• 12.02.2014, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Setzen wir doch auf Tradition - von Isabell Widek

Der Staat sollte die Hand auch über kleine Unternehmen halten

Utl.: Der Staat sollte die Hand auch über kleine Unternehmen halten =

Wien (OTS) - Gleich vorweg: Mitleid ist nicht angebracht. Der
Edelgreißler Julius Meinl am Graben hat mithilfe seiner drei
Dependancen - nach einigen verlustreichen Jahren davor - 2012 wieder
ordentlich Umsatz gemacht. Und kann daher nach menschlichem Ermessen
seine Kämpfe gut selbst ausfechten. Dennoch ist der schwelende Streit
um die Miete am Standort in der Wiener Innenstadt (das
WirtschaftsBlatt berichtete) durchaus Anlass, sich auch die
standortpolitische Komponente des Falls anzusehen.

Denn jeder Hauseigentümer hat selbstverständlich das Recht, die
Mieten seiner Immobilien - noch dazu in Top-Lagen - anzuheben. Und
jeder Mieter hat selbstverständlich das Recht, sich dagegen - auch
gerichtlich - zu wehren.

Aufregung herrscht vor allem deshalb, weil die Meinl-Kundschaft -
entgegen der landläufigen Meinung - nicht ausschließlich aus
Hofratswitwen, Opernsängern und Burgschauspielern in Rente besteht.
Das Delikatessengeschäft hat sich neben seiner Funktion als
Spezialladen für Ausgefallenes auch zum Touristenmagneten entwickelt.
Mittlerweile ist ein Besuch dort für Städtereisende ebenso
selbstverständlich, wie man im Zuge eines Aufenthalts in London zu
Harrods und in New York zu Dean & DeLuca geht. Vermutlich hatte der
Lebensmittelriese Rewe auch das im Hinterkopf, als er vor zwei Jahren
mit Merkur am Hohen Markt und Billa Corso im Herrnhuterhaus
Mitbewerber in unmittelbarer Nähe etablierte.

Aber ebenso, wie es schützenswerte Industriebetriebe gibt, über die
der Staat die Hand hält, sollte die Politik auch Kleine unterstützen.
Vor allem, wenn sie als Sightseeing-Spots gelten. Im Sinne einer
effizienten Standortpolitik gilt es, eine Lösung anzustreben, die als
Best Practice für alle künftigen Konflikte - auch in anderen
Geschäftsbereichen - gelten kann.

Dies ist vor allem auch im Interesse der vielen kleinen und mittleren
Unternehmen, die es geschafft haben, sich in den vielen Seitengassen
der Wiener City anzusiedeln (siehe Artikel Seite 4).

Ob es sie nun schon seit Jahren oder erst seit Monaten gibt, viele
der aufstrebenden Modedesigner, Schmuckverkäufer und Bio-Suppenküchen
profitieren von der Sogwirkung der großen Flaggschiffe ringsum - und
werden so mit der Zeit selbst zu Traditionsbetrieben, die uns
Touristen und Geld in die Stadt bringen.

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