Industrie: Fragile Konjunkturerholung

IV-GS Neumayer: Annäherung an Trendwachstum abhängig von standortpolitischen Maßnahmen - IV-Chefökonom Helmenstein: Wachstumsimpulse aus Industrieländern zu erwarten

Wien (OTS/PdI) - "Die sich abzeichnende Aufhellung der Konjunkturaussichten reflektiert kaum mehr als eine klassische Frühjahrsbelebung. Die Erholung ist fragil. Für eine kräftige Konjunkturerholung fehlt es sowohl an Nachfrage aus dem Ausland als auch an favorablen Investitionsbedingungen im Inland. Überdies wird das Ausmaß der konjunkturellen Erholung von den standortpolitischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen mitbestimmt. Und hier ist die Politik - Stichwort Abgabenänderungsgesetz - aktuell nicht in die richtige Richtung unterwegs", so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein zu den Ergebnissen des aktuellen Konjunkturbarometers der IV aus dem 4. Quartal 2013 heute, Donnerstag, in Wien.

"Zwar hat sich die österreichische Wirtschaft inzwischen aus der Stagnationsphase gelöst, doch gestalten die Unternehmen ihre Produktions- und Beschäftigungsplanung angesichts fortbestehender wirtschaftspolitischer Ereignisrisken weiterhin vorsichtig", so der IV-Generalsekretär. "Im Ergebnis erscheint nicht mehr als eine Annäherung an das Trendwachstum der österreichischen Volkswirtschaft in einer Größenordnung von 1,5 Prozent für dieses Jahr möglich."

Unterstützend wirken dabei die erwartete Beschleunigung der wirtschaftlichen Dynamik in der Eurozone auf eine Jahreswachstumsrate von rund 1 Prozent, das allmähliche Wiederanziehen des Wachstums in Zentral- und Osteuropa und die bis dato warme Winterwitterung, welche vor allem die Bauwirtschaft begünstigt. Allerdings bleiben markante Wachstumsunterschiede sowohl zwischen den EU-Mitgliedsländern als auch innerhalb derselben bestehen. Darüber hinaus geht von der extrem expansiv gestalteten Geldpolitik der EZB weiterhin Unterstützung für eine Erholung der Konjunktur aus.

"Einschränkend ist festzuhalten, dass die Prognosen zwar eine Stabilisierung der globalen Wachstumsaussichten erwarten lassen, allerdings ist das Intermezzo eines vor allem von den Schwellenländern getragenen globalen Wachstums zumindest temporär vorüber", erklärte Helmenstein. "Zu erwarten ist vielmehr, dass die Weltwirtschaft heuer wieder verstärkt Impulse aus dem Wachstum in den USA in Höhe von mindestens zwei Prozent sowie aus zahlreichen weiteren Industrieländern empfangen wird, darunter einige außerhalb der Eurozone befindliche Länder wie Norwegen, die Schweiz und Großbritannien."

Die Ergebnisse im Detail

Der Wert des IV-Konjunkturbarometers, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, reflektiert die verbesserten Aussichten und legt auf einen Wert von +24 Punkten nach +16 Punkten zu. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch jene der Geschäftserwartungen verbessern sich in nahezu gleichläufiger Weise, erstere auf +29 Punkte (nach +23 Punkten), letztere auf +18 Punkte (nach +10 Punkten). Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage erreicht damit annähernd das ebenfalls Zurückhaltung ausdrückende Niveau zum Jahreswechsel 2011/2012. Im Detail sind die verbesserten Aussichten auf einen um abermals vier Prozentpunkte gestiegenen Anteil von Unternehmen zurückzuführen, die einen günstigen Geschäftsgang erwarten - doch insgesamt trifft dies auf nicht einmal jedes vierte Unternehmen zu -, während der Anteil der Unternehmen mit einem voraussichtlich unveränderten Geschäftsverlauf mit 72 Prozent zum Vorquartal unverändert bleibt.

