• 07.02.2014, 11:42:05
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Polypharmazie: Wenn die gleichzeitige Einnahme von mehreren Medikamenten und deren Wirkung für die PatientInnen gefährlich wird

Wien (OTS) - Hinter dem sperrigen Wort "Polypharmazie" verbirgt sich
die Herausforderung, wie sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch
Patientinnen und Patienten mit der gleichzeitigen Verordnung mehrerer
Arzneimittel sinnvoll umgehen sollen. Polypharmazie kommt vor allem
bei chronisch kranken oder älteren Menschen vor, bei denen mehrere
Krankheiten gleichzeitig diagnostiziert werden. Sie ist medizinisch
manchmal notwendig, teilweise aber vermeidbar. "Um die Therapie in
solchen Situationen sinnvoll zu gestalten", so der Vorsitzende des
Verbandsvorstands im Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger, Dr. Hans Jörg Schelling, "muss zunächst
das Problembewusstsein für Polypharmazie in der Ärzteschaft und in
der Bevölkerung gestärkt werden". Den Ärztinnen und Ärzten sollen
Werkzeuge gegeben werden, welche helfen, die Verschreibung
ungeeigneter Arzneimittel von vornherein zu vermeiden und nicht
(mehr) notwendige Medikamente vom Therapieplan zu entfernen. Dazu ist
es sinnvoll, alle Schnittstellen im Gesundheitswesen einzubinden,
damit Menschen, die von mehreren Behandlerinnen und Behandlern oder
Institutionen betreut werden, nicht die negativen Folgen der
Polypharmazie erleben. Schelling: "Die Gefahren der Polypharmazie
sind der Sozialversicherung schon seit langem bewusst. Umso wichtiger
ist es daher, dass das von der Sozialversicherung bereits in drei
Pilotregionen getestete Projekt e-Medikation möglichst rasch und
österreichweit in einen Regelbetrieb übergeht, damit die Situation
für die Betroffenen verbessert wird."

Die Arzneimittelentwicklung der letzten 50 Jahre hat für
Patientinnen und Patienten enorme Fortschritte gebracht:
Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes, Gelenksschmerzen, Infekte
- für jede dieser Diagnosen steht eine Reihe von Medikamenten bereit.
Nicht selten empfehlen medizinische Fachgesellschaften, gleich eine
Kombination von Arzneimitteln einzusetzen. Medikamente können aber
Nebenwirkungen haben, und zu deren Vorbeugung werden zusätzliche
Mittel verordnet, wie etwa für den Magenschutz. Bei betagten
Menschen, die oft gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden, kommt
auf diese Weise rasch eine Arzneimittelliste von mehreren
Medikamenten zusammen, die tagtäglich einzunehmen sind.

Da geht der Überblick leicht verloren: für Ärztinnen und Ärzte,
die gerade ein Medikament verschreiben, und nicht genau wissen, was
die Patientinnen und Patienten bereits einnehmen. Aber auch für
Patienten und Patientinnen und deren Angehörige, die nicht immer
genau wissen, warum und wie welche Medikamente einzunehmen sind. Es
ist kein Geheimnis, dass im Durchschnitt weniger als 50 Prozent der
Patientinnen und Patienten, die vier oder mehr Arzneimittel
gleichzeitig einnehmen sollen, das auch wirklich tun. Der
Therapieerfolg ist folglich oft nur mäßig. Daher gilt auch hier die
oft zitierte Regel: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig".

Wenn mehrere Arzneimittel miteinander kombiniert werden, sind die
Neben- und Wechselwirkungen von besonderer Brisanz. Dann steigt das
Risiko beträchtlich, dass sich die Nebenwirkungen der einzelnen
Medikamente nicht nur addieren, sondern auch neue Nebenwirkungen
hervorrufen, die lebensbedrohlich sein und eine Spitalsaufnahme nach
sich ziehen können. Arzneimittel können sich sozusagen gegenseitig in
ihrer Wirkung unerwünscht verstärken und sogar lebensbedrohend
werden. Letztlich sind auch die finanziellen Kosten einer falschen
Polypharmazie gewaltig.

Die vielschichtige Materie wird am kommenden Montag, dem 10.
Februar (10.00 - 17.00 Uhr), bei einem Symposium unter dem Titel
"Polypharmazie: Ausmaß, Belastung und Ausweg" im Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger umfassend behandelt.
Namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, öffentlichen
Institutionen des Gesundheitswesens und der pharmazeutischen
Industrie werden gemeinsam erörtern, wie Polypharmazie optimiert und
für die Patientinnen und Patienten überschaubar gestaltet werden
kann. Das Symposium wird gemeinsam von der Österreichischen
Pharmakologischen Gesellschaft, dem Hauptverband und dem Forum der
forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich veranstaltet.

Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen,
sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und
eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,4 Millionen
Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte
Angehörige). Der Behandlungsanspruch aus der Krankenversicherung wird
beim Mediziner durch das e-card-System angezeigt: Die e-card als
Schlüsselkarte enthält keine medizinischen Daten, ermöglicht dem/der
Arzt/ Ärztin aber die Überprüfung des Versicherungsstatus eines
Patienten und die Nutzung weiterer Services. Der Hauptverband der
österreichischen Sozialversicherungsträger ist das organisatorische
Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und
Pensionsversicherung Österreichs.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NHS

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