- 24.02.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Warnschuss aus Schottland - von Hans-Jörg Bruckberger
Bashing von Banken und CEE ist Routine, der Finanzplatz das wahre Sorgenkind
Utl.: Bashing von Banken und CEE ist Routine, der Finanzplatz das
wahre Sorgenkind =
Wien (OTS) -
Immer wieder diese Banken. Egal, ob in der Opfer- oder Täterrolle -
Geldinstitute sind stets für Schlagzeilen gut. Und selten sind es
seit einigen Jahren positive Nachrichten, die Kunden oder Investoren
aus dem Finanzsektor erreichen. Oft hingegen wird Osteuropa kritisch
gesehen und damit in weiterer Folge der Finanzplatz Österreich, der
wie kein anderer mit jenen in den östlichen Nachbarstaaten verbunden
ist.
Aktuell sorgt die Royal Bank of Scotland (RBS) in der Branche für
Aufsehen und teilweise sicher für Kopfschütteln. Deren Analysten
raten Anlegern, Anleihen österreichischer Banken zu meiden und
gegebenenfalls zu verkaufen.
Diese stünden vor weiteren Verlusten bei Krediten und Staatsanleihen
aus Mittel- und Osteuropa, wo faule Kredite neue Höchststände
erreichen werden, so die Argumentation (s. Seite 11). Im schlimmsten
Fall stünden Milliarden auf dem Spiel und seien weitere
Kapitalerhöhungen notwendig. Sogar österreichische Staatsanleihen
könnten unter Druck geraten.
Wieder einmal lässt man also Osteuropa untergehen. Schön langsam wird
das langweilig. Das sehen Anleger offenbar genauso: Weder die Aktien-
noch die Anleihenkurse zeigten gestern eine Reaktion. Und diese sind
stets der beste Indikator für das aktuelle Chancen/Risiko-Profil.
In ihrer Kernaussage kann man die Schotten aber schon verstehen:
Wieso sollte ein (angelsächsischer) Investor überhaupt Papiere
österreichischer Banken kaufen? Deren Ost-Exposure ist (selbst wenn
sich die schlimmsten Befürchtungen als übertrieben erweisen sollten)
jedenfalls kein Kaufanreiz.
Noch weniger ist es aber das, was die Politik gerade veranstaltet.
Mit deren zweifelhaftem Krisenmanagement in Sachen Hypo Alpe Adria
schadet sie einmal mehr dem heimischen Finanzplatz.
Dieser braucht ausländisches Kapital, hat jedoch ohnehin schon
schlechte Karten im internationalen Wettbewerb - allein aufgrund
seiner geringen Größe und Liquidität.
Da schmerzen zusätzliche Belastungsfaktoren (auch steuerlicher Natur)
und Störfeuer umso mehr. Dies, zumal die heimischen Banken im
Branchenvergleich nicht wirklich überzeugen, auf der Aktienseite
andere europäische Institute günstiger bewertet sind und auch deren
Bonds nicht minder attraktiv sind. Die RBS rät, bei Erste und RBI
auszusteigen und stattdessen in BNP oder ING zu investieren. Das kann
man durchaus nachvollziehen.
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