Im Gegensatz zur Dynamik in den beiden Vorquartalen entwickelten sich die Auftragsbestände (Saldo +28 Punkte nach +34 Punkten im Vorquartal) zuletzt wieder rückläufig. Dabei büßten sie mehr als den gesamten Zugewinn des vorangegangenen Quartals ein, sodass sich auch die Auftragsreichweite kräftig verringert hat. Dieses Ergebnis ist im Wesentlichen auf den erheblichen Rückgang der Auslandsaufträge zurückzuführen. Der betreffende Saldo fällt von +34 Punkten auf +22 Punkte. Solche Rücksetzer sind im Zuge des Durchschreitens eines Konjunkturtales wie jenem in der Eurozone nicht ungewöhnlich, hinzu kommen aber sich mehrende Schwächezeichen hinsichtlich einer tragfähigen Expansionsdynamik in den Emerging Markets, sowohl in China als auch in anderen Ländern wie Südafrika, der Türkei und Indonesien, wo binnen eines Jahres ein markanter Wertverlust der betreffenden Währungen um rund ein Viertel zu verzeichnen war. Als am stärksten betroffen erweist sich Argentinien mit einer zuletzt dramatisch beschleunigten Abwertung des Peso um insgesamt 39 Prozent binnen 12 Monaten.

Die negative Entwicklung bei der Auftragslage schlägt zu einem gewissen Grad auf die Produktionsplanung durch. Wie zum letzten Termin prognostiziert, bildet sich der saisonbereinigte Wert für die Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten von +27 auf +20 Punkte zurück, nachdem der vorhergehende Anstieg überzeichnet war.

Mit dem sich verschlechternden Auftragsbestand und der Korrektur der Produktionsplanung vermögen die Unternehmen den während der Stagnationsphase zu beobachtenden, hohen Beschäftigtenstand nicht mehr in vollem Umfang aufrecht zu erhalten. Auch durch die inkrementelle Zunahme der Arbeitsproduktivität bedingt verharrt der Saldo für den Beschäftigtenstand bei -9 Punkten (nach zuvor -6 Punkten) im negativen Wertebereich. Dabei bleibt der Anteil der Unternehmen, welche die Beschäftigung aufzustocken beabsichtigen, mit 11 Prozent unverändert. Bei somit gleichbleibender Einstellungsneigung nimmt hingegen der Anteil jener Unternehmen auf 20 Prozent zu, die ihre Beschäftigung nicht zu halten vermögen.

Die zögernd einsetzende Erholung hinterlässt ihre Wirkung in der aktuellen Ertragslage der Unternehmen (Saldo +9 nach +5 Punkten), welche nach wie vor weit von jenem Niveau entfernt ist, welches während früherer Erholungsphasen zykluskonform charakteristisch war. Insbesondere schlägt sich die globale Nachfrageschwäche erheblich bei den erzielbaren Verkaufspreisen nieder, wenngleich die Abwärtsdynamik nochmals etwas abnimmt (Saldo 6 Punkte nach -10 Punkten im Vorquartal). Auch auf Sicht von sechs Monaten hellen sich die Ertragsaussichten nicht nennenswert auf. Der betreffende Wert liegt nunmehr bei +10 Punkten nach zuvor +9 Punkten.

Der Übergang von einem exportgeleiteten zu einem investitionsgetragenen Aufschwung setzt substanziell bessere Ertragsaussichten als gegenwärtig ausgewiesen voraus. An der Einschätzung, dass aus heutiger Sicht ein bestenfalls fragiler Aufschwung wahrscheinlich ist, wird daher unverändert festgehalten. Das tatsächliche Erreichen des Trendwachstums in Österreich hängt wesentlich von der inländischen Investitions- und Konsumneigung und damit auch von den im Lichte des Koalitionsübereinkommens zu entwickelnden Standortbedingungen ab. Je nach konkreter Ausgestaltung wird die Expansionsrate der österreichischen Wirtschaftsleistung bis zu einem Viertelprozentpunkt nach oben oder unten abweichen.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode

An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 427 Unternehmen mit rund 269.000 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung:
den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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