WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Steuersparen nur für Superreiche - von Wolfgang Tucek

Konten in Panama sind teuer, doch das Bankgeheimnis hält

Wien (OTS) - Jetzt wird es also ernst, zumindest bis zur Ebene des wohlhabenden Mittelstands wird Steuersparen schwierig. Denn bis Ende 2015 soll ein umfassender automatischer Informationsaustausch (AIA) auf
internationaler Ebene Standard werden. Das haben die Finanzminister der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende beschlossen. Ihr Geld verstecken können dann nur mehr die wirklich Reichen.

Das werden sie dann nicht mehr in Österreich machen. Denn das österreichische Bankgeheimnis ist spätestens ab 1. Jänner 2016 endgültig Geschichte. Betroffen sind Zinsen, Dividenden, Versicherungserträge und Verkaufserlöse von natürlichen und juristischen Personen. Bei Trusts und Stiftungen müssen die Begünstigten offengelegt werden.

Das Projekt orientiert sich am US-Fatca (Foreign Account Tax Compliance Act), mit dem Washington die meisten Steueroasen inklusive der Schweiz, Österreich und Luxemburg in die Knie zwingt. Sie müssen den Amerikanern ab Juli großflächig alle Kontendaten liefern, die Washington will. Daran kommt auch die Schweiz nicht vorbei. Ansonsten droht die Sperre der Banken für den US-Markt.

Immerhin 42 Staaten inklusive Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien inklusive der Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie den Überseegebieten der Britischen Jungferninseln und den Cayman-Inseln haben sich bereits verpflichtet, das so bald wie möglich auch untereinander zu machen. Österreich, die Schweiz und auch die USA mit ihrer Steueroase Delaware fehlen auf der Liste.

Dennoch verleiht die Unterschrift aller G20-Finanzminister der Initiative zweifellos Gewicht. Auch wenn die Banken über den Zusatzaufwand klagen werden, ist das Projekt technisch locker machbar.

Die befürchtete Milliardenabwanderung von österreichischen Konten wird es ebenso nicht in dem Ausmaß geben, wenn alle gemeinhin als seriös geltenden Marktplätze wie die Schweiz an Bord sind.

Österreich wird es ohne der Unterstützung des neuen AIA-Vorzeigelandes Luxemburg schwer haben, die Umsetzung der OECD-Standards in EU-Recht alleine aufzuhalten.

Worauf läuft es also hinaus: Nur noch die Superreichen zahlen künftig keine Steuern mehr. Denn ab einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag lohnt es sich weiterhin, sein Vermögen zu verlagern. In Panama oder auf den Cook-Inseln ist die Kontoführung zwar nicht gerade günstig. Das Bankgeheimnis bleibt dort aber unantastbar.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001