• 06.02.2014, 10:21:59
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ELGA: Wenn schon die Stammdatenprüfung bei Widerspruch scheitert, wie soll dann das ganze Projekt funktionieren?

NÖ Ärztekammer: Das ELGA-Abmeldedebakel beweist, dass der Gesundheitsminister den Aufwand für elektronische Datenpflege massiv unterschätzt hat

Utl.: NÖ Ärztekammer: Das ELGA-Abmeldedebakel beweist, dass der
Gesundheitsminister den Aufwand für elektronische Datenpflege
massiv unterschätzt hat =

Wien (OTS) - "Die Groteske rund um die ELGA-Abmeldung ist ein klarer
Beweis, wie wenig Ahnung die zuständigen Politiker von der
elektronischen Datenverarbeitung haben", stellt Dr. Christoph
Reisner, MSc, mit Entsetzen fest. "Seit etwa 20 Werktagen kann man
sich abmelden. Und obwohl der Zulauf seit dem ersten Tag sehr groß
ist, ist es bisher gerade einmal gelungen, knapp 10.000 Anträge zu
überprüfen." Das sind 500 Stück pro Tag, also liegen mit 50.000 Stück
etwa hundert Mal so viele noch zur Bearbeitung bei der Abmeldestelle.
"Offenbar hat man den Aufwand massiv unterschätzt", so der
Ärztekammerchef aus Niederösterreich.
Dabei ist noch nicht einmal viel zu tun: "Die elektronisch
vorhandenen Stammdaten müssen lediglich auf Richtigkeit überprüft
werden. Eine exakte Zuordnung über die Sozialversicherungsnummer ist
ja problemlos möglich. Ergänzend müssen je zwei Dokumente eingescannt
und elektronisch abgelegt werden, das war's", stellt Präsident Dr.
Reisner fest. "Das ist nur ein Bruchteil der Arbeit, die uns
Ärztinnen und Ärzten im Rahmen von ELGA bevorsteht. Dort werden
unzählige Dokumente vor jeder Behandlung erst gesucht, dann
eingesehen und bewertet und nach der Behandlung erfasst werden
müssen."

Alleine für ELGA-Datenpflege werden hochgerechnet mindestens
7.500 Ärzte mehr gebraucht

Immerhin hat man nun Personal aufgestockt, mit dessen Hilfe man in
längstens acht Wochen die aufgestauten 50.000 Anträge abarbeiten
will. "Laut Aussage von Minister Stöger sind das 20 Mitarbeiter, die
sogar im Schichtdienst arbeiten. Rechnet man das einmal durch, kommt
man auf 7 Minuten und 40 Sekunden Bearbeitungszeit pro
Widerspruchsfall. Offenbar nimmt eine "Datenpflege" doch eine gewisse
Zeit in Anspruch. In Bezug auf die für die ELGA-Datenpflege
notwendige Zeit habe ich schon längst dramatische Befürchtungen", so
Präsident Dr. Reisner weiter.
Rechnet man einmal mit diesem, offenbar realistischen Wert den
notwendigen Zeitbedarf für ELGA-Datenpflege bei 480.000 ärztlichen
Behandlungen in Österreich pro Arbeitstag hoch, dann kommt man auf
enorme Werte: "Das entspricht über 60.000 zusätzlichen ärztlichen
Arbeitsstunden pro Tag, die durch "Datenpflege" notwendig werden."
Und das entspricht rund 7.500 ärztlichen Vollzeitstellen, die nur
durch diese Datenpflege gebraucht werden. "Dabei sind die Annahmen
noch konservativ geschätzt. Weitere Hürden, etwa durch sinkende
Übertragungsgeschwindigkeit aufgrund des enormen Datenvolumens sind
hier noch gar nicht berücksichtigt."

Gelingt es nicht, Tarife für die ELGA-Datenpflege
auszuverhandeln, wird der Patient diese Dienstleistung aus eigener
Tasche bezahlen müssen

Man macht nun also laufend Erfahrungen, die dafür sprechen, das
Projekt noch abzubrechen, bevor zu großer Schaden für die
Gesellschaft entsteht. "Es zeigt sich immer mehr, dass das Projekt
ELGA zum Milliardengrab werden wird. Meines Erachtens hätte man
durchaus noch die Möglichkeit, von vorne zu beginnen und vernünftige
Optimierungen des Gesundheitssystems durchzuführen", ist Präsident
Dr. Reisner überzeugt. Doch offenbar ist man bestrebt, dieses aus
medizinischer Sicht vollkommen nutzlose Projekt durchzuziehen. "Der
Wähler hat entschieden, also wird der Wähler ELGA bekommen. Der
Wähler wird dann aber auch alle Auswirkungen zu tragen haben, die
durch ELGA entstehen", zeigt sich der Ärztechef als überzeugter
Demokrat.
Doch das könnte aus seiner Sicht schmerzhaft werden. "Es ist ganz
klar, dass wir entweder enorme Mengen an Ärztinnen und Ärzten
zusätzlich brauchen, die natürlich bezahlt werden müssen. Oder wir
schränken eben die Behandlungszeit in diesem massiven Umfang ein." In
den Spitälern wird das zu einer weiteren dramatischen Vergrößerung
der ohnehin schon viel zu langen Wartezeiten führen. Die Auswirkungen
im niedergelassenen Bereich lassen sich aus Sicht von Präsident Dr.
Reisner noch nicht genau abschätzen. "Die ELGA-Datenpflege ist
derzeit jedenfalls noch nicht in Leistungskatalogen der Kassen
enthalten. Gelingt es nicht, dies vor Jahresende auszuverhandeln,
dann wird der Patient diese Dienstleistung aus eigener Tasche
bezahlen müssen."

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