- 03.02.2014, 11:21:02
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"kreuz und quer" am 4. Februar: "Papst Benedikts Kreuzweg" und "Tauschen & Teilen: Der Trend zum Leben ohne Geld"
Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl -
zeigt am Dienstag, dem 4. Februar 2014, um 22.30 Uhr in ORF 2 die
Dokumentation "Papst Benedikts Kreuzweg", in der Jesus Garces
Lambert, Ernesto Pagano und Lucio Mollica die Ereignisse untersuchen,
die zu Benedikts Rücktritt führten. Viele Menschen nahmen Joseph
Ratzinger als einen zögernden, entscheidungsängstlichen Papst wahr.
Doch der Schein könnte trügen: Die Dokumentation enthüllt die
Schwierigkeiten eines durchaus mutigen Papstes, der nicht Teil eines
korrupten vatikanischen Systems sein wollte. Um den Trend zum Leben
ohne Geld geht es ab 23.25 Uhr in Bert Ehgartners Film "Tauschen &
Teilen".
"Papst Benedikts Kreuzweg" - Ein Film von Jesus Garces Lambert,
Ernesto Pagano und Lucio Mollica
Ein Buch erschütterte 2009 den Vatikan: Der investigative
italienische Journalist Gianluigi Nuzzi enthüllte in "Vatikan AG"
geheime Dokumente über die dunklen Geschäfte der Vatikanbank - das
Buch wurde sofort zum Bestseller. "Die geheimen Briefe aus dem
Schreibtisch von Papst Benedikt XVI." brachte den Heiligen Stuhl
erneut zum Beben, dieses Mal mit Hilfe des engsten Dieners des
Papstes. Der Skandal, den die Dokumente auslösten, wurde als
"Vatileaks" bekannt und enthüllte die tiefen Gräben und heftigen
Rivalitäten innerhalb des Vatikans.
Wer den Papst genauer beobachtet hatte, so Nuzzi, konnte von seinem
Amtsverzicht, ein seit 600 Jahren einmaliges Ereignis, nicht wirklich
überrascht sein. Der Journalist blickt in der "kreuz und
quer"-Dokumentation auf Benedikts acht Jahre währendes Pontifikat
zurück. Der Film macht die Kämpfe eines isolierten Papstes deutlich:
Die Kurie war unter seinem Vorgänger Johannes Paul II., der lieber
auf pastoralen Reisen große Themen ansprach als vom Schreibtisch aus
den Vatikan zu administrieren, außer Kontrolle geraten. Nuzzi
beobachtete kritisch, wie sich im Pontifikat Papst Benedikts Krise an
Krise reihte: der Skandal um die Vatikanbank, der ein unglaubliches
Maß an Korruption enthüllte, die pädophilen Ausschweifungen von
Priestern weltweit, "Vatileaks" und die innervatikanischen Konflikte,
die den kleinen Staat als Ort unbarmherziger Machtkämpfe offenbarten.
Nuzzi vermutet, dass der Papst seinen Abschied schon seit Langem
geplant hatte. Und er erinnert an einen Kardinal Ratzinger, der nicht
Papst werden wollte. Der Journalist Nuzzi zeigt, dass der Papst nicht
Teil des Systems sein wollte und sich als konservativer Theologe
lieber mit der Mission der Kirche auseinandersetzte als mit den
Abgründen, in die sich ihre höchsten Diener hineinmanövriert hatten.
Ratzinger wollte als Papst die vorbildliche Rolle der Kirche wieder
herstellen - angesichts des kurialen Machtgefüges eine
Herkulesaufgabe, für die er offenbar keine Kraft mehr zu haben
meinte.
"Tauschen & Teilen: Der Trend zum Leben ohne Geld" - Ein Film von
Bert Ehgartner
Die Kooperative "Longo Mai" ist eines der wenigen
Gesellschaftsexperimente der 68er-Generation, das die Zeiten
überdauerte: In der Zentrale von Longo Mai in der französischen
Provence leben rund 80 Erwachsene und Kinder. Die Arbeit wird
geteilt, Geld ist weitgehend abgeschafft, Entscheidungen werden im
Konsens getroffen. Heinz Schwarz aus Wien gehörte zur Gruppe der
Pioniere, die Anfang der 1970er Jahre das Land erwarben und die
desolaten Gebäude renovierten. "Wir waren alle aus der Stadt",
erzählt er, "von Landwirtschaft haben wir keine Ahnung gehabt."
Kürzlich feierte die Kooperative, die mittlerweile zehn
Niederlassungen betreibt, ihr 40-jähriges Bestehen.
Bert Ehgartner porträtiert eine Gruppe von Österreichern in Longo
Mai, aber auch andere Initiativen, die Alternativen zum
kapitalistischen Gesellschaftsmodell erproben. Selbsternteprojekte,
Couchsurfing oder Tauschkreise mit eigenen Währungen sind keine
reinen Nischenphänomene mehr. Gerade in Zeiten von Finanzkrise und
zunehmend unbefriedigenden Arbeitsverhältnissen wächst eine Sehnsucht
nach anderen Lebensformen. Unter dem Oberbegriff der
"Commons-Bewegung" entsteht eine neue Kultur des gegenseitigen Gebens
und Nehmens.
Österreichweit florieren die "Talente-Tauschkreise". Dabei werden
eigene Talente genützt und gegen fremde Talente eingetauscht. Dass
"Commoning" längst mehr als graue Theorie ist, zeigen auch
florierende Gemeinschaftsgärten. Gemeinschaftliches Leben ist bei
Ordensleuten seit jeher üblich. "Eigentlich sind wir ja die Erfinder
der Commons-Idee", sagt Franz Helm von den Steyler Missionaren. "Wir
sind sehr froh, dass dieser Gedanke nun auch in der normalen
Gesellschaft modern wird und immer mehr mit Ideen und konkreten
Projekten gefüllt wird."
"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.
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