WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kroatien, mutloser Nettozahler - von Marijana Miljkovic

Der Beitritt Kroatiens wird dem Land und der EU teuer zu stehen kommen

Wien (OTS) - Die Kroaten hatten schon vor dem 1. Juli geahnt, dass nach dem EU-Beitritt nicht Milch und Honig fließen würden. Dass die Realität noch weit schlimmer werden würde, ist für viele dennoch ein Schock.

Kroatien ist bei den wirtschaftlichen Kennzahlen der EU zu Jugendarbeitslosigkeit, Wettbewerbsfähigkeit oder Defizit Schlusslicht und die Lage wird nicht besser.

Kroatien als neues Griechenland? Das will das Land nicht gelten lassen. Doch die Probleme anzupacken, die jenen Griechenlands gefährlich ähnlich sind, ist den Regierenden offenbar trotzdem zu heiß.

Bei der bereits zweiten Budgetrevision innerhalb von drei Monaten nehmen sie ausgabenseitig nur kosmetische Maßnahmen vor - anstatt die Problembereiche anzupacken und etwa den aufgeblähten öffentlichen Apparat effizienter zu machen.

Stattdessen setzten sie auf die Einnahmenseite, indem sie wieder diejenigen fordern, die immer schwerer durch die Krise gehen. Das sind die Unternehmen und die (noch) arbeitende Bevölkerung.

Die Ironie dabei ist, dass beide bereit wären, ihren Beitrag zum Überstehen der Krise zu leisten, allerdings haben sie bisher vergeblich darauf gewartet, dass die richtigen Schritte gesetzt werden.

Obwohl die Rezession in Kroatien bereits das sechste Jahr andauert, hat das Land noch immer keine Wirtschaftsstrategie. Es erstaunt, dass auch die EU während der acht Jahre dauernden Verhandlungen keinen Wert darauf gelegt haben dürfte.

Im Nachhinein betrachtet wird immer offensichtlicher, dass der Beitritt Kroatiens eine politische Entscheidung war, die beide Seiten teuer zu stehen kommen wird. Wenn Kroatien Nettozahler der EU wird, wird das kein Grund zu feiern sein.

Es wird vielmehr bedeuten, dass Kroatien die EU-Fördertöpfe nicht voll ausschöpfen konnte. Und das heißt: auf Wiedersehen, Produktion und Exporte.

Lösungen für die Misere sind seit geraumer Zeit bekannt: Ein investitionsfreundliches Klima schaffen und für Rechtssicherheit sorgen. Damit wird es jedoch nichts, wenn die Reformer auf halber Strecke der Mut verlässt.

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