"kreuz und quer" am 18. Februar: Mit "Macondo"-Regisseurin "Im Basar der Geschlechter" und "Religion ohne Sexualität - die Shaker"

Wien (OTS) - "Der unerlaubte Geschlechtsverkehr von unverheirateten Männern und Frauen gilt als Unzucht und wird mit 100 Peitschenhieben bestraft", so heißt es im Artikel 88 des iranischen Strafgesetzbuchs. Wenn allerdings einer der beiden Beteiligten verheiratet ist, dann wird die Todesstrafe verhängt, heißt es an einer anderen Stelle. Damit iranische Bürgerinnen und Bürger dennoch ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigend ausleben können, hat der Islam eine gefinkelte Lösung ersonnen: die "Ehe auf Zeit". Mit diesem gesellschaftspolitisch höchst interessanten Modell, erotisch-zwischenmenschliche Beziehungen in geordnete Bahnen zu lenken, beschäftigt sich der Film "Im Basar der Geschlechter" der iranisch-österreichischen Filmemacherin Sudabeh Mortezai, den "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 18. Februar 2014, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt. Mit ihrem Spielfilmdebüt "Macondo" war die Regisseurin soeben im Berlinale-Wettbewerb vertreten.

In "Religion ohne Sexualität - die Shaker" begeben sich anschließend Anita Lackenberger und Gerhard Mader um 23.25 Uhr auf die Suche nach den Spuren der Shaker in den USA.

"Im Basar der Geschlechter" - Ein Film von Subadeh Mortezai (deutsche Bearbeitung: Rosemarie Pagani-Trautner)

Die "Ehe auf Zeit", auch "Lustehe" genannt, kann zwischen einer halben Stunde und 99 Jahren dauern. Oft wird die "Ehe auf Zeit" auch als versteckte Form der Prostitution gewertet. Sudabeh Mortezai gelingt es in ihrem Film jedoch, die Vor- und Nachteile dieses Beziehungsmodells auszuleuchten. Denn für manche Iranerinnen und Iraner ist die zeitlich begrenzte Ehe die einzige Möglichkeit, im normalen Alltagsleben zurechtzukommen. So hat zum Beispiel ein junger Taxifahrer große Probleme, als unverheirateter Mann eine eigene Wohnung zu bekommen. Abhilfe schafft da die "Ehe auf Zeit" mit einer geschiedenen oder verwitweten Frau. Für alleinstehende Frauen, ob geschieden oder verwitwet, ist hingegen die Zeitehe oft die einzige Möglichkeit, finanziell über die Runden kommen. Denn jedes Mal, wenn eine Zeitehe geschlossen wird, muss der Ehemann seiner auf Zeit angetrauten Ehefrau eine angemessene Summe Geldes als Brautgeld übergeben.

Unter islamischen Rechtsgelehrten ist diese Art von Ehe jedoch nicht unumstritten. Auch junge Iraner äußern sich zunehmend skeptisch. Sie sehen darin eine eklatante Benachteiligung der Frauen. Denn durch diese Form von Beziehungen auf Zeit ist es jungen Männern zwar möglich, auf legale Weise und dennoch unverbindliche Art und Weise sexuelle Erfahrungen zu sammeln, während es Frauen nicht gestattet ist, eine Zeitehe einzugehen, solange sie noch jungfräulich sind.

Sudabeh Mortezai ist es gelungen, die recht unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema einzufangen. Der Film liefert einen tiefen, mitunter auch recht humorvollen Einblick in die iranische Gesellschaft mit ihren Moralvorstellungen.

"Religion ohne Sexualität - die Shaker" - Ein Film von Anita Lackenberger und Gerhard Mader

Die Shaker sind ein Stück amerikanischer Geschichte, es sind Menschen, die vor 200 Jahren auszogen, um die Welt zum Guten zu verändern. Bis heute sind die Shaker bekannt für ihre Musik, aber auch die außergewöhnliche Designkunst. Mit der Funktionalität und Schlichtheit der Möbel haben sie die Moderne vorweggenommen. Neuen technischen Entwicklungen gegenüber waren sie stets aufgeschlossen. Gegründet wurde diese christliche Bewegung von einer Frau - Ann Lee, die in den 1780er Jahren aus Manchester in die USA kam, um dort mit ihren Anhängern ihren Glauben zu verwirklichen. Einer der zentralen Punkte ihrer Religion war ein zölibatäres Leben von Frauen und Männern, aber nicht in getrennten Siedlungen. Die Gleichheit der Geschlechter, die Gleichwertigkeit von Frauen- und Männerarbeit, war von Beginn an ein zentrales Anliegen.

Es gibt viele Bereiche, in denen die Shaker Vorreiter waren: Sie waren Vertreter des Pazifismus, der Gleichheit der Geschlechter und der Rassen, und sie waren vor allem auch der Moderne aufgeschlossen und geniale Erfinder und Konstrukteure. Eigentum des Einzelnen war tabu. Die Shaker lebten mit Gemeinbesitz und werden oft als die ersten "Kommunisten" Amerikas bezeichnet. Auch Friedrich Engels besuchte die Shaker-Gemeinden, er bewunderte die großen Erfolge des gemeinsamen Wirtschaftens - trotz ihrer Religion, die er eher für eine "Dummheit" hielt.

Aber was ist das Besondere an der Shaker-Religion?: Ann Lee wurde von ihren Anhängern als erleuchtete Prophetin gesehen, sie hatte direkten Kontakt zu Gott und ermöglichte es auch ihren Anhängern, so sie ein entsprechendes Leben führen, einen direkten Kontakt zu Gott zu finden. Es gab keine Messen mit Kommunion und Priester, sondern direkte Gotteserfahrungen mit Visionen, ekstatischen Tänzen und Liedern, die direkt als Geschenk von Gott geschickt wurden. Diese Lieder sind bis heute ein wesentliches Kulturgut der amerikanischen Folktradition. So wird das Lied "Simple Gift" in verschiedenen Variationen immer wieder an prominenter Stelle verwendet, wie zuletzt bei der Inauguration von Präsident Obama.

Die Shaker waren auch die ersten Samenhändler und -produzenten der Vereinigten Staaten, sie waren Vorreiter der Elektrifizierung und erfanden eine Vielzahl von Maschinen. Durch den offensiven Gebrauch der Technik sollte mehr Raum für Gott geschaffen werden. "Hands to Work und Hearts to God" war ein wesentliches Moto der Glaubensgründerin Ann Lee. In ihrer Blüte Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Tausende Shaker, heute sind es nur mehr ganz wenige Menschen.

Anita Lackenberger und Gerhard Mader haben bisher nicht gezeigtes Filmmaterial von den Shakertänzen entdeckt und viele Menschen, die noch heute von den Ideen der Shaker inspiriert werden. Sie haben eine amerikanische Erfolgsgeschichte gefunden und auch einen Blick in die amerikanische Seele geworfen, die von Geschichten wie dieser - einer Frau, die auszog, die Welt zu verändern - lebt.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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