Was unterscheidet Zivilcourage von Political Correctness?

Zivilcourage bedeutet, auf der Seite der Leidenden zu sein...

Wien (OTS) - ...und auch dann für andere einzutreten, wenn dies für einen selbst mit Nachteilen verbunden sein kann: Sei es durch direkte Repressalien - sei es durch Spott oder Verachtung. Meist gerade von jenen, die selbst eben keine Zivilcourage haben. (Dafür allerdings oft ein schlechtes Gewissen.)

Zivilcourage erfordert also Mut und Ehrlichkeit, aber auch Mitgefühl und Selbstbewusstsein. Es bedarf quasi - im positiven Sinne - einer gewissen Schamlosigkeit. (Oft wird ja Mitgefühl als Schwäche gesehen - weil man meint, nur jemand der selbst schwach ist, könne für Schwache Verständnis aufbringen. Dies wird dann auch noch dadurch verstärkt, dass man denkt, die Leidenden seien ja eigentlich selber schuld - und so etwas könne einem selbst ohnehin nie passieren.)

Zivilcourage ist jedenfalls weit mehr, als simple Frechheit: Geht es doch dabei nicht in erster Linie um Eigeninteressen, sondern um Unpopuläres... Der größte ideologische Modetrend unserer Zeit heißt Political Correctness. Wer jedoch nicht die Kriterien erfüllt, nach denen man - gemäß dem letzten Stand des gerade "Korrekten" - als benachteiligt oder gar als Opfer gelten kann, hat Pech. Ja er wird oft sogar gnadenlos gejagt: Weil es nicht in erster Linie um Menschlichkeit zu gehen scheint, sondern um Ideologie.

Political Correctness ist Mode, ist chic. Zivilcourage ist hingegen gerade gefragt, wenn es nicht chic ist... Ständig wird derzeit etwa über Minderheiten geredet, über deren Rechte und Benachteiligung. Dies zu vertreten, erfordert aber meist nur wenig Mut, weil es sich eben oft um Modetrends handelt. Am bittersten nötig hätten unsere Zivilcourage daher gerade jene, die gar keiner Gruppe angehören. Die Minderheit schlechthin, ist immer noch das Individuum.

Auf der Seite der (wirklich) Leidenden zu sein, hieße vor allem, mitfühlend zu sein. Statt das Leid der anderen einfach zu verdrängen, zu ignorieren. Zuallererst einmal mit jenen empathisch zu sein, die einem ohnehin nahe sind... Kein Mensch kann natürlich objektiv beurteilen, wie sehr ein anderer leidet. Deshalb sind wir letztlich immer auf unser individuelles Empfinden angewiesen.

Einfach "Rechte" zu postulieren oder zu fordern, ist hingegen meist illusorisch. Und fast das Gegenteil von Zivilcourage. Wir haben im Grunde keine Rechte - wir können nur mitfühlend sein miteinander. Wo sollten denn abstrakte Rechte überhaupt herkommen? (Auch hier gilt ja: vor dem Nehmen, muss immer ein Geben kommen. Und zwar nicht auf Kosten Dritter!)

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