- 10.03.2014, 11:56:47
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"kreuz und quer" am 11. März: "Die Freunde des Papstes" und "Der Kardinal"
Anlässlich ein Jahr Papst Franziskus und zehnter Todestag von Kardinal König
Utl.: Anlässlich ein Jahr Papst Franziskus und zehnter Todestag von
Kardinal König =
Wien (OTS) - Am 13. März 2014 jährt sich die Wahl von Jorge Mario
Bergoglio zu Papst Franziskus zum ersten Mal. Zugleich ist dieser Tag
der zehnte Todestag von Kardinal Franz König. "kreuz und quer" -
präsentiert von Doris Appel - zeigt dazu am Dienstag, dem 11. März
2014, um 22.35 Uhr in ORF 2 "Die Freunde des Papstes", ein von Peter
Beringer gestaltetes Papstporträt mit sehr persönlichen und
überraschenden Facetten. Um 23.20 Uhr dokumentiert Andreas Gruber in
"Der Kardinal" das bewegte Leben des als Bauernsohn geborenen,
weltoffenen und redegewandten "Jahrhundertkardinals" Franz König.
"Die Freunde des Papstes" - Ein Film von Peter Beringer
Ein Jahr nach der Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum
Papst steht fest: Franziskus prägt das Papstamt mit einem neuen Stil
der Einfachheit - und er ist offenbar auch fest gewillt, Kurie und
Kirche insgesamt einer Reform zu unterziehen. Konsequent lebt Papst
Franziskus das, was ihm schon als Erzbischof von Buenos Aires wichtig
war: Einfachheit, klare Worte und Engagement für die Armen und
Verfolgten. "kreuz und quer" geht seinen biografischen Wurzeln nach
und lässt Freunde des Papstes aus seiner südamerikanischen Heimat zu
Wort kommen, die ihre Begegnungen mit Bergoglio schildern.
In einem Elendsviertel der Stadt trifft Peter Beringer den Priester
José di Paola. Bergoglio hat ihn vor 20 Jahren im Slum "Villa 21" als
Pfarrer eingesetzt. "Padre Pepe" hat gemeinsam mit dem damaligen
Erzbischof eine Armenmission ins Werk gesetzt, die inzwischen im
ganzen Land Schule macht. Die Priester leben in größter Einfachheit
mit und unter den Leuten. Sie helfen Alten wie Jungen, sich gegen
Elend und Bandenkriminalität zu wehren und positive
Lebensperspektiven zu entwickeln.
Am Jesuitenkolleg von San Miguel, einem Vorort von Buenos Aires,
spricht das "kreuz und quer"-Team mit Juan Carlos Scannone. Er war
einst Lehrer Bergoglios und hat die in Südamerika sehr einflussreiche
"Theologie der Armut" mitentwickelt, die auch das Denken Franziskus'
prägt. Sie fordert eine politische Befreiung der Armen und
Benachteiligten. Sie wertet die religiösen Ausdrucksformen der armen
und indigenen Bevölkerung auf, auch die hier üblichen ekstatischen
Formen der Heiligen- und Marienverehrung. Scannone führt durch die
Hochschule, die erste Wirkungsstätte Bergoglios, der hier als
Jesuitenprovinzial und Rektor des Kollegs erstmals als Leiter einer
geistlichen Gemeinschaft in Erscheinung getreten ist. Auch als Rektor
hat er es nicht gescheut, bisweilen am Herd zu stehen und selbst für
die Kommunität zu kochen.
Eine weitere Freundin Bergoglios ist die junge Aktivistin Camila
Montero. Sie arbeitet für La Alameda, eine Organisation, die sich um
ehemalige Sklavenarbeiter und Prostituierte kümmert und Täter aus der
organisierten Kriminalität zur Anzeige bringt. Bergoglio hatte als
Erzbischof die Stiftung unter seinen Schutz gestellt und damit wohl
vielen Aktivisten wie Camila, die mit dem Schlimmsten rechnen
mussten, das Leben gerettet. Camila ist militant antikapitalistisch,
sie ist Atheistin, strikt für Abtreibung, für Geburtenkontrolle und
tritt für die Homo-Ehe ein. Bergoglio nennt sie freundschaftlich die
"Trotzkistin Gottes". Sie selbst sagt, sie habe durch Bergoglio eine
Kirche kennengelernt, an die sie glauben könne, obwohl sie an Gott
nicht glauben kann.
Abraham Skorka ist Rabbi einer eher liberalen jüdischen Gemeinde von
Buenos Aires und einer der engen Freunde Bergoglios. Er hat gemeinsam
mit dem damaligen Erzbischof ein Buch über religiöse Fragen
veröffentlicht und ist viele Jahre allmonatlich mit Bergoglio
gemeinsam im Fernsehen der Erzdiözese aufgetreten. Für ihn ist der
Papst keiner, "der für feinsinnige Erörterungen" zu haben ist.
Bergoglio "denkt nach, dann handelt er, ohne zu zögern", so die
Einschätzung des Rabbi.
Die Handlungsfreude dieses Papstes bekommt die Zentrale in Rom zu
spüren. Was dieses Pontifikat für Rom und die Kirche bedeuten
könnten, analysieren die italienischen "Vaticanisti" Lucio Brunelli
von der RAI und Gaetano Galeazzi von "La Stampa" sowie der Rektor der
"Anima", Franz Xaver Brandmayr, und Theologe Paul Zulehner.
