- 06.02.2014, 17:43:38
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Wir sehen uns wieder 2018"
Ausgabe vom 7. Februar 2014
Utl.: Ausgabe vom 7. Februar 2014 =
Wien (OTS) - Feste Prinzipien sind eine tolle Sache, sie lassen sich
nur so schwer durchhalten. Wenn heute, Freitag, die Olympischen
Winterspiele in Sotschi mit Pomp und kitschigem Pathos eröffnet
werden, wird kein Medium, das auf sich hält, vergessen, auf
schmutzige Flecken in Wladimir Putins Reich hinzuweisen. Mitunter
drängte dieser Aspekt sogar den Sport in den Hintergrund.
Sollte er auch: Wer will schon den dubiosen Gesellen vom IOC samt
angeschlossener Wirtschaftslobbys mit ihrem seichten Gerede von
Friede, Freude, Sportmilliarden die Deutungshoheit kampflos
überlassen. Es geht darum, durch den Fokus auf Menschenrechte,
Willkür, Umweltzerstörung und fehlende Mitbestimmung den Imagegewinn
für autoritäre Regime so gering wie möglich zu halten.
Nicht, dass der Welt, in der wir leben, Unterdrückung,
Machtmissbrauch oder Korruption nicht wichtig wären; das sind sie
natürlich. Nur bestimmen diese Kriterien nicht über den Fortgang der
Dinge. Das war nie so und wird auf absehbare Zeit auch nicht so sein.
Niemand, der die Chance auf ein Zig-Milliarden-Geschäft hat, schraubt
dieses ohne Not auf ein paar hundert Millionen zurück.
Unverblümter drückt es der in den Status des Halbheiligen erhobene
deutsche Ex-Kanzler Helmut Schmidt aus, der Staaten überhaupt das
Recht abspricht, anderen zu erklären, wie sie es mit den
Menschenrechten zu halten hätten. Stattdessen müssten Stabilität und
Frieden das höchste Ziel der Außenpolitik sein - selbst dann, wenn
diese auf Kosten der Bürgerrechte gingen.
Damit löckt der 95-jährige unverdrossene Kettenraucher natürlich
genüsslich gegen die moralische Rhetorik unserer Zeit, weiß er doch,
dass in der Realität ohnehin eine andere Melodie angeschlagen wird -
in Afghanistan, im Irak, vor allem in Syrien, im Umgang mit Russland,
China, Saudi-Arabien.
Und Olympia in Sotschi ist ja ohnehin nur der Auftakt zu einer
beeindruckenden Serie an Superevents in Putins Reich: Nach den fünf
Ringen zieht es künftig den Formel-1-Zirkus ans Schwarze Meer; 2015
und 2016 gastieren Schwimm- und Eishockey-WM; 2018 dann der absolute
Höhepunkt im globalen Sport-Bizz: die Fußball-WM, die im Jahr davor
mit dem Confederations-Cup die Generalprobe erfährt.
Da passt es gut, dass Wiederholungen zum Wesen des Journalismus
gehören.
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