- 11.02.2014, 14:30:51
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H.P. Martin: "Lobby-verseuchter Tag für Europa nach Genmais-Abstimmung"
Brüssel (OTS) - Utl.: EU-Außenminister stoppen Zulassung von Genmais
nicht / Mehr als sechs Millionen Euro pro Jahr geben allein
Agrar-Konzerne in Brüssel für Lobbying aus - allen voran Monsanto,
Bayer und BASF / Schlag ins Gesicht des EU-Parlaments / EU-Kommission
nun gefordert / Auch geplante Saatgutverordnung selbstverständlich
abzulehnen
Brüssel, 11. Februar 2014
Soeben hat der EU-Rat der Außenminister die Zulassung der
super-resistenten Genmaissorte "Pioneer 1507" des US-Chemiekonzerns
DuPont Pioneer in der EU behandelt. Deutschland enthält sich wie
befürchtet der Stimme, und es gibt im Rat keine qualifizierte
Mehrheit gegen die Zulassung des gentechnisch veränderten Mais. Damit
muss nun die EU-Kommission endgültig entscheiden. Sie hat in der
Vergangenheit schon Zustimmung signalisiert.
Das fraktionslose Mitglied des Europäischen Parlaments Hans-Peter
Martin aus Österreich dazu: "Dies ist ein lobby-verseuchter Tag für
Europa. Die Haltung yu vieler EU-Außenminister ist ein Schlag ins
Gesicht des EU-Parlaments, das am 16. Januar 2014 eindeutig gegen
Genmais abgestimmt hat - bei 385 Ja-Stimmen und 201 Nein-Stimmen (und
30 Enthaltungen). Selbstverständlich habe auch ich dies unterstützt.
Wieder einmal konnten sich Großlobbyisten durchsetzen. Allein in
Brüssel geben Großkonzerne mit Interessen im Agrarbereich jedes Jahr
mehr als sechs Millionen Euro für Lobbying aus. Der
US-Agrarspezialist Monsanto lobbyiert mit einem jährlichen Budget von
450.000 Euro, dem Chemieriesen Bayer standen 2013 sogar 2,8 Millionen
Euro als Lobby-Budget zur Verfügung, BASF 2,4 Millionen Euro.
Der nunmehr mit "Pioneer 1507" unmittelbar betroffene US-Konzern
DuPont Pioneer scheint hingegen im offiziellen EU-Transparenzregister
für Lobbyisten überhaupt nicht auf und agiert im Verborgenen - obwohl
der US-Konzern in unmittelbarer Nähe zum EU-Parlament ein Büro in der
Brüsseler Avenue des Arts 44 betreibt.
Außerdem werden diese Agrar-Unternehmen in Brüssel noch vom
einflussreichen Biotechnologie-Industrieverband "EuropaBio" vertreten
- mit einem eigenen Jahresbudget von 250.000 Euro.
Nun ist die EU-Kommission gefordert, den risikoreichen Genmais doch
noch zu stoppen.
Auch die geplante EU-Saatgutverordnung der EU-Kommission ist
entschieden abzulehnen und muss im Plenum des EU-Parlaments im März
2014 zurückgewiesen werden."
Hintergrund: Seit 2011 dringt der US-Chemiekonzern DuPont Pioneer auf
eine Genehmigung der super-resistenten Genmaissorte "Pioneer 1507" in
der EU. Der genetisch veränderte Mais produziert selbst ein
Insektengift, das ihn widerstandsfähig gegen den Maiszünsler macht,
einen weitverbreiteten Schädling. Allerdings besteht ein hohes
Risiko, dass das Gift bei einer weiteren Zahl von Insekten wirken
könnte, darunter auch Bienen. Die Zulassung von "Pioneer 1507" wäre
die erste Zulassung einer Genmaissorte in der EU seit 15 Jahren und
dies obwohl nach Umfragen fast 60 Prozent der Europäer sich gegen den
Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen aussprechen.
Hinweis: Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen liegen in der
alleinigen Verantwortung der jeweiligen Verfasser und geben nicht
unbedingt den offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments
wieder.
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