FCG - Gemeindebedienstete: ORF und Kronen Zeitung polemisieren schon wieder gegen Wiener Gemeindebedienstete

Wien (OTS) - "Wer ein schlechtes Gewissen hat, wenn er zwei, drei Tage im Krankenstand ist, der wird jetzt Augen machen. Wiener Gemeindebedienstete sind nämlich - Achtung! - pro Jahr durchschnittlich 22 Tage krank gemeldet. Mehr als 8% der 65.000 Beamten waren im Jahr 2012 sogar länger als 60 Tage im Stand." So eröffnete Herr Patrick Budgen, Moderator der ORF-Sendung Wien-Heute, am 22. Februar 2014 den Beitrag über die Krankenstände der Wiener Gemeindebediensteten.

Offensichtlich ist der Quotendruck schon derart groß, dass auch der mit Zwangsabgaben finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk zu Polemik und Schüren von Feindbildern greifen muss. Es ist äußerst unseriös, wenn hier das schlechte Gewissen angesprochen wird und dann aktuelle Krankenstände von zwei, drei Tagen einer Jahresstatistik gegenüber gestellt werden. Unseriös ist es aber auch, wenn über eine Beschäftigtengruppe Statistiken veröffentlicht werden, die mit anderen Statistiken nicht vergleichbar sind.

Erst vor wenigen Tagen wurde der Fehlzeitenreport 2013 von Dr. Thomas Leoni (WIFO) veröffentlicht. In diesem seriösen und professionellen Bericht gibt es seit vielen Jahren gut nachvollziehbare statistische Darstellungen zu den wichtigen Dimensionen rund um Krankenstände. Dr. Leoni zeigt etwa auf, dass 11,8% der Krankenstandsfälle zwischen 15 und 42 Tage dauern, 2,8% dauern zwischen 43 und 98 Tagen und 1,3% der Fälle dauern 99 und mehr Tage.

Es ist also vollkommen klar, dass es auch in der Privatwirtschaft Langzeitkrankenstände und Mehrfachkrankenstände gibt, die über die 60 Tage gehen. Leider gibt es jedoch keine errechnete Gesamtzahl der unselbständig Beschäftigten, die im Jahr 2012 insgesamt mehr als 60 Tage im Krankenstand waren - wodurch der Vergleich nicht möglich ist. Woher dieser Bezugswert von 60 Tagen kommt, wer den eingeführt hat und wozu der nützlich sein soll, ist mir jedenfalls schleierhaft.

Im Fehlzeitenreport gibt es auch einige erhellende Informationen über die Unterschiede zwischen der Gesamtgruppe der unselbständig Erwerbstätigen und den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Da geht es dann z. B. um das höhere Durchschnittsalter der Beamtinnen und Beamten, um überdurchschnittlich hohe Berufsbelastungen, einen höheren Anteil an beschäftigten Menschen mit Behinderungen und einen anderen Umgang mit Kündigungen älterer und erkrankter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verzerrend wirkt auch die unterschiedliche Erfassung von Kurzzeitkrankenständen und der deutlich höhere Anteil an Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die keine 5-Tage-Woche haben und bei denen daher Krankenstände auch seltener am Freitag enden.

Insgesamt zeigt sich also, dass seriöse Vergleiche recht komplex sind - und Komplexität passt leider kaum in unsere Medienformate. Es ist aber ein Armutszeugnis wenn dann halt nicht nur vereinfacht wird, sondern die verschleierte Komplexität sogar noch dazu benutzt wird, Privilegien und Missbrauch zu unterstellen.

Genau dies haben Richard Schmitt und Isabella Kubicek in der Kronen Zeitung getan. Auf der Titelseite wird mit der Schlagzeile "5300 Beamte sind monatelang krank" aufgemacht, im Innenteil kann man dann die abgewandelte Schlagzeile "5300 Beamte im Dauerkrankenstand" lesen und im Bildtext unter einem Bild vom Rathaus heißt es dann sogar noch "Tausende Wiener Rathausbeamte sind im Dauerkrankenstand". Es werden also wieder einmal Klischees und Vorurteile geschürt und nur nebenbei ein paar sachliche Inhalte erwähnt, die aber durch die tendenziellen Schlagzeilen mehr als überstrahlt werden.

Kritik an Stadträtin Frauenberger

Mehr als ärgerlich ist aber auch, dass es die zuständige SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger noch immer nicht geschafft hat, jährlich einen Bericht über die Krankenstände der Wiener Gemeindebediensteten vorzulegen, der sich an den Standards des Fehlzeitenreports orientiert. Wenngleich auch im Fehlzeitenreport noch keine ausreichenden Gewichtungen der Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen der unselbständig Beschäftigten und der öffentlich Bediensteten gelungen ist, wäre dies aber jedenfalls eine seriösere Grundlage, als wenn immer wieder durch seltsam handgestrickte Statistiken völlig verzerrte öffentliche Diskussionen entstehen.

Diese unseriösen Diskussionen schaden den Gemeindebediensteten und erzeugen Ärger bei den mangelhaft informierten Bürgerinnen und Bürgern. Vielleicht ist es aber der Frau Stadträtin auch sehr recht, wenn solche Diskussionen entstehen. Denn dadurch wird es für Gemeindebedienstete noch viel schwieriger, auf krankmachende Arbeitsbedingungen hinzuweisen - wer sollte schon angeblich privilegierten Beamtinnen und Beamten schlechte Arbeitsbedingungen glauben.

Rückfragen & Kontakt:

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender
Fraktion Christlicher Gewerkschafter/innen
in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe - Wien
1090 Wien, Maria Theresien Strasse 11
Homepage: www.fcg-gdg-kmsfb.at
Tel.: (01) 31316 - 83682, Handy: 0676 70 68 511

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