WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Erfindergeist bringt Wohlstand - von Eva Konzett

Den Produktionsstätten im Osten sind wenige Forschungszentren gefolgt

Wien (OTS) - Ein gutes Beispiel für den schlechten Ruf osteuropäischen Handwerks ist der große deutsche Autobauer: Er lässt seine Fahrzeuge zwar in der Slowakei fertigen. Um das "Made in Germany" aber nicht zu verlieren, wird den Wagen im deutschen Heimatwerk der letzte Schliff verpasst.

Attribute wie qualitativ hochwertig und innovativ werden generell eher westeuropäischen Produkten zugesprochen. Mittel- und osteuropäische Spitzenmarken kommen einem wenn, dann nur in westeuropäischer Ummantelung in den Sinn. Denken wir nur an Volkswagen Skoda.

Auf der Suche nach billiger Arbeitskraft sind westeuropäische Konzerne aller Sektoren nach der Wende immer weiter gen Osten zogen. Die Automobilregion Mitteleuropa mit Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei ist so zu einem Herz der europäischen Fahrzeugproduktion herangewachsen.

Rumänien trumpft mit der Dacia-Familie auf. In Bulgarien blüht die Textilindustrie. Doch den Produktionsstätten sind bislang wenige Forschungszentren gefolgt.

So mangelt es den Mittel- und Osteuropäern an eigener Innovationskraft, um abheben zu können. Die mageren Investitionen in Forschung und Entwicklung - im regionalen Schnitt liegt dieser Wert bei 0,9 Prozent der Wirtschaftsleistung - fallen als zusätzliche Antriebskraft aus.

Die mittel- und osteuropäischen Länder haben vor der Krise mit hohen Wachstumsraten geglänzt. Diese fußten auf Konsum, von billigen Krediten befeuert, und auf ausländische Direktinvestoren. Letztere haben sich besonders am Ende der Produktionskette indes nicht als Partner auf Lebenszeit erwiesen. Man denke nur an den Nokia-Rückzug aus Westrumänien. Auch deshalb muss die Region das eigene Wirtschaftsgefüge auf mehr Wertschöpfung ausrichten.

Innovation entsteht jedoch nicht von selbst. Hochmoderne Cluster allein auf grüner Wiese entfalten wenig nennenswerte Schlagkraft. Flankierende Maßnahmen wie Kreditgarantien, Rahmenbedingungen für Risikokapital, aber auch eine ordentliche Infrastruktur und gut ausgebildete Fachkräfte tragen wesentlich zum Erfolg von Innovationsstrategien bei.

Welch gute Nachricht, dass die EU-Kommission das Thema mittlerweile prioritär behandelt: Im Rahmen des Horizon-2020-Programms stehen 80 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung bereit - vor allem für die Länder Mittel- und Osteuropas.

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