- 13.02.2014, 10:48:50
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Neue App "Greta" macht Kinofilme für blinde Menschen "sichtbar"
Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs empfiehlt zukunftsweisende Softwarelösung
Utl.: Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs
empfiehlt zukunftsweisende Softwarelösung =
Wien (OTS) - Filme ohne Bilder sind Alltag für rund 318.000 blinde
und sehbehinderte Menschen in Österreich. Um "sehen" zu können, was
sich auf der Leinwand abspielt, benötigen sie eine zusätzliche
akustische Bildbeschreibung, die Audiodeskription: In den
Dialogpausen werden in knappen Worten die rein visuellen Elemente des
Films erläutert. Hörfilme wurden in Kinos bisher kaum angeboten, der
zusätzliche Aufwand für Technik und Personal hat die Kinobetreiber
abgeschreckt: Im Kinosaal werden Sender installiert und die Besucher
erhalten Funkkopfhörer (Empfänger), die die Mitarbeiter verteilen und
einsammeln müssen. Das sollte sich aber in Zukunft ändern. Die
kostenlose App "Greta" für iPhone und Android-Smartphones ermöglicht
visuell beeinträchtigten Menschen ein völlig neues Kinoerlebnis. Sie
können jetzt einfach die Audiodeskription für einen bestimmten Film
auf ihr Smartphone laden und diese in jedem Kino benutzen, in dem der
von ihnen ausgewählte Streifen gezeigt wird. "Greta" kann im App
Store und bei Google Play kostenlos heruntergeladen werden.
"Greta" im Test erfolgreich
Experten der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen
Österreichs haben "Greta" mit einer Gruppe sehbeeinträchtigter
Cineasten getestet. "Die Bedienung ist einfach", berichtet
Projektleiter Daniele Marano. "Man startet die App, sucht unter den
mit Audiodeskription angebotenen Filmen den gewünschten Titel und
lädt ihn herunter. Im Kino startet man Greta, wählt die entsprechende
Audiodeskription aus und steckt die eigenen Kopfhörer ins Smartphone.
Die App erkennt den Film automatisch und synchronisiert sich mit der
im Kinosaal hörbaren Tonspur. Wir waren begeistert von der
Einfachheit und Genauigkeit dieser Softwarelösung." Nach dem
erfolgreichen Test erachten die sehbeeinträchtigten Experten der
Hilfsgemeinschaft "Greta" als die zukunftsweisende Technologie auf
dem Markt.
Vorteile von "Greta"
Die Vorteile der App liegen auf der Hand: Blinde und sehbehinderte
Filmliebhaber sind mit "Greta" unabhängig vom äußerst dünn gesäten
Hörfilmangebot der Kinobetreiber. Diese wiederum benötigen keine
zusätzliche Infrastruktur, wenn sie Filme mit Audiodeskription zeigen
möchten, um neue Zuschauergruppen zu gewinnen. Durch den Download von
"Greta" erhalten die User außerdem regelmäßig Infos über die
aktuellen Filmstarts mit Audiodeskription. Wenn diese Kinofilme auf
DVD abgespielt werden oder im TV laufen, funktioniert "Greta" genauso
wie im Kinosaal.
Finanzierung des Angebots
Derzeit werden nur wenige Kinofilme mit Audiodeskription bei
"Greta" angeboten. Die Herstellungskosten für eine akustische
Bildbeschreibung liegen bei rund 5.000 Euro pro Film. Diese Kosten
werden von der Filmförderung übernommen. Nicht abgedeckt sind aber
jene Kosten, die Filmhersteller bezahlen müssen, damit ihre Streifen
bei "Greta" abrufbar sind. Denn nur so kann das für
sehbeeinträchtigte User kostenlose Angebot von "Greta" finanziert
werden.
Michael Kastelic, Geschäftsführer des AUDIO2-Teams
(www.audio2.at), das Audiodeskriptionen für Live Sport Events,
Unterhaltungssendungen, Spielfilme und Werbespots produziert, sieht
in der neuen App "Greta" ebenfalls die Zukunft der akustischen
Bildbeschreibungen im Kino. "Noch sind bei Greta nur einige wenige
Titel verfügbar, aber das wird sich sicher rasch ändern, sobald die
Filmfördergeber diese neue Möglichkeit in ihre Richtlinien über die
Verwertungsförderung aufnehmen", meint Kastelic.
Sein Team erstellt auch die Live-Audiodeskriptionen im Rahmen des
Projekts Theater4all. Die Idee, Theateraufführungen für visuell
beeinträchtigte Menschen "sichtbar" zu machen, hat Michael Kastelic
gemeinsam mit der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen
Österreichs realisiert. Derzeit bieten das Theater in der Josefstadt,
das Burgtheater, das Volkstheater und das Schauspielhaus in Wien
regelmäßig Vorstellungen mit Audiodeskriptionen an. "Im Theater würde
Greta nicht funktionieren. Die Darsteller variieren ihr Spiel und wir
müssen die Kommentare flexibel an das Geschehen auf der Bühne
anpassen, daher müssen sie live gesprochen werden", so Kastelic.
Aktuelle Vorstellungstermine gibt es unter www.theater4all.at.
Fotos zum kostenlosen Download gibt es unter
http://www.hilfsgemeinschaft.at/index.php?id=116#c2187
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