"kreuz und quer" am 4. Februar: "Papst Benedikts Kreuzweg" und "Tauschen & Teilen: Der Trend zum Leben ohne Geld"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl -zeigt am Dienstag, dem 4. Februar 2014, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Dokumentation "Papst Benedikts Kreuzweg", in der Jesus Garces Lambert, Ernesto Pagano und Lucio Mollica die Ereignisse untersuchen, die zu Benedikts Rücktritt führten. Viele Menschen nahmen Joseph Ratzinger als einen zögernden, entscheidungsängstlichen Papst wahr. Doch der Schein könnte trügen: Die Dokumentation enthüllt die Schwierigkeiten eines durchaus mutigen Papstes, der nicht Teil eines korrupten vatikanischen Systems sein wollte. Um den Trend zum Leben ohne Geld geht es ab 23.25 Uhr in Bert Ehgartners Film "Tauschen & Teilen".

"Papst Benedikts Kreuzweg" - Ein Film von Jesus Garces Lambert, Ernesto Pagano und Lucio Mollica

Ein Buch erschütterte 2009 den Vatikan: Der investigative italienische Journalist Gianluigi Nuzzi enthüllte in "Vatikan AG" geheime Dokumente über die dunklen Geschäfte der Vatikanbank - das Buch wurde sofort zum Bestseller. "Die geheimen Briefe aus dem Schreibtisch von Papst Benedikt XVI." brachte den Heiligen Stuhl erneut zum Beben, dieses Mal mit Hilfe des engsten Dieners des Papstes. Der Skandal, den die Dokumente auslösten, wurde als "Vatileaks" bekannt und enthüllte die tiefen Gräben und heftigen Rivalitäten innerhalb des Vatikans.

Wer den Papst genauer beobachtet hatte, so Nuzzi, konnte von seinem Amtsverzicht, ein seit 600 Jahren einmaliges Ereignis, nicht wirklich überrascht sein. Der Journalist blickt in der "kreuz und quer"-Dokumentation auf Benedikts acht Jahre währendes Pontifikat zurück. Der Film macht die Kämpfe eines isolierten Papstes deutlich:
Die Kurie war unter seinem Vorgänger Johannes Paul II., der lieber auf pastoralen Reisen große Themen ansprach als vom Schreibtisch aus den Vatikan zu administrieren, außer Kontrolle geraten. Nuzzi beobachtete kritisch, wie sich im Pontifikat Papst Benedikts Krise an Krise reihte: der Skandal um die Vatikanbank, der ein unglaubliches Maß an Korruption enthüllte, die pädophilen Ausschweifungen von Priestern weltweit, "Vatileaks" und die innervatikanischen Konflikte, die den kleinen Staat als Ort unbarmherziger Machtkämpfe offenbarten.

Nuzzi vermutet, dass der Papst seinen Abschied schon seit Langem geplant hatte. Und er erinnert an einen Kardinal Ratzinger, der nicht Papst werden wollte. Der Journalist Nuzzi zeigt, dass der Papst nicht Teil des Systems sein wollte und sich als konservativer Theologe lieber mit der Mission der Kirche auseinandersetzte als mit den Abgründen, in die sich ihre höchsten Diener hineinmanövriert hatten. Ratzinger wollte als Papst die vorbildliche Rolle der Kirche wieder herstellen - angesichts des kurialen Machtgefüges eine Herkulesaufgabe, für die er offenbar keine Kraft mehr zu haben meinte.

"Tauschen & Teilen: Der Trend zum Leben ohne Geld" - Ein Film von Bert Ehgartner

Die Kooperative "Longo Mai" ist eines der wenigen Gesellschaftsexperimente der 68er-Generation, das die Zeiten überdauerte: In der Zentrale von Longo Mai in der französischen Provence leben rund 80 Erwachsene und Kinder. Die Arbeit wird geteilt, Geld ist weitgehend abgeschafft, Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Heinz Schwarz aus Wien gehörte zur Gruppe der Pioniere, die Anfang der 1970er Jahre das Land erwarben und die desolaten Gebäude renovierten. "Wir waren alle aus der Stadt", erzählt er, "von Landwirtschaft haben wir keine Ahnung gehabt." Kürzlich feierte die Kooperative, die mittlerweile zehn Niederlassungen betreibt, ihr 40-jähriges Bestehen.

Bert Ehgartner porträtiert eine Gruppe von Österreichern in Longo Mai, aber auch andere Initiativen, die Alternativen zum kapitalistischen Gesellschaftsmodell erproben. Selbsternteprojekte, Couchsurfing oder Tauschkreise mit eigenen Währungen sind keine reinen Nischenphänomene mehr. Gerade in Zeiten von Finanzkrise und zunehmend unbefriedigenden Arbeitsverhältnissen wächst eine Sehnsucht nach anderen Lebensformen. Unter dem Oberbegriff der "Commons-Bewegung" entsteht eine neue Kultur des gegenseitigen Gebens und Nehmens.

Österreichweit florieren die "Talente-Tauschkreise". Dabei werden eigene Talente genützt und gegen fremde Talente eingetauscht. Dass "Commoning" längst mehr als graue Theorie ist, zeigen auch florierende Gemeinschaftsgärten. Gemeinschaftliches Leben ist bei Ordensleuten seit jeher üblich. "Eigentlich sind wir ja die Erfinder der Commons-Idee", sagt Franz Helm von den Steyler Missionaren. "Wir sind sehr froh, dass dieser Gedanke nun auch in der normalen Gesellschaft modern wird und immer mehr mit Ideen und konkreten Projekten gefüllt wird."

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0003