• 04.02.2014, 18:15:33
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gründer brauchen bessere Gründe - von Andre Exner

Innovation und Fortschritt kommen aus Branchen wie Industrie oder IT

Utl.: Innovation und Fortschritt kommen aus Branchen wie Industrie
oder IT =

Wien (OTS) - Um sechs Prozent mehr Unternehmensneugründungen gab es
in Österreich im Vorjahr. 28.565 Personen machten sich selbstständig.
Laut WKÖ-Präsident Christoph Leitl sind diese Zahlen "ermutigend".
Tatsächlich ist eine Steigerung begrüßenswert, generieren neue
Unternehmen doch Jobs und Wertschöpfung. Für Freudensprünge gibt es
jedoch keinen Anlass: Die Zahl der Gründungen liegt seit einem
Jahrzehnt stabil zwischen 27.000 in schlechten und 30.000 in guten
Jahren, auch die Struktur des Gründer-Universums ist unverändert.
Etwa zwei Drittel der Neugründungen erfolgen Jahr für Jahr in den
Sparten Gewerbe, Handwerk und Handel. Es ist zwar erfreulich, wenn
jemand nach der Lehre die Selbstständigkeit wählt, wenn ein neues
Geschäft oder ein neuer Friseursalon eröffnet werden. Aber Innovation
und Fortschritt kommen aus Branchen wie Industrie oder IT - und diese
findet man in der Gründungsstatistik unter "ferner liefen".

Die Gründe dafür, warum es zu wenig innovative Gründer gibt, sind
vielfältig. Es fängt bereits bei der Einstellung an. So mag man
Umfragen aus anderen europäischen Ländern belächeln, wo junge
Menschen als ihren Berufswunsch "Beamter" angeben; aber auch in
Österreich wird Gründung und Selbstständigkeit weder in der Schule
noch beim (Wirtschafts-)Studium besonders gefördert. Dazu kommt, dass
Scheitern Stigmatisierung bedeutet, während man im Gründungsparadies
USA erst als Unternehmer ernst genommen wird, wenn man einen
Bauchfleck hingelegt hatte. Zudem sind Querdenker hierzulande nicht
immer gern gesehen. Selbst viele von denen, die Crowdfunding-Pionier
Heini Staudinger öffentlich loben, kritisieren seinen Kampf gegen die
Institutionen in Privatgesprächen.

Auch die Rahmenbedingungen müssten besser sein. Wenn es bei der GmbH
ein Gründungsprivileg geben soll, warum nicht bei SVA-Beiträgen und
Lohnnebenkosten? Die Rot-Weiß-Rot-Karte sowie die Gewerbeordnung
müssten auf Start-ups zugeschnittene Erleichterungen enthalten. Die
steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen durch Business Angels bis
zu einem vertretbaren Höchstbetrag - die Junge Wirtschaft fordert
beispielsweise bloß 50.000 Euro - würde ebenfalls weniger kosten, als
sie bringt. Denn Start-ups sind nicht nur Jobmotoren, sondern auch
Imageträger - und die Erfolgsstorys von heute schaffen die Basis für
die Erfolgsstorys von morgen.

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