "Immergrün" ist so auszugestalten,

  • dass sie angepasst ist an die Anforderungen einer sinnvollen und machbaren, termingerechten Fruchtfolgegestaltung (z.B. bei zunehmendem Anteil an Sommerungen, die spät räumen und einen nachfolgenden Zwischenfruchtanbau nicht zulassen, ist 90% Bodenbedeckung nicht einhaltbar und führt zu wenig sinnvollen Fruchtfolgemustern)(siehe dazu in der CH Bodenbedeckungsindex).
  • dass die Einstiegsbedingungen sich nach den acker- und pflanzenbaulichen Bedingungen richten.
  • dass die Dotierung einen tatsächlichen Anreiz zur bietet Teilnahme bietet.

Die Zwischenbegrünungsvarianten sind so auszugestalten,
- dass tatsächlich ein ökologischer Effekt erzielt wird. Insofern sind Totalherbizide vollständig auszuschliessen, da diese ein Programm "Umwelt" konterkarieren und vor den Steuerzahlern nicht zu rechtfertigen sind und gesellschaftlich eher kontraproduktiv wirken.

Die obligatorische 15%ige "Bodengesundungsmaßnahme" als neue Voraussetzung für den Biolandbau ist so auszugestalten,

  • dass finanzielle Anreize* bei Erfüllung der Auflage für den Anbau von mehrjährigen Futterleguminosen bzw. Kombinationen von legumen bzw. wiesenartigen Artengemengen im Vordergrund stehen, da nur diese eine deutliche Verbesserung von Humusmenge und -qualität erwarten lassen.
  • dass die 15% Auflage über mehrere Jahre (3 Jahre) zu ermitteln ist, da aus fruchtfolgetechnischen Gründen jährliche Schwankungen unausweichlich sind und Werte unter 15% vorkommen können, wobei das langjährige Mittel deutlich darüber liegen kann.
  • Mit dieser Maßnahme soll nicht die Wahlfreiheit der Teilnahme an den oben genannten Programmen eingeschränkt werden.

Der nicht-biologische Landbau ist aus unerfindlichen Gründen von diesen Bodengesundungsflächen ausgenommen, obwohl gerade hier eine solche eine besondere ökologische Zusatzleistung verspricht. Es wird empfohlen, dass auch im nicht-biologischen Landbau Schritte in diese Richtung unternommen werden, um Schritte in Richtung Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft Österreichs einzuleiten.

* Da diese obligatorische Maßnahme nur für den österreichischen Biolandbau gilt (als Einzige in der EU), analoge Auflagen für den nicht-biologischen Landbau jedoch bislang nicht vorgesehen sind.

Der Entwurf nimmt für sich in Anspruch, die Ökologisierung der österreichischen Landwirtschaft weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Bezogen auf den Humusaufbau und die Humusstabilisierung und der damit erzielbaren positiven Klimawirkung als Herzstück der Ökologisierung ist dies nicht der Fall.

Selbst ohne Einsatz von zusätzlichen Geldmitteln ist der vorliegende (zugängliche) Entwurf im Sinne der Ökologisierung verbesserungsfähig in Richtung einer deutlichen Unterstützung humusmehrender Massnahmen mit klimarelevanter Bedeutung und sollte daher nochmals überarbeitet werden, bevor er der EU Kommission vorgelegt wird.

Unterzeichnet:
Mag. Alfons Piatti (BAF)
Andreas Hörizauer (Demeter)
Univ. Prof. Dr. Bernhard Freyer

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Alfons Piatti (BAF), M: 0664/4326152, alfons@piatti.at

Medienbetreuung:
Wilfried Oschischnig, pr-manufaktur,
M: 0676/521 82 16, oschischnig@pr-manufaktur.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0008