Nominierungen und Preisträger der "Senioren-Rose" und "Senioren-Nessel" 2013

Medienpreise im Parlament durch Prominentenjury überreicht Medienpreise im Parlament durch Prominentenjury überreicht

Wien (OTS) - Am 11. März 2014 wurden auf Einladung von Nationalratspräsidentin Mag. Barbara Prammer seitens des Österreichischen Seniorenrates und des Österreichischen Journalisten Club die Preisträger der Senioren-Medienpreise "Senioren-Rose" und "Senioren-Nessel" für das Jahr 2013 bekannt gegeben.

In Vertretung der Nationalratspräsidentin Prammer begrüßte Parlamentsdirektor Dr. Harald Dossi die über 150 Gäste im Abgeordnetensprechzimmer des Parlaments. Parlamentsdirektor Dossi betonte dabei die teils berechtigte Kritik an einseitiger medialer Darstellung aber auch die wichtige Rolle der Medien als Akteur von Veränderungen. Da älterere Menschen in den Medien unterrepräsentiert sind, wird der Eindruck vermittelt, dass ihnen auch weniger gesellschaftliche Relevanz zu kommt. Eine Änderung der Sichtweise in den Medien ist daher notwendig.

Der heuer vorsitzführende Seniorenrats-Präsident Dr. Andreas Khol hob hervor: "Bereits zum fünften Mal haben zahlreiche Seniorinnen und Senioren aus ganz Österreich Zeitungsartikel, Werbebeiträge und Bildmaterial eingereicht, wenn sie sich über die Darstellung der älteren Generationen ärgern mussten oder im Gegenteil einen Beitrag besonders positiv bewerteten. Auch diesmal zeigt sich, dass Dinge, die von Journalisten, Werbeagenturen oder Bildredaktionen ursprünglich gut gemeint waren, von den Senioren selbst ganz anders bewertet und empfunden werden. Die Medienpreise Senioren-Rose und Senioren-Nessel erfüllen daher eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen Medienmachern und Medienkonsumenten im fortgeschrittenen Lebensalter. Die Senioren selbst zeigen auf, welches Bild der älteren Generationen sie sich wünschen - oder eben nicht haben wollen. Für die kommenden Jahre wünsche ich diesem Preis, dass der negative Preis, die 'Senioren-Nessel' gar nicht mehr vergeben werden muss, weil Österreichs Medien und Werbewirtschaft bis dahin gelernt haben, die Lebensrealität der Älteren entsprechend abzubilden."

Seniorenrats-Präsident Karl Blecha betonte in seinem Statement:
"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien!" Dieses bekannte Zitat des Medienwissenschaftlers Niklas Luhmann mag eventuell etwas überzeichnen, trifft aber in seiner Grundaussage die Wahrheit auf den Punkt. Die ursprüngliche Funktion der Massenmedien ist die Information. Sie besteht aus der Übermittlung von Berichten und Ereignissen, Kommentaren und wertende Äußerungen. Diese unterliegen der Kritik, aber auch der Verantwortung, denn sie bilden Realität nicht nur ab, sondern konstruieren und gestalten sie mit, vermitteln der Gesellschaft ein gewisses "Bild". Geht es um die mediale Darstellung von älteren Menschen so ist dieses Bild leider nach wie vor häufig zutiefst diskriminierend! Wenn ältere Menschen teilweise immer noch als "taubenfütternder Kostenfaktor" verunglimpft werden und das Älterwerden als etwas Dunkles, Negatives dargestellt wird, ist das herabwürdigend und beleidigend. Die Rose blüht für jene, die das Altern in all seinen Facetten darstellen und die als Vorbild dienen sollen. Die Nessel hingegen soll jenen unter den Nägeln brennen, die mit ihrer Hand immer noch in die "Klischee-Kiste" greifen. Und - Rose und Nessel - beide verbindet ein gemeinsames Ziel: Sie sollen aufzeigen, aufrütteln, sensibilisieren und damit verändern!" Die Medien tragen aber - gerade in einer Zeit des Informationsüberflusses - auch eine besondere Verantwortung was die Wahrheit und Wahrhaftigkeit der von ihnen verbreiteten Nachrichten betrifft. Wenn Medien für eine reißerische Schlagzeile mit falschen Behauptungen Rufmord begehen, so sind diese Entgleisungen aufs Schärfste zu verurteilen.

Der Präsident des Österreichischen Journalisten Club Fred Turnheim zum Hintergrund der Preisverleihung: "Wir wollen mit der Senioren-Rose und der Nessel Bewusstsein schaffen. Bewusstsein gegen Ausgrenzung. Gegen jede Form der Ausgrenzung. Es geht uns um die Solidarität in der Gesellschaft. Daher lehnen wir jede Form des Auseinander-Differenzierens ab. Das hier der Journalismus eine wichtige Aufgabe hat, ist uns vom Österreichischen Journalisten Club klar. Und wir stellen uns seit Jahren dieser wichtigen demokratiepolitischen Aufgabe. Auch im Verhältnis zwischen jung und alt." Präsident Turnheim kritisierte weiters die Tatsache, dass auch in öffentlich-rechtlichen Medien Journalisten über Jahre vorzeitig in die Pension gedrängt wurden: "Das schadet unserem Pensionssystem, ist unstatthaft und unmenschlich. Wir benötigen Strafbestimmungen für Manager, die ihre Mitarbeiter in die Zwangspension schicken, denn so kann und darf es nicht weiter gehen."

