WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Pragmatismus ist angesagt - Andreas Wolf

In den USA hat die Finanzbranche wieder auf Expansion geschaltet

Wien (OTS) - Nur langsam sehen Europas Banken auch wieder Land. Während die US-Finanzdienstleister bereits seit fast zwei Jahren wieder expansiv in ihrem Markt unterwegs sind, müssen hiesige Banken noch immer fast jeden Tag von einer neuen Regulierungsidee lesen. Von Abwicklung wird viel geredet, praktiziert wird sie hingegen selten. Nicht zuletzt diese Unklarheit führt zu der Kreditklemme, die die Notenbanken häufig bestreiten, die Unternehmen allerdings in vielen Fällen belegen können. Wer sich bilanziell nicht eindeutig von seinen Altlasten trennen kann, dem wird es kaum möglich sein, neue Risiken einzugehen. In den USA wurden rasch Nägel mit Köpfen gemacht: Banken, die überlebensfähig waren, wurde schnell geholfen, wieder auf die Beine zu kommen - den hoffnungslosen Fällen wurde der Garaus gemacht.

Zwar ist auch bei den Amerikanern in Sachen Finanzsektor längstens nicht alles in Butter, doch ist ihnen völlig bewusst, dass ihr Wirtschaftssystem nur passabel funktioniert, wenn das Kreditwesen intakt ist. Mit der Art von "Banken-Bashing", wie es in vielen europäischen Staaten fröhlich betrieben wird, haben sie sich nur sehr kurz aufgehalten. Wichtig war ihnen vor allem, ein harten, wichtigen Kern ihrer großen Banken zu erhalten, sodass daraus auf mittlere Sicht auch wieder neue kleinere Wettbewerber entstehen werden. Ob diese eine neue Wirtschaftskrise überleben werden, ist zunächst eine Frage eines funktionierenden Wettbewerbs und erst danach eine der Regulierung.

Den Anspruch eines perfekten Schutzes durch mehr Vorschriften - den es auch kaum geben kann - stellt man in den USA nicht. Dieser Pragmatismus hat die US-Finanzbranche gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern in die Offensive gebracht. In dem sich abzeichnenden Wirtschaftsaufschwung sind sie deshalb wesentlich flexibler und handlungsfähiger als die Europäer. Es wäre deshalb zu wünschen, dass man sich in Europa auf seine eigenen Stärken besinnt und ein Minimumrisiko im Finanzsektor schlichtweg akzeptiert. Den Kunden, ob Firmen oder privat, geht der Regulierungswust ohnehin schon lange zu weit. Die bestehenden Regelungen reichen längstens aus, um die meisten Risiken auszuschalten. Wichtig wäre nun, für mehr Wettbewerb zu sorgen, anstatt die alten Strukturen zu verkrusten. Damit würde Finanzbranche wie auch Kunden ein Dienst erwiesen.

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