WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Warnschuss aus Schottland - von Hans-Jörg Bruckberger

Bashing von Banken und CEE ist Routine, der Finanzplatz das wahre Sorgenkind

Wien (OTS) - Immer wieder diese Banken. Egal, ob in der Opfer- oder Täterrolle -Geldinstitute sind stets für Schlagzeilen gut. Und selten sind es seit einigen Jahren positive Nachrichten, die Kunden oder Investoren aus dem Finanzsektor erreichen. Oft hingegen wird Osteuropa kritisch gesehen und damit in weiterer Folge der Finanzplatz Österreich, der wie kein anderer mit jenen in den östlichen Nachbarstaaten verbunden ist.

Aktuell sorgt die Royal Bank of Scotland (RBS) in der Branche für Aufsehen und teilweise sicher für Kopfschütteln. Deren Analysten raten Anlegern, Anleihen österreichischer Banken zu meiden und gegebenenfalls zu verkaufen.

Diese stünden vor weiteren Verlusten bei Krediten und Staatsanleihen aus Mittel- und Osteuropa, wo faule Kredite neue Höchststände erreichen werden, so die Argumentation (s. Seite 11). Im schlimmsten Fall stünden Milliarden auf dem Spiel und seien weitere Kapitalerhöhungen notwendig. Sogar österreichische Staatsanleihen könnten unter Druck geraten.

Wieder einmal lässt man also Osteuropa untergehen. Schön langsam wird das langweilig. Das sehen Anleger offenbar genauso: Weder die Aktien-noch die Anleihenkurse zeigten gestern eine Reaktion. Und diese sind stets der beste Indikator für das aktuelle Chancen/Risiko-Profil.

In ihrer Kernaussage kann man die Schotten aber schon verstehen:
Wieso sollte ein (angelsächsischer) Investor überhaupt Papiere österreichischer Banken kaufen? Deren Ost-Exposure ist (selbst wenn sich die schlimmsten Befürchtungen als übertrieben erweisen sollten) jedenfalls kein Kaufanreiz.

Noch weniger ist es aber das, was die Politik gerade veranstaltet. Mit deren zweifelhaftem Krisenmanagement in Sachen Hypo Alpe Adria schadet sie einmal mehr dem heimischen Finanzplatz.

Dieser braucht ausländisches Kapital, hat jedoch ohnehin schon schlechte Karten im internationalen Wettbewerb - allein aufgrund seiner geringen Größe und Liquidität.

Da schmerzen zusätzliche Belastungsfaktoren (auch steuerlicher Natur) und Störfeuer umso mehr. Dies, zumal die heimischen Banken im Branchenvergleich nicht wirklich überzeugen, auf der Aktienseite andere europäische Institute günstiger bewertet sind und auch deren Bonds nicht minder attraktiv sind. Die RBS rät, bei Erste und RBI auszusteigen und stattdessen in BNP oder ING zu investieren. Das kann man durchaus nachvollziehen.

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