Moderatorin Mag. Gertrude Aubauer führte durch den Abend und stellte die prominent besetzte Jury vor, der heuer Dr. Harald Glatz, BR-Präs. a.D. Prof. Herwig Hösele, Prof. Oswald Klotz, Mag.a Christiane Laszlo, Prim. STR Abg.z.NR a.D. Dr.in Elisabeth Pittermann, Abg.z.NR a.D. Ingrid Turkovic-Wendl, Harald Vaca, Seniorenbund- Generalsekretär -Stv.in Susanne Walpitscheker und Pensionistenverbands-Generalsekretär Andreas Wohlmuth angehörten.

Die Entscheidungen der Jury:

Auf einstimmigen Beschluss wurde für 2013 ein Sonderpreis der Jury an ORF3 vergeben. Der Preis wurde im Rahmen der Verleihung von GS Andreas Wohlmuth an Generaldirektor Alexander Wrabetz, Geschäftsführer Peter Schöber und den Chefredakteur von ORF3 Christoph Takacs übergeben.

Andreas Wohlmuth zur Entscheidung der Jury: "Der Österreichische Seniorenrat hat immer und immer wieder mehr Information, mehr Dokumentationen, mehr Kultur, mehr österreichische Qualitätsfilme gefordert. Denn die Generation 50 plus ist die größte Gruppe unter den TV-Konsumenten mit berechtigten Ansprüchen, Bedürfnissen und Wünschen. Seit dem 26. Oktober 2011 gibt es einen neuen Sender in Österreich, einen Sender, der gefällt, der unterhält, der informiert und bildet. ORF III ist ein gelungener Mix aus niveauvoller Kunst und Kultur, österreichischer Zeitgeschichte und Zeitgeschehen, Information und europäischer Integration sowie unterhaltsamen, österreichischen Filmen. Ein erster Schritt, denn wir haben als große Zielgruppe noch viele Anregungen und Wünsche!"

Generaldirektor Wrabetz dankte im Namen von ORF 3 für den Preis und hob hervor, dass die Seniorinnen und Senioren nicht nur die größte und treueste, sondern auch die fordernste Gruppe der Zuseher bilden und betonte, dass die beiden Präsidenten des Seniorenrates bei der Umsetzung und zum Erfolg dieses Senders wesentlich beigetragen haben.

Nachträglich übergeben wurde bei der Gelegenheit vom Juryvorsitzenden Turnheim die Nessel des Jahres 2012 für klischeehafte Hintergrundbilder bei einigen Nachrichtensendungen. Betont wurde aber auch, dass sich der ORF in diesem Bereich wesentlich gebessert hat.

Kategorie Werbung

Nach zwei erfreulichen Jahren ohne Senioren-Nessel in der Kategorie Werbung, musste diese 2013 an den Verbund und die Werbeagentur TBWA Wien für die Werbeaussage "Die Energiewende ist oma-leicht" vergeben werden.

Überreicht wurde die Nessel in Form eines Kristallpokals und einer Urkunde durch Pensionistenverbands-Konsumentenschutzsprecher Dr. Harald Glatz, der in seiner Laudatio betonte, dass man heutzutage Frauen, die Jahrzehnte im Berufsleben standen und noch immer täglichen Umgang mit dem Computer haben, nicht mehr so abstempeln kann.

Für den Verbund nahmen Heinrich Schmied in Begleitung von Iliana Gehart von TBWA den Preis entgegen. Dargelegt wurde, dass es Ziel der Kampagne war, Mut für Neuheiten zu machen. Der Preis wird aber auch als Ansporn gesehen, künftig sensibler vorzugehen.

Die Senioren-Rose in der Kategorie Werbung wurde für die Kampagne des Kaufhauses TLAPA "Mode ist keine Frage der Generation!" vergeben. Übergeben wurde der Preis durch Prof. Herwig Hösele, der zur Begründung der Jury ausführte, dass dabei erfreulicherweise die bisher übliche Einschränkung der Werbung für die jüngere Altersgruppe der 14- bis 49-jährigen durchbrochen wurde. "Es handelt sich um adäquate Werbung für ein gutes Produkt, die niemanden aus grenzt."

Mit großer Freude entgegengenommen wurde der Medienpreis vom TLAPA- Marketingleiterin Anja Bögelein, die betonte, dass Mode nicht nur für junge Menschen wichtig ist und vielseitig sein kann. Nominiert war weiters die Stadt Wien für die umfangreiche und lange laufende Werbeserie "Wien. Die Stadt fürs Leben".

Kategorie Bild

Nominiert für die Nessel in der Kategorie Bild waren zwei Bilder des Kurier sowie das Titelbild vom Weekend Magazin "40 Plus na und?" vom 12.04.2013.

