- 10.02.2014, 10:11:23
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Brüssel, wir haben einen Notfall - von Marijana Miljkovic
Eine Zukunft haben junge Bosnier in dem devastierten Land keine mehr
Utl.: Eine Zukunft haben junge Bosnier in dem devastierten Land
keine
mehr =
Wien (OTS) - In Tuzla hat sich schon einiges angestaut. Missglückte
Privatisierungen, Massenarbeitslosigkeit, das Versagen der
Institutionen, das sind die Motive, weswegen vergangene Woche
Tausende auf die Straßen gingen. Es kam zu Ausschreitungen und
Gewalt, was nicht entschuldbar ist. Es ist jedoch erstaunlich, dass
es in Bosnien-Herzegowina überhaupt so lange gedauert hat, bis den
Menschen der Geduldsfaden reißt. Der Frust über den politischen und
wirtschaftlichen Stillstand im ethnisch dreigeteilten Land ist schon
lange zu spüren. Und er wächst mit jedem Tag, an dem die Führung des
Landes nicht über ihren Schatten springen kann und die Privilegien
von nur wenigen, also sich, zugunsten des Vorteils von vielen - der
Bevölkerung ihres Landes - aufgeben kann.
Mit dem Friedensvertrag von Dayton 1995, der den Krieg in Bosnien
beendete, wurde in der bosnischen Verfassung die Aufteilung der Macht
auf drei Völker verankert. Doch anstatt die Situation nach dem
Bosnien-Krieg zu erleichtern und weitestgehend Gleichberechtigung zu
schaffen, wurden die Nationalismen damit einzementiert. Der Krieg
der Serben, Bosniaken und Kroaten ging auf politischer Ebene weiter.
Vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, die seit den
1990er-Jahren in Bosnien für Ordnung sorgen soll, griffen
Misswirtschaft, Korruption und Nepotismus um sich. Junge Bosnier
wollen nichts als weg; Zukunft haben sie in dem devastierten Land
keine mehr. Es verwundert nicht, dass auch Investoren einen Bogen um
Bosnien machen. Der sogenannten Elite fehlt es am Willen, Änderungen
durchzuführen.
Der Bevölkerung aber fehlt die Hilfe von außen. Damit ist nicht
gemeint, dass Bosnien-Herzegowina weiter in seiner Opferrolle
aufgehen darf. Hilfe wäre, wenn die internationale Gemeinschaft, aber
primär die Europäische Union, ihre Rolle als Friedensstifter auch in
Bosnien ernst- und wahrnimmt. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton
hat mit dem Serbien-Kosovo-Dialog einen Erfolg gefeiert.
Dieser ließe sich auch in Bosnien durchführen. Die EU muss aufhören,
sich bei Bosnien aus der Verantwortung zu ziehen und dürfte sich
nicht mehr hinter der Ausrede verstecken, dass die Bosnier ihr
Schicksal allein in die Hand nehmen müssen. Mit den Demonstrationen
hat die EU jetzt den Beweis dafür, dass die Menschen eine Veränderung
wollen. Frau Ashton, bitte übernehmen Sie.
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