WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Brüssel ist nicht Kanaan - von Eva Konzett

Es muss auf Basis von Entwicklungskonzepten gefördert werden

Wien (OTS) - Für die einen handelt es sich um die Heilsbringer, um die strukturschwächeren Regionen der EU an das europäische Mittel heranzuführen, die anderen sehen in ihnen den zahnlosen Papiertiger, der eigentlich nur in der Theorie seine Stärke beweisen kann. Wir sprechen von EU-Förderungen. Ihr Ziel: Durch die finanzielle Unterstützung von Projektträgern (von Kommunen, Unternehmen, Einzelpersonen bis hin zu Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen) sollen langfristig die wirtschaftlichen und sozialen Gräben innerhalb der EU geebnet werden. Europa, so die Idee, soll stärker zusammenwachsen.

Fest steht, dass dafür Hunderte Milliarden Euro angezapft werden könnten. Ebenso unbestritten ist, dass die Umsetzung der theoretischen Schlagkraft manchmal an den irdischen Umständen scheitert. Gerade in Mittel- und Osteuropa, der Hauptzielregion dieser Strukturpolitik, bedeutet die Durchführung eines EU-Projekts mitunter einen ungewöhnlichen Kraftakt.

Das liegt u.a. daran, dass die Strukturmittel von den Ländern selbst verwaltet werden. Im Rahmen der von Brüssel festgelegten Kriterien bewegt sich die Projektvergabe intern nach eigenen Regeln. Brüssel kann nur mehr rückwirkend kontrollieren.

Was im Sinne eines Machttransfers vom Zentrum zum akuten Einsatzort begrüßt werden muss, legt umgekehrt die Schwächen der einzelnen Verwaltungen frei: Unerfahrene Beamte, hohe administrative Bedingungen und nicht zuletzt Korruption, um den Dokumentenberg etwas abzutragen, gehören eben auch dazu. Doch nicht nur die Schwächen der Behörden dürfen für die teils mageren Abrufungsraten (siehe Rumänien) verantwortlich gemacht werden. Denn wie im biblischen Kanaan das Wasser in Wein zu wandeln, das vermögen die EU-Mittel nicht. So wird beispielsweise ein IT-Cluster ohne Anschluss an eine technische Universität wenige Impulse setzen können, ebenso stellt sich die Sinnfrage bei einer Spanplattenproduktion, wenn weit und breit kein Nutzwald zu sehen ist.

Nicht zuletzt muss auf Basis von Entwicklungskonzepten gefördert werden. Auch, weil blühende Landschaften dort schneller entstehen, wo Pflänzchen seit Langem wachsen. Oder anders gesagt: Das Burgenland, die einzige österreichische Übergangsregion, wird sich bis übermorgen nicht zum Industriezentrum mausern. Auch wenn noch so viel Geld in Richtung Eisenstadt fließt.

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