- 24.02.2014, 14:02:16
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FCG - Gemeindebedienstete: ORF und Kronen Zeitung polemisieren schon wieder gegen Wiener Gemeindebedienstete
Wien (OTS) - "Wer ein schlechtes Gewissen hat, wenn er zwei, drei
Tage im Krankenstand ist, der wird jetzt Augen machen. Wiener
Gemeindebedienstete sind nämlich - Achtung! - pro Jahr
durchschnittlich 22 Tage krank gemeldet. Mehr als 8% der 65.000
Beamten waren im Jahr 2012 sogar länger als 60 Tage im Stand." So
eröffnete Herr Patrick Budgen, Moderator der ORF-Sendung Wien-Heute,
am 22. Februar 2014 den Beitrag über die Krankenstände der Wiener
Gemeindebediensteten.
Offensichtlich ist der Quotendruck schon derart groß, dass auch
der mit Zwangsabgaben finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk zu
Polemik und Schüren von Feindbildern greifen muss. Es ist äußerst
unseriös, wenn hier das schlechte Gewissen angesprochen wird und dann
aktuelle Krankenstände von zwei, drei Tagen einer Jahresstatistik
gegenüber gestellt werden. Unseriös ist es aber auch, wenn über eine
Beschäftigtengruppe Statistiken veröffentlicht werden, die mit
anderen Statistiken nicht vergleichbar sind.
Erst vor wenigen Tagen wurde der Fehlzeitenreport 2013 von Dr.
Thomas Leoni (WIFO) veröffentlicht. In diesem seriösen und
professionellen Bericht gibt es seit vielen Jahren gut
nachvollziehbare statistische Darstellungen zu den wichtigen
Dimensionen rund um Krankenstände. Dr. Leoni zeigt etwa auf, dass
11,8% der Krankenstandsfälle zwischen 15 und 42 Tage dauern, 2,8%
dauern zwischen 43 und 98 Tagen und 1,3% der Fälle dauern 99 und mehr
Tage.
Es ist also vollkommen klar, dass es auch in der Privatwirtschaft
Langzeitkrankenstände und Mehrfachkrankenstände gibt, die über die 60
Tage gehen. Leider gibt es jedoch keine errechnete Gesamtzahl der
unselbständig Beschäftigten, die im Jahr 2012 insgesamt mehr als 60
Tage im Krankenstand waren - wodurch der Vergleich nicht möglich ist.
Woher dieser Bezugswert von 60 Tagen kommt, wer den eingeführt hat
und wozu der nützlich sein soll, ist mir jedenfalls schleierhaft.
Im Fehlzeitenreport gibt es auch einige erhellende Informationen
über die Unterschiede zwischen der Gesamtgruppe der unselbständig
Erwerbstätigen und den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Da
geht es dann z. B. um das höhere Durchschnittsalter der Beamtinnen
und Beamten, um überdurchschnittlich hohe Berufsbelastungen, einen
höheren Anteil an beschäftigten Menschen mit Behinderungen und einen
anderen Umgang mit Kündigungen älterer und erkrankter
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verzerrend wirkt auch die
unterschiedliche Erfassung von Kurzzeitkrankenständen und der
deutlich höhere Anteil an Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die
keine 5-Tage-Woche haben und bei denen daher Krankenstände auch
seltener am Freitag enden.
Insgesamt zeigt sich also, dass seriöse Vergleiche recht komplex
sind - und Komplexität passt leider kaum in unsere Medienformate. Es
ist aber ein Armutszeugnis wenn dann halt nicht nur vereinfacht wird,
sondern die verschleierte Komplexität sogar noch dazu benutzt wird,
Privilegien und Missbrauch zu unterstellen.
Genau dies haben Richard Schmitt und Isabella Kubicek in der
Kronen Zeitung getan. Auf der Titelseite wird mit der Schlagzeile
"5300 Beamte sind monatelang krank" aufgemacht, im Innenteil kann man
dann die abgewandelte Schlagzeile "5300 Beamte im Dauerkrankenstand"
lesen und im Bildtext unter einem Bild vom Rathaus heißt es dann
sogar noch "Tausende Wiener Rathausbeamte sind im Dauerkrankenstand".
Es werden also wieder einmal Klischees und Vorurteile geschürt und
nur nebenbei ein paar sachliche Inhalte erwähnt, die aber durch die
tendenziellen Schlagzeilen mehr als überstrahlt werden.
Kritik an Stadträtin Frauenberger
Mehr als ärgerlich ist aber auch, dass es die zuständige
SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger noch immer nicht geschafft hat,
jährlich einen Bericht über die Krankenstände der Wiener
Gemeindebediensteten vorzulegen, der sich an den Standards des
Fehlzeitenreports orientiert. Wenngleich auch im Fehlzeitenreport
noch keine ausreichenden Gewichtungen der Unterschiede zwischen den
einzelnen Bereichen der unselbständig Beschäftigten und der
öffentlich Bediensteten gelungen ist, wäre dies aber jedenfalls eine
seriösere Grundlage, als wenn immer wieder durch seltsam
handgestrickte Statistiken völlig verzerrte öffentliche Diskussionen
entstehen.
Diese unseriösen Diskussionen schaden den Gemeindebediensteten und
erzeugen Ärger bei den mangelhaft informierten Bürgerinnen und
Bürgern. Vielleicht ist es aber der Frau Stadträtin auch sehr recht,
wenn solche Diskussionen entstehen. Denn dadurch wird es für
Gemeindebedienstete noch viel schwieriger, auf krankmachende
Arbeitsbedingungen hinzuweisen - wer sollte schon angeblich
privilegierten Beamtinnen und Beamten schlechte Arbeitsbedingungen
glauben.
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