• 06.03.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kroatien, mutloser Nettozahler - von Marijana Miljkovic

Der Beitritt Kroatiens wird dem Land und der EU teuer zu stehen kommen

Utl.: Der Beitritt Kroatiens wird dem Land und der EU teuer zu
stehen kommen =

Wien (OTS) -

Die Kroaten hatten schon vor dem 1. Juli geahnt, dass nach dem
EU-Beitritt nicht Milch und Honig fließen würden. Dass die Realität
noch weit schlimmer werden würde, ist für viele dennoch ein Schock.

Kroatien ist bei den wirtschaftlichen Kennzahlen der EU zu
Jugendarbeitslosigkeit, Wettbewerbsfähigkeit oder Defizit
Schlusslicht und die Lage wird nicht besser.

Kroatien als neues Griechenland? Das will das Land nicht gelten
lassen. Doch die Probleme anzupacken, die jenen Griechenlands
gefährlich ähnlich sind, ist den Regierenden offenbar trotzdem zu
heiß.

Bei der bereits zweiten Budgetrevision innerhalb von drei Monaten
nehmen sie ausgabenseitig nur kosmetische Maßnahmen vor - anstatt die
Problembereiche anzupacken und etwa den aufgeblähten öffentlichen
Apparat effizienter zu machen.

Stattdessen setzten sie auf die Einnahmenseite, indem sie wieder
diejenigen fordern, die immer schwerer durch die Krise gehen. Das
sind die Unternehmen und die (noch) arbeitende Bevölkerung.

Die Ironie dabei ist, dass beide bereit wären, ihren Beitrag zum
Überstehen der Krise zu leisten, allerdings haben sie bisher
vergeblich darauf gewartet, dass die richtigen Schritte gesetzt
werden.

Obwohl die Rezession in Kroatien bereits das sechste Jahr andauert,
hat das Land noch immer keine Wirtschaftsstrategie. Es erstaunt, dass
auch die EU während der acht Jahre dauernden Verhandlungen keinen
Wert darauf gelegt haben dürfte.

Im Nachhinein betrachtet wird immer offensichtlicher, dass der
Beitritt Kroatiens eine politische Entscheidung war, die beide Seiten
teuer zu stehen kommen wird. Wenn Kroatien Nettozahler der EU wird,
wird das kein Grund zu feiern sein.

Es wird vielmehr bedeuten, dass Kroatien die EU-Fördertöpfe nicht
voll ausschöpfen konnte. Und das heißt: auf Wiedersehen, Produktion
und Exporte.

Lösungen für die Misere sind seit geraumer Zeit bekannt: Ein
investitionsfreundliches Klima schaffen und für Rechtssicherheit
sorgen. Damit wird es jedoch nichts, wenn die Reformer auf halber
Strecke der Mut verlässt.

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