Die Nessel verliehen wurde letztlich an den Kurier für das Bild in der Ausgabe vom 25.10.2013, das ein älteres Paar am Weg zum Friedhof zeigt und vom Text "Österreicher immer länger in Pension" übertitelt ist.

Die Begründung für die Vergabe des Preises dafür wurde von GS-Stv.in Susanne Walpitscheker erläutert: "Bei keiner Einreichung war die Text-Bild-Schere so dermaßen groß wie in diesem Fall. Während der Text vom errechneten Pensionsantrittsalter anno 2060 (!) berichtete und somit von der Zukunft heute 14-jähriger handelte, zeigte das Bild ein älteres Ehepaar - noch dazu beim Betreten eines Friedhofes. Das Bild selbst ist sehr schön, sicher gut geeignet um Artikel rund um Allerheiligen und Allerseelen zu begleiten. Doch zur Illustration des künftigen Pensionsantrittsalters heute Jugendlicher ist es definitiv nicht geeignet.

Bedauerlicherweise nutzte - trotz mehrmaliger Einladung - kein Vertreter des Kuriers die Gelegenheit eines Statements im Rahmen der Preisvergabe. Der Preis wird daher übermittelt.

Umso größer war aber die Freude bei der Vergabe der Senioren-Rose für das Bild. Dem Vorsitzenden der Jury Präsident Fred Turnheim oblag es diesen Preis zu übergeben. Für das Team von "Leben&Freude" wurde der Preis vom damals für die Ausgabe verantwortlichen Johann Baumgartner und der Bildchefredakteurin Kathrin Ludwig entgegen genommen.Ausgezeichnet wurde die Fotoserie mit zahlreichen Portraits freudenstrahlender älterer Menschen der Ausgabe 02/2013 zum Artikel "Ich liebe meine Falten".

Unter den Nominierten zur Rose fanden sich weiters das Bild des Kurier vom 03.11.2013 zu "Ruhestand - bitte warten" sowie in den Salzburger Nachrichten vom 29.10.2013 zu "Wir brauchen helle Bilder vom Altwerden".

Kategorie Journalismus

Die Senioren-Rose für Journalismus ging an Josef Bruckmoser für seinen Artikel "Wir brauchen helle Bilder vom Altwerden" in den Salzburger Nachrichten.

Übergeben wurde der Preis von Pensionistenverbands-Gesundheitssprecherin Primaria aD Dr. Elisabeth Pittermann, die betonte, dass es wichtig sei, dass Bild der Älteren in den Medien als reine Kostenverursacher zu bekämpfen. Im Zusammenhang mit aktuellen Themen riet Pittermann älteren Menschen vehement zum Verbleib im ELGA. Die Gesundheitssprecherin des PVÖ sprach sich auch vehement gegen Tendenzen in Richtung Sterbehilfe und Tötung auf Verlangen aus, die einen gesellschaftlichen Dammbruch darstellen würden.

In Vertretung von Josef Bruckmoser, der erst kürzlich seien 60. Geburtstag feierte und den Salzburger Nachrichten hoffentlich noch lange als aktiver Journalist zur Verfügung stehen wird, nahm Dr. Andreas Koller, stv. Chefredakteur und Leiter der Wiener Redaktion der Salzburger Nachrichten den Preis entgegen.

Nominiert waren in der Kategorie weiters "Mit über 60 Job zu finden "gleicht einem Lottosechser" von Dr. Anita Staudacher im Kurier vom 03.11.2013 sowie "Aufstand der Alten" von Erich Kocina und Teresa Schaur-Wünsch in der Presse vom 17.11.2013.

Als letzter Preis wurde die Senioren-Nessel für Journalismus von Prof. Oswald Klotz vergeben. Normiert war dazu u.a. "Österreicher sind immer länger in Pension" von Paul Trummer im Kurier vom 25.10.2013. Mit voller Zustimmung auch des Publikums ging dieser Preis aber an Hans Szivatz alias "Herr Hermes" für seinen Beitrag "Die unteren 10.000 - Seniorenball, St. Pölten" in Willkommen Österreich vom 05.02.2013.

Prof. Oswald Klotz kritisierte namens der Jury, dass es Journalisten und auch im Bereich der Comedy niemanden zustehe sich über die vermeintlich Hässlichen in unserer Gesellschaft oder über Menschen lustig zu machen, deren einziger Fehler es ist, dass sie alt geworden sind. Anderenfalls müssen wir damit befürchten, dass demnächst auch Rollstuhlfahrer, Gehörlose oder Blinde zum Ziel primitiven Spotts werden.

Hans Szivatz nahm den Preis höchstpersönlich und sichtlich freudig entgegen. In seinen Dankesworten bezeichnete er den ORF als großen Abräumer des Abends. Als nicht ganz gerechtfertigt empfand er den Preis für die Kategorie Journalismus. Zum Abschluss sprach er aber seine Liebe zur älteren Generation aus.

Fotos der Veranstaltung stehen auf der Homepage des Parlaments zur Verfügung unter:
http://www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/VER/608860/index.shtml

Im Anhang finden Sie ergänzend die Präsentation der einzelnen Sujets.

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Österreichischer Seniorenrat
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Tel.: 01/8923465
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