"Der Kardinal" - Ein Film von Andreas Gruber
Brückenbauer, moralisches Gewissen des Landes, Wegbereiter der
Ökumene und des interreligiösen Dialogs - das sind nur einige der
Attribute, die Kardinal Franz König (1905-2004) zugeschrieben werden.
Der langjährige Erzbischof von Wien war eine der prägendsten
Persönlichkeiten Österreichs im 20. Jahrhundert - einerseits von
vielen geschätzt und respektiert, andererseits wegen seiner Haltung
von konservativen Kreisen angefeindet.
Der Film - eine Koproduktion von Tellux Film, ORF, 3sat, Autentic und
BMUKK, gefördert von Fernsehfonds Austria, Kultur Niederösterreich,
Filmförderungsfonds Wien, Kulturland Oberösterreich und dem
Katholischen Filmwerk - zeigt das bewegte Leben des
"Jahrhundertkardinals", thematisiert aber auch die Konflikte in
Königs Wirken und stellt seine Gegner dar, die mehr als einmal Königs
Zurückhaltung und Toleranz auszunutzen wussten. Gedreht wurde im
September 2010 u. a. im Erzbischöflichen Palais und im Wiener
Stephansdom sowie in der Benediktinerabtei Stift Altenburg,
dargestellt wird der Kardinal von August Zirner, der u. a. in Stefan
Ruzowitzkys Oscar-gekröntem Film "Die Fälscher" zu sehen war. In
weiteren Rollen spielen Peter Lerchbaumer (Bruno Kreisky), Edmund
Jäger (Weihbischof Helmut Krätzl), Peter Fitz (Kardinal József
Mindszenty), Martin Maria Abram (Papst Johannes XXIII.), Katharina
Lorenz (Annemarie Fenzl), Volkmar Kleinert (Papst Johannes Paul II.),
Rainer Egger (Pfarrer Karl), Wolfgang Hübsch (Kardinal Stefan
Wyszinski) u. v. m.
Das Wirken des "roten Kardinals", wie er von manchen abschätzig, von
anderen wieder respektvoll genannt wurde, steht für die Annäherung
der römisch-katholischen Kirche an die österreichische
Sozialdemokratie genauso wie für den Dialog mit den kommunistischen
Staaten in Osteuropa. Kardinal König hat mehr als einmal Geschichte
geschrieben - und war ebenso oft harter Kritik ausgesetzt. Die
filmische Erzählung beginnt mit Königs schwerem Autounfall in
Kroatien 1960, der ihm seine Aufgabe vor Augen führt, in Osteuropa
aktiv zu werden.
Als Vermittler während des Kalten Krieges kommt der Wiener Kardinal
in den folgenden Jahren immer öfter ins Rampenlicht der
Weltöffentlichkeit. So versucht er, in einer mühevollen Mission den
ungarischen Primas József Mindszenty, der seit 15 Jahren im selbst
gewählten Asyl in der amerikanischen Botschaft in Budapest lebt, aus
Ungarn herauszuholen. Dabei gerät König in den Konflikt zwischen die
realpolitischen Interessen des Vatikans und den Erhalt der
Menschenwürde des verbitterten Primas von Ungarn, der sein Land unter
keinen Umständen verlassen will. Zur selben Zeit findet Franz König
in dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky einen kongenialen
Gesprächspartner. Die beiden leiten eine beispiellose Annäherung
zwischen der römisch-katholischen Kirche und der SPÖ ein, ein
Verhältnis, das seit dem Bürgerkrieg 1934 in Österreich schwer
belastet war. Kardinal König und Kreisky beginnen den Dialog - und
zerstreiten sich heillos in der Frage der Fristenlösung. Dennoch
bleibt die Versöhnung mit der Sozialdemokratie eine bleibende
Errungenschaft, die auf Königs Wirken zurückgeht.
Gleichzeitig steigt Königs Bedeutung in der Weltkirche. Als eine der
Galionsfiguren des Zweiten Vatikanischen Konzils gilt er schon bald
als "papabile", als Papstkandidat. Dabei ist König eher ein
"Papstmacher". Erst durch seinen Vorschlag wird Karol Wojtyla 1978
zum Papst gewählt. Franz König hat davon buchstäblich - nichts. Gute
und falsche Freunde des Papstes denunzieren König, kratzen an seinem
Lebenswerk. Umstrittene Bischofsbestellungen stürzen die katholische
Kirche Österreichs in eine Krise. Königs Bemühen um eine Stärkung der
Ökumene und eine lebendige Kirche unter Einbeziehung der Laien wird
u. a. durch seinen Nachfolger, Kardinal Groer, beschädigt bzw.
infrage gestellt. Als dieser anhaltenden Vorwürfen wegen sexuellen
Missbrauchs Minderjähriger ausgesetzt ist, kommt es in Österreich zu
einer beispiellosen Kirchenaustrittswelle. Die Frage nach Vertrauen
und Misstrauen, wie weit Toleranz gehen kann, ohne dass sie
ausgenutzt wird, ist ein Lebensthema Kardinal Königs und damit ein
zentrales Motiv dieses Films, der auch den Brüchen in Königs
Lebenslinien folgen will. König war kein Mann der dramatischen Geste,
er zog sich stets zurück, bevor er sich wichtigen Fragen stellte, und
er kehrte gestärkt zurück, als einer, der mutig genug war, ohne
Vorbehalte und politisches Lagerdenken auf alle zuzugehen.
